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jngspitz-Nordostwand direkt
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Michel Piola , Vernier
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Die ca. 600 m hohe Nordostwand des Kingspitz ( Engelhörner , BO )
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9. September 1988 , bei Tagesanbruch
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Dring ... dring ...
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Wie mühsam ist das Aufstehen noch vor dem Morgengrauen ( es ist 4.45 Uhr morgens ) , vor allem , wenn man im warmen Bett zu Hause liegt und nicht in einer Hütte oder einem Biwak !
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Die Enge und Unbequemlichkeit eines solchen <Basislagers> fördert naturgemäss einen ziemlich schnellen Wechsel in die Senkrechte . Und das gleiche gilt für den durch das bevorstehende Unternehmen ( Anmarschweg oder Klettertour ) ausgelösten Wunsch nach Bewegung .
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Ausserdem braucht man die Unannehmlichkeiten nicht allein zu ertragen !
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Dagegen fehlt zu Hause , wenn die ganze Stadt noch schläft , erschöpft von der Arbeit des Tages oder einem stürmischen Samstagabend , ein solcher Anreiz vollkommen .
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Dring ... dring ...
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Diesmal muss ich reagieren ;
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los , auf !
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Schnell ziehe ich mich an , esse eine Schale Getreideflocken mit gutem Zitronensaft , nehme den am Vorabend sorgfältig gepackten Sack auf meinen noch vom Schlaf steifen Rücken und öffne die Tür :
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Einfahrt des Intercity-Zuges von Genf/Aeroport nach Bern , Abfahrt 6.02 Uhr , Wagen 2. Klasse an der Spitze , Speisewagen in der Mitte , ...> Bequem in einem leeren Wagen installiert , sinne ich darüber nach , wie diese beiden Klettertage mit Daniel Anker , einem meiner getreuen Gefährten des Sommers , wohl sein werden . Mit Daniel , der mir am Telefon von seinem Wunsch erzählt hat , am Kingspitz , einem berühmten Gipfel in der Gruppe der Engelhörner , eine neue Route zu eröffnen .
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Da ich dieses Massiv in den Berner Alpen noch nicht kenne , kann ich mir nur ausmalen , was es wohl mit dieser fast 600 Meter hohen Kalkwand auf sich hat , die in einer Region liegt , in der es nur wenig Wände von dieser Art und Ausdehnung gibt ( natürlich abgesehen von der 1650 Meter hohen Eigernordwand ) .
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Und wie wird die Qualität des Gesteins sein ?
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Die von M.Lüthy , H.Haidegger und H.Steuri 1938 eröffnete klassische Route der Nordostwand geniesst einen besonderen Ruf :
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Im Führer ist von einem im ganzen guten Fels die Rede , dann wird aber präzisiert , dass es sich um eine dolomitenähnliche Wand handelt und darum gewisse Vorsichtsmassnahmen nötig sind , vor allem , wenn sich andere Seilschaften in der Route befinden .
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Zudem , und das wird unser Hauptproblem sein , werden wir uns beeilen müssen , denn Daniel wird morgen abend in Bern zurückerwartet .
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Das Rennen gegen die Uhr hat begonnen !
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Schon Bern .
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Ein Heer von Arbeitern ergiesst sich aus den Wagen und verschwindet in der Tiefe des Bahnhofs .
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In dieser Menge , zwischen einer nach billigem Parfum duftenden Sekretärin und zwei sehr ( zu ? ) dynamischen Kaderleuten , kann ich nicht anders , als mit meinem Rucksack in der von der Menge bestimmten Richtung zu treiben und dabei zu hoffen , das Gedränge möge ein wenig nachlassen und mir eine Chance geben , zu entwischen und Daniel zu treffen - aber wo eigentlich ?
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Mir bricht der Schweiss aus :
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Wir haben versäumt , einen Treffpunkt auszumachen !
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Was tun , damit wir uns in dieser Menschenflut finden ?
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Zum Glück wird der Menschenstrom langsam etwas dünner , das Vorankommen ein bisschen leichter , und ich habe gerade noch Zeit , ein Stück einer roten Hose und einen Trek-kingschuh zu entdecken , die um eine Treppenecke verschwinden .
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Mit der Überlegung , dass der durchschnittliche Beschäftigte im Dienstleistungssektor im allgemeinen nicht solche Attribute hat , beginne ich eine wilde Verfolgungsjagd , die mich bald in die Nähe des fraglichen Schuhs bringt , neben dem netterweise ein zweiter auftaucht , so dass sie ein Paar bilden .
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Es ist wirklich Daniel !
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Wir steigen in seinen kleinen Wagen , um den Ausgangspunkt unserer Unternehmung zu erreichen , den Parkplatz oberhalb Rosenlaui , kurz hinter Meiringen .
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Zum Kingspitz Zuerst müssen wir das für unsere Besteigung notwendige Material auswählen , wobei einige wichtige Entscheidungen nötig werden .
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Obgleich uns das Biwakieren im Freien viel Freude macht ( wir tun es so oft wie möglich ) , entschliessen wir uns gleich zu Beginn , in der Hütte zu übernachten . Das erspart uns Gewicht , weil wir nur eine Nacht in den Bergen zubringen werden .
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Anschliessend müssen wir uns entscheiden , welche Taktik wir für die Ausrüstung der Route wählen wollen :
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Sollen wir die Seillängen und Standplätze vollkommen mit Bohrhaken ausgerüstet lassen , wie man es im allgemeinen im Klettergarten macht ? Oder sollen wir einen Mittelweg einschlagen , der darin besteht , nur die Standplätze ( zum Abseilen ) und jene kompakten Partien auszurüsten , bei denen eine Sicherung mit Klemmkeilen nicht möglich ist ?
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Wir entscheiden uns für diese zweite Lösung , einerseits aus finanziellen Gründen , dann aber auch , weil wir meinen , es sei heutzutage wichtig , Kletterer zu grösserer Verantwortung im Gebirge zu veranlassen .
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Die Tatsache , die Klemmkeile selbst anbringen zu müssen , seine Route sowenig wie möglich auszurüsten und manchmal Rücksicht auf die direkte Umgebung zu nehmen , begünstigt , wie uns scheint , einen Reifeprozess beim Kletterer .
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Diese sogenannte Technik der ( Minimalabsicherung ) ist die im allgemeinen im Hochgebirge angewandte Methode , vor allem in Granitwänden , in denen die freiliegenden Risse eine verhältnismässig einfache Sicherung ermöglichen .
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Sie wird dagegen in Kalkwänden selten benutzt , weil sich einerseits diese Gesteinsart weniger gut eignet und andererseits der Einfluss der Klettergärten , wo die ganze Ausrüstung an Ort und Stelle vorhanden ist , sich dort entscheidend bemerkbar macht .
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Mancher wird sich wundern , dass wir nach dem Gesagten nicht weniger als 58 Bohrhaken in der Route beliessen .
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Aber man muss diese Zahl im richtigen Verhältnis sehen .
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Nach Abzug der an den Standplätzen angebrachten Haken bleiben nur noch etwa dreissig Sicherungspunkte für die Seillängen , also im Schnitt drei Bohrhaken für jede .
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Ganz besondere Aufmerksamkeit muss in dieser Hinsicht dem Problem eines Sturzes auf den Boden und des möglichen Anpralls gegen eine Besonderheit im Gelände ( z. B. gegen eine Ver-schneidungswand oder von einem Überhang auf eine geneigte Platte ) gewidmet werden .
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Schliesslich ein letztes , ethisches Problem :
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die Verwendung des batteriebetriebenen Bohrers .
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Der einzige und schwere Verstoss gegen die sportliche Herausforderung ist die Eröffnung der Routen von oben ( vor allem im Gebirge ) , ein Vorgehen , das die Ausrüstung von Routen erlaubt , deren Schwierigkeitsgrade der Autor nicht notwendigerweise beherrscht .
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Nachdem diese Probleme gelöst sind , müssen wir nur noch unsere Lasten so ordnen , dass sie dem Aufnahmevermögen unserer Rucksäcke entsprechen , und dann mit munterem Schritt den herrlichen Weg zur Engelhornhütte in Angriff nehmen .
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Es ist 11 Uhr vormittags .
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Ende des ersten Aktes Über die Kletterei selbst ist eigentlich wenig zu sagen , ausser dass wir am Anfang des Nachmittags die Besteigung des Sockels der klassischen Route von 1938 bis zum Beginn des ersten steilen Aufschwungs ( etwa 100 Meter über dem Wandfuss ) in Angriff nehmen .
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Nachdem wir dieser Route noch einige Seillängen gefolgt sind , um uns in dem Plattenlabyrinth zu orientieren , kehren wir auf die Höhe des Sockels zurück , um uns links einer markanten braunen Ader zuzuwenden , deren Fels etwas stärker strukturiert wirkt als die benachbarten schwärzlichen Platten .
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Nachdem wir zweieinhalb Seillängen in diesem merkwürdigen Felsband geklettert sind , können wir uns nach rechts wenden , um den Anfang der zentralen Zone grauer Platten zu erreichen , eine grossartige kompakte Rutschbahn , die eine anhaltende , schwierige und technisch anspruchsvolle Kletterei verheisst .
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Gleich darauf bestätigt sich diese Verheissung .
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Doch die auftretenden Gleichgewichtsund Adhäsionsprobleme können uns nicht daran hindern , Gedanken und Blicke über die Grate und Gipfel rings um uns schweifen zu lassen .
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So bewundern wir mit Vergnügen zwei Seilschaften , die den Westpfeiler der Vorderspitze ersteigen . Es ist eine sehr schöne klassische Route des oberen vierten Schwierigkeitsgrades ;
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Wir selbst bleiben an unserer kalten Nordostwand im Schatten . Darum halten wir , als wir beschliessen , unser Material am fünften Standplatz zu deponieren , unsere Faserpelzjacken nicht für überflüssig . Danach kehren wir um , seilen uns ab in Richtung Hütte , wo wir kurz vor Einbruch der Nacht eintreffen .
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Die Engelhornhütte besitzt noch den etwas altmodischen , aber so liebenswerten Reiz einer echten Berghütte , die von unmässigen Vergrösserungen und Modernisierung verschont geblieben ist .
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Der Bau hat bescheidene Ausmasse , die Schlafräume sind merkwürdig ineinandergeschachtelt , und die Küche bildet einen Teil des Aufenthaltsraumes , der dadurch eine gewisse gesellige Note erhält .
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Die an der Waldgrenze erbaute Hütte weckt zusammen mit ihrer bukolischen Umgebung im Besucher ein schwer zu beschreibendes Gefühl , eine Art inneren Frieden und Heiterkeit , Garanten für Erholung und einen unvergleichlichen Schlaf . Wir beeilen uns , das zu beweisen !
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Samstag , 10. September 1988 :
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zweiter Akt Während wir am Vorabend allein in der Wand waren , gibt es heute mehr als zehn Seilschaften , Anwärter auf die klassische Route . Das bestärkt uns in unserem Entschluss , den Heim zu tragen .
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Wir sind besonders froh über ihn , als ein zischendes Geräusch herunterkommende Steine ankündigt ;
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aber die zum Glück bemerkenswerte Seltenheit herunterregnenden Gerölls verdient es , die Korrektheit und Meisterschaft der uns benachbarten Seilschaften zu betonen . Im Plattenpanzer der Kingspitz-Nordostwand Im Augenblick , als wir unser Materialdepot erreichen , kommen wir in den Genuss der einzigen , allerdings nur kurzen sonnigen Phase des Tages .
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Es sei noch bemerkt , dass wir an Stand 5 und Stand 7 zu unserer Überraschung uns unbekannte alte Reihen von Haken und Bohrhaken gekreuzt haben , zwei einstige Routenführungen , die sich offensichtlich zu unserer Linken fortsetzen .
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Der zweite Teil unserer Route , oberhalb von Stand 8 , erfordert bald grössere Vorsicht wegen der Qualität des Gesteins , dies um so mehr , als wir jetzt oberhalb der in der klassischen Route kletternden Seilschaften sind .
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Eine letzte Verschneidung , eine letzte abdrängende Stelle , und wir sind wieder in der Nähe der klassischen Route , am Ende der Schwierigkeiten und wenig unterhalb des Gipfels . Dort erleben wir die Überraschung - sie ist gegenseitig - , unsern Freund Kaspar Ochsner zu treffen , den grossen Spezialisten dieser Region ( Kaspar hat zahlreiche , sehr schöne Routen gerade gegenüber , am Simelistock , eröffnet ) .
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Unsere Zeit geht zu Ende , wir können den Gipfel heute nicht mehr erreichen .
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Darum beginnen wir nach einer letzten , mit der klassischen Route von 1938 zusammenfallenden Seillänge - zur Beruhigung meines Gewissens - , uns abzuseilen . Wir erreichen das Tal in Rekordzeit .
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Wenn Daniel sein schönes Bern erreicht , wird das Nachtessen kalt sein und die Tischgesellschaft etwas enttäuscht .
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Mir bleiben dann noch einige Stunden Bahn und Bus , ehe ich wieder in das schöne weiche Bett schlüpfen kann , das ich kaum vierzig Stunden vorher verlassen habe .
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.... ..„pitz- Nordostwand auf Vorderspitze ( rechts ) und Gross Simelistock ( links ) Technische Angaben Vgl. MB 3/89 , S. 116 Nordostwand des Kingspitz :
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Route <Trumpf-könig> .
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AS-/ 550 m / Passagen 6b zwingend / 6c in Freikletterei .
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Sehr interessante Kletterei , besonders in der mittleren Zone , die ein gewisses Engagement verlangt und den Charakter einer grossen Kalkwand bietet .
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Stellenweise erfordert der Fels einige Vorsicht .
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Friends und Klemmkeile / 45-m-Seile / Heim ratsam Zugang :
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Bern-Meiringen-Willigen-Rosen-laui , dann Aufstieg zur Engelhornhütte ( 1901 m ) in 1 Std. 30 Min. , von der Hütte 40 Min. bis an den Wandfuss des Kingspitz ( Gipfel 2621 m ) Eröffnung :
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Abseilen von Stand 13 ( 45-m-Seile ; maillons rapides vorhanden ) oder vom Gipfel über die Westflanke Erstbegehung :
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Daniel Anker und Michel Piola , 9. und 10. September 1988 Aus dem französischsprachigen Teil .
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Inhalt 61 Peter Donatsch Korsika - ein Gebirge fällt ins Meer 69 Andreas und Claudine Mühle-bach-Métrailler Skitouren in Kalifornien 80 Daniel Santschi Am Huascaran in der Cordillera Blanca 88 Christian Weiss Bergtouren im Altai , Sowjetunion 96 Johann Jakob Burckhardt Eine Alpenreise von Rudolf Wolf im Jahre 1835 Herausgeber Redaktion Schweizer AlpenClub , Zentralkomitee ;
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Helvetiaplatz 4 , 3005 Bern , Telefon 031/433611 , Telefax 031/446063 .
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Publikationenchef CC Gotthard 1989-1991 Dr. Hansjörg Abt , Telefon 01/2581261 , Telefax 01/251 4424 .
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Umschlagbild :
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Etienne Gross , Thorackerstr. 3 , 3074 Muri , Telefon 031/525787 , Telefax 031/521570 ( verantwortlich für den deutschsprachigen Teil ) .
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Graphische Gestaltung Gottschalk+Ash Int'l Layout Thomas Petraschke G + A Markus Lehmann , Stämpfli + Cie AG Anzeigenverwaltung Künzler-Bachmann AG , Geltenwilenstrasse 8a , Postfach 926 , 9001 St.Gallen , Telefon 071/235555 , Telefax 071/236745 .
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Albert Signer .
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Druck und Expedition Stämpfli + Cie AG , Postfach , 3001 Bern , Telefax 031/240435 , Postscheck 30-169-8 .
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Erscheinungsweise Monatsbulletin in der zweiten Monatshälfte , Quartalsheft in der zweiten Hälfte des letzten Quartalsmonats .
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Blick vom Hochland auf die Gipfel der Cordillera Blanca ( Peru ) Photo :
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Daniel Santschi , Solothurn 102 Michel Ziegenhagen Ein Berg der Überraschungen 114 Michel Marthaler Die penninischen Decken in den Walliser Alpen Preis Abonnementspreise ( Nichtmitglieder ) für Monatsbulletin und Quartalsheft zusammen ( separates Abonnement nicht möglich ) :
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Schweiz , jährlich Fr. 42.- , Ausland , jährlich Fr. 58.- .
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Quartalsheft einzeln für SAC-Mitglieder Fr. 7.- , für Nichtmitglieder Fr. 10.- ;
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Monatsbulletin Fr. 2.- .
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auf PTT-Formular 257.04 . ( Mitglieder-Nr. beifügen ! )
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Inhalt :
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Die Beiträge geben die Meinung des Verfassers wieder .
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Nachdruck :
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Alle Rechte vorbehalten .
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Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung der Redaktion gestattet .
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Zugeschickte Beiträge :
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Beiträge jeder Art und Bildmaterial werden gerne entgegengenommen , doch wird jede Haftung abgelehnt .
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Die Redaktion entscheidet über die Annahme , die Ablehnung , den Zeitpunkt und die Art und Weise der Veröffentlichung .
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Beglaubigte Auflage :
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71 176 Exemplare .
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lin Berg der Überraschungen
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Michel Ziegenhagen , Lausanne
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Erster Angriff
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Das Nadelhorn stand für meinen Kollegen und Freund André Berney und mich auf der Liste jener Gipfel , die wir uns für eine Besteigung mit Ski vorgenommen hatten , denn es schien uns unangebracht , einen Gipfel im Sommer in Angriff zu nehmen , wenn das auch im Frühjahr möglich wäre .
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Für uns beide war es die zweite alpinistische Saison . Wir hatten uns diesem Sport fast gleichzeitig und spät , lange nach dem dreissigsten Lebensjahr , zugewandt , um die schlimmen psychosomati-schen Folgen einer allzu sesshaften Lebensweise erfolgreich zu bekämpfen .
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Unsere Erfahrung war sehr gering , unsere Ausrüstung rudimentär , unsere Begeisterung dagegen ansteckend und unsere Entschlossenheit ohne Fehl .
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Wir wussten kaum , dass es einen Alpenclub gab , und konnten uns nicht vorstellen , wozu er gut sein könnte .
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Hatten wir nicht im vergangenen Sommer das Finsteraarhorn bestiegen , und würden wir nicht in einigen Monaten zum Montblanc und zum Matterhorn zurückkehren ?
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Glücklich sind die Ahnungslosen !
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Es gibt Gipfel , die sich beim ersten Versuch ohne Widerstand besteigen lassen , als hätten sie von vornherein ihr Einverständnis erklärt .
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Andere dagegen zwingen durch immer neue Hindernisse zu vielfachen Versuchen , so dass man sich am Ende von ihnen verabscheut fühlt ; es scheint , als hause ein böser Geist im Berg .
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Es gibt noch eine dritte Art , deren Vertreter sich zunächst in einem freundlichen Licht zeigen , dann aber einen üblen Trick bereithalten , eine Art coup de Jarnac , einen heimtückischen Streich , der die Fähigkeiten des Kletterers auf eine harte Probe stellt .
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Ein solcher Gipfel war für mich das Nadelhorn . Doch wenn ich das Gebirge schon personifiziert habe , wie es jeder , der sich oft an ihm misst , unweigerlich tut , will ich doch schleunigst erklären , dass die wichtigste Ursache der schlimmen Ereignisse , die berichtet werden , im menschlichen Verhalten zu suchen ist . Die folgenden Zeilen werden das deutlich zeigen .
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Es liess uns allerdings rasch wissen , dass es unseren Plänen nicht zustimmte . Kurz vor der Tour musste ich aus einem zwingenden Grund , der mir nicht im Gedächtnis geblieben ist , absagen .
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Es hätte aber mehr gebraucht , um André zu entmutigen , der mit seiner unermüdlichen Unternehmungslust in einem andern Kollegen einen Gefährten fand .
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Die beiden begaben sich zur Bordierhütte .
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Am nächsten Tag ereignete sich während der Tour ein äusserst seltener doppelter Zwischenfall .
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Beim Aufstieg versank der Kollege , der auf dem Riedgletscher voranging , plötzlich , mit den Ski an den Fussen , zur Hälfte in einer Spalte .
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Etwas höher , in der Nähe des Windjochs , musste die Tour dann wegen überreichlicher Neuschneemengen ein Ende finden .
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Bei der Abfahrt sind die beiden mutigen Gesellen offenbar ihrer eigenen Spur auf etwa zehn Zentimeter genau gefolgt , denn André stürzte in dasselbe Loch und hing dort an seinen quer in der Spalte verklemmten Ski !
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Für einige Zeit war das Nadelhorn , das seine Besucher so unliebenswürdig empfangen hatte , kein Thema mehr .
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Tatsächlich war zwischen uns beiden nie mehr die Rede davon .
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Drei Jahre später , am ZinalRothorn , fand André sozusagen vor meinen Augen bei einem unglücklichen Pendelsturz von rund zehn Metern , in einer Passage ohne Schwierigkeit , den Tod .
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Wenn ich mir diese abschätzige Bewertung der Passage erlaube , dann , weil ich mehrfach aus geringerer Höhe gestürzt bin ( von einem dieser Stürze wird später noch die Rede sein ) - ohne einen Pendel ( in diesem Fall freiwillig ) in gleicher Grössenordnung zu erwähnen - , das Ganze mit unbedeutenden Schrammen .
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Wenn ich aber glaube , was Livanos über den grossen Riccardo Cassin gesagt hat , so genügt es nicht , auf das Glück zu warten , man muss es auch mit der nötigen Entschiedenheit herbeirufen .
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Das Wesentliche wäre also , das Unglück zu vermeiden ?
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Aber welchen Sinn haben solche Worte , wenn ein Freund den Tod findet ?
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Nicht einmal den einer Art Leichenrede .
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Erinnern sich diejenigen , die uns damals geholfen haben , noch an den 12. August 1973 ?
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Äusserst tüchtige Retter von der Air-Zermatt , Bergführer und Alpinisten , deren Namen ich nicht kenne ( mit Ausnahme von Alain Junod und Denis Berger , Sektion Diablerets , die den Alarm auslösten ) , denn ich habe in dem Durcheinander des Geschehens nicht daran gedacht , sie danach zu fragen .
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Ein schändlicher Streich Die Genfer haben ihre eigenen Gewohnheiten , das sei ohne die geringste Anspielung auf den etwas abgenutzten Witz gesagt , mit dem die Miteidgenossen die Redeleistung und das ewig mäklige Temperament der Leute vom Ende des Genfersees mit dem Umfang ihrer Stimmorgane in Verbindung bringen .
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Unter andern Besonderheiten feiern die Genfer le Jeûne - den Bettag - zehn Tage vor den andern Schweizern ( beachten aber deswegen Mässigkeit und Sittenstrenge auch nicht mehr ) , also an einem Donnerstag . Das gibt ihnen jedesmal Anfang September Gelegenheit , die ( Brücke zu schlagen ) und sich an vier aufeinanderfolgenden Tagen ihrer Freizeitbeschäftigung zu widmen .
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Traditionsgemäss setzt L'Arole ( ein kleiner Genfer Club von Bergsteigern ) ihren grossen Jahresausflug auf diesen Zeitpunkt fest ;
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Auf diese Weise brachte mich der Genfer Bettag des Jahres 1971 unter tragikomischen Umständen zum Nadelhorn .
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Als Zentrum unserer Unternehmen war Saas Fee ausgewählt worden . Das ( Basislager ) befand sich in einem sympathischen familiären Hotel , das von einem jener Supersaxo geführt wurde , die als Bergführer oder als meisterhafte Skifahrer den Ruhm dieses Namens begründet haben .
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Am Freitag stiegen acht der Muntersten zur Mischabelhütte auf , was andere Alpinisten und sogar einige Führer veranlasste , ebenfalls aufzusteigen .
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Vielleicht durch den zu dieser Jahreszeit ungewöhnlichen Besucherstrom überrascht , machte sich auch der Hüttenwart auf , marschierte in gutem Tempo und überholte uns mühelos .
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Wir rechneten darum damit , das notwendige Bier für unsern wachsenden Durst zu erhalten .
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Wie gross war unser Kummer , als wir feststellen mussten , dass uns das kostbare Nass , das an den andern Tischen in Strömen floss , ohne Erklärung oder sichtbaren Grund verweigert wurde .
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Beim Nachtessen spielte sich dasselbe mit dem Wein ab , der Hüttenwart behauptete sogar zu Unrecht , wir hätten unsere Bestellung nicht früh genug aufgegeben !
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Wir erhielten nur gerade das uns reglementarisch zustehende Wasser .
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Am nächsten Tag waren wir fünf , die auf das Nadelhorn wollten .
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Eine Zweierseilschaft kam schnell voran und erreichte die Hütte , ohne weiter zu warten .
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Ich führte die folgende , unterstützt von Paul Delisle , dem getreuen Gefährten unzählbarer Unternehmungen im Gebirge . Zwischen uns hatten wir ein neues Mitglied .
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Der Aufstieg verlief ereignislos , doch der Gipfel schien uns nicht bequem genug , wir verlegten darum den Picknickplatz zum Windjoch , das sich als sehr freundlich erwies , weil es seinen Namen an diesem Tag nicht verdiente .
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Wir sind also unter den Gipfelfelsen , steigen mit kleinen Schritten über Blankeisplatten ab .
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Beim Aufstieg waren uns diese Passagen einfach erschienen , doch wenn man sich dann dort mit dem Blick ins Leere wiederfindet , werden die Folgen eines möglichen Sturzes plötzlich sehr viel deutlicher .
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Veranlassen sie unsern Neuling zu einigen Überlegungen ?
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Er richtet unvermutet eine Frage an mich :
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( Wenn ich falle , hältst du mich dann?> - <Du kannst es immerhin versuchen ! )
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Eine eher scherzhafte Antwort ; ich bin weit davon entfernt , mir vorzustellen , dass sie ernstgenommen werden könnte .
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Einen Augenblick später springt mein Fragesteller , im Glauben , er hätte ein Zeichen von mir erhalten , mit einem Satz über die Gratkante . Während er in die Südostwand stürzt , die hier bei einer Neigung von 45 Grad dreihundert Meter hoch ist und im oberen Teil gänzlich mit vereistem Schnee bedeckt , verschwindet er aus meinem Blickfeld .
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Sofort vollführe ich , zusammengekauert und nach hinten geneigt , mit der linken Hand einen mächtigen Schlag mit dem Pickel , während ich mit der rechten das Seil halte .
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Paul spürt den Zug an seinem Seilstück , dreht sich unverzüglich um und stemmt sich auf seinen Pickel und die Steigeisen , als wolle er sich in den entgegengesetzten Hang stützen :
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reiner Reflex . Eine perfekte Verankerung , nichts rührt sich , und unser ( Experimentator ) zögert nicht , gut gesichert wieder aufzutauchen ; er scheint mit seiner gefährlichen Posse recht zufrieden .
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Wir hätten ihn mit Vorwürfen überhäufen sollen , waren aber viel zu froh , dass alles so gut abgelaufen war , und haben darum kaum daran gedacht .
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Übrigens hatte ich bis dahin nur einfache Abrutscher zu halten gehabt und war gar nicht böse , meine Ansichten auf diese Weise bestätigt zu sehen .
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Im Hintergrund Rimpfischhorn und Monte Rosa Windjoch wurde eins der fröhlichsten , verschönt durch eine auf meinem kleinen Kocher bereitete Bouillon , eine Köstlichkeit , die uns der ( Waffenstillstand ) der Winde an diesem Tag zugestand .
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Was können wir von diesem übellaunigen Hüttenwart zur Stillung unseres Durstes anderes erbitten als Wasser ?
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<Das gibt es nicht .
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Ich öffne die Küche erst um 18.00 Uhrb Wir hätten jedoch gern geholfen . Er hat es so gewollt :
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Jetzt kommt es zum Gewaltstreich !
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Fünf Trockensprit-Kocher stehen sofort in einer Reihe auf dem Tisch , um Schnee zu schmelzen .
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Wütend fährt der Hüttenwart dazwischen :
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( Löschen Sie die sofort , das ist gefährlich ! )
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- ( Einverstanden , aber wir wollen Wasser ! )
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Wenn wir nur zwei wären , hätte er genug Kraft , um uns hinauszuwerfen . Aber bei fünf entschlossenen Burschen sollte man doch besser überlegen .
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( Gut , ich mache Ihnen Wasser ) .
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Während des Blick vom Gipfel des Ulrichshorns auf Nadelhorn , Stecknadelhorn und Höhberghorn Abends lässt sich der Zerberus zu dem Geständnis hinreissen :
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( Wissen Sie , ich mag die Romands nicht leiden , nur die Deutschen und die Deutschschweizer . )
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Wirklich !
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Wir begannen fast so etwas zu ahnen !
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In einem solchen Fall fordert die Heilige Schrift , dass man verzeiht .
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Am nächsten Morgen dann eine fröhliche Abfahrt nach Saas in Gesellschaft eines Bergführers , eines gesprächigen Manns und Patrons der ersten Wirtschaft , auf die wir treffen .
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Er lässt uns unser Elend vergessen , indem er uns soviel Bier serviert , wie wir wollen .
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Danach rät man mir , wegen unseres Missgeschicks der hüttenbesitzenden Sektion ( dem Akademischen Alpenclub von Zürich ) zu schreiben und mich zu beklagen . Ich habe nichts unternommen ;
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es schien mir unpassend , die Gebirgsatmosphäre durch kleinliche Verwaltungsstreitigkeiten zu vergiften , die in der Ebene gerade noch hingehen mögen . Bald gewannen die guten Erinnerungen Oberhand über die schlechteren ;
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meine Faulheit besorgte den Rest .
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Die Zukunft sollte mir Recht geben .
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Die Drohung der Bergschründe :
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Eine sehr kritische Situation Nachdem ich das Nadelhorn von der Saaser Seite bestiegen hatte , schien es mir angezeigt , dasselbe auch von der Seite von Ried aus zu tun .
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Die Lektüre des Guide des Alpes valaisannes hatte mich begeistert .
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Es war darin von gewaltigen Traversierungen der Mischabelkette die Rede , die innerhalb von 24 Stunden durchgeführt wurden , und das schon vor mehr als einem halben Jahrhundert .
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Ich plante - bescheidener - , als guten Abschluss der Saison 1977 den Nadelgrat zu begehen .
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Es ging gewissermassen darum , nach André Berneys Fehlschlag die Herausforderung anzunehmen und der Spur des so früh verstorbenen Gefährten meiner Anfänge wieder zu begegnen .
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Der Plan interessierte Jean-Luc Amstutz .
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Für einmal ging es nicht um Kletterei , sondern um reinen Alpinismus .
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Anfang Oktober stiegen wir zur Bordierhütte auf , bewunderten unterwegs ein kleines , sowohl in seiner Form als auch durch seine Vegetation bemerkenswertes Moränental .
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Mir lag daran anzukommen .
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Die Hütte sollte am nächsten Abend geschlossen werden , und das Winterbuch stand bereits den Besuchern zur Verfügung .
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Sobald wir angekommen waren , den Band durchzublättern und Andres schon sieben Jahre alte Eintragung zu finden , war Sache eines Augenblicks .
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Melancholische Erinnerung an den verstorbenen Freund , die vergangene Zeit .
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Ich hatte noch die Möglichkeit , die Geschichte sehr viel weiter zurück zu verfolgen : Auf den in den dreissiger Jahren gefüllten Seiten standen die Namenszüge berühmter Bergführer , Josef Knubel und Franz Lochmatter .
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Am Sonntagmorgen nahmen wir nach einem langen Umweg über den Riedgletscher den Nordosthang des Galenjochs in Angriff .
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Als derjenige , der die Tour vorgeschlagen hatte , führte ich die Seilschaft , und Jean-Luc hatte , obgleich er seit ganz kurzer Zeit Berg führerAspirant war , diese Ordnung stillschweigend akzeptiert .
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Er sollte sehr schnell über das Ausmass meiner Kompetenz belehrt werden , denn eine ordentliche Schicht frischen Schnees hatte den ganzen Hang bedeckt , den Bergschrund verschwinden lassen und über Hunderte von Metern , bis ins Unendliche , alles nivelliert .
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Misstrauisch tappe ich auf dem steilen Hang voran , prüfe die Schneehöhe dabei mit dem Pickel ; der harte Grund verschwindet immer mehr .
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Plötzlich ist alles um mich her weiss , als sei mein Kopf in einen Sack Mehl oder ein Federbett getaucht .
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Einen kurzen Augenblick lang verstehe ich nichts ;
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kein Gefühl zu stürzen , so wie man es in einem Lift spürt , der bei der Fahrt nach unten beschleunigt oder bei der Aufwärtsfahrt verlangsamt , wobei man meint , der Magen steige einem bis in den Hals .
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Ein Stoss von hinten , dann einer von vorn , und jetzt ist alles schwarz :
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Kein Zweifel , ich falle in den Bergschrund .
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Der zweite Stoss hat mich nach links und nach hinten geworfen ( es wird mir bei der <Landung> bewusst ) , ich habe also alle Musse zu sehen , wie das Loch , durch das ich gefallen bin - es ist im Augenblick das einzig Helle - , sich in grösster Geschwindigkeit entfernt und bereits vier oder fünf Meter über mir ist .
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Wir waren mit straffem Seil gegangen .
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Wenn ich so tief fallen konnte , dann , weil ich aus einem unverständlichen Grund Jean-Luc nachgezogen hatte .
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Diese Folgerung hätte mich vor Entsetzen zu Eis erstarren lassen sollen .
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Aber nein , sie lässt mich vollkommen gleichgültig , wie irgendetwas Belangloses .
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Einen Kameraden versinken zu sehen , hätte mir mein ganzes Innere zusammengezogen .
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Aber nichts dergleichen :
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Ich habe das Gefühl , meinen eigenen Sturz mitzuerleben , ohne wirklich beteiligt zu sein , die verschiedensten Eindrücke wahrzunehmen , die zu schnell aufeinanderfolgen , als dass ich sie zu einem zusammenhängenden Ganzen verbinden könnte .
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Eine Art Persönlichkeitsspaltung , ein unbekümmertes Gefühl , in der Luft zu treiben , keine Geste der Gegenwehr .
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Fatalismus , die Würfel sind gefallen , ich habe einen Fehler gemacht , also muss ich dafür büssen .
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Doch das wäre eine zu weitgehende Interpretation .
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Ich war ganz einfach eine Sekunde lang wie erstarrt , und jetzt ist es zu spät , um noch irgend etwas zu versuchen .
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Als ich mich später an diesen Sturz erinnerte , kam mir der Gedanke , die Vorstellung der Trennung von Körper und Seele im Augenblick des Todes könnte in solchen Augenblicken entstanden sein .
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Ein letzter Stoss , heftiger als die vorhergehenden , setzt dem Fall ein Ende .
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Ein schmales , aus der talseitigen Wand vorspringendes Eisbankett beendet den Sturz ; wenn mich der zweite Stoss nicht schräg unter den Überhang geworfen hätte , fiele ich jetzt glatt daran vorbei .
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Der Rucksack fängt einen Teil des Schlages ab , ein praktisch abgerissener Tragriemen wird das später zeigen .
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Ohne den Sack wäre ich nach meinem Sturz auf den Rücken vielleicht nicht mehr aufgestanden .
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Das am Ende des Falls zunehmend stärker gespannte Seil hatte ebenso dazu beigetragen , den Aufprall zu dämpfen .
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Ich brauche einige Augenblicke , um wieder zu Atem zu kommen und meine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen .
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Alles ist grau und unscharf .
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Mechanisch fahre ich mit einer Hand über meine Nase .
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Meine Brille ?
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Sie ist sieben oder acht Meter tiefer ( so viel bin auch ich gestürzt ) auf dem Grund des Bergschrundes verschwunden , in einem finstern und unergründlichen , zwischen Eis und Fels gähnenden Trichter . Mir ist als einziges Andenken an sie ein Kratzer auf der Nase geblieben .
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Auf das Bankett gestützt , muss ich die Ersatzbrille aus der Rucksacktasche holen .
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Endlich sehe ich klar , aber die Umgebung ist unheimlich :
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grünliche , bestürzende Eiswülste , Bahnen von Faulschnee , bergwärts schwärzlicher Fels .
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Hinaus , und schnell !
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Er muss mir fortgerutscht sein . Unwahrscheinliches Glück :
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Er ist anderthalb Meter unter mir in einem Loch hängengeblieben .
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Ich recke die Arme , strecke die Hände aus , nichts nützt , mir fehlen mehrere Dezimeter .
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<Seil geben ! )
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Trotz wildem Rütteln bleibt das Seil straff gespannt .
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Ich hatte vergessen , dass Töne aus einer verdeckten Spalte nicht hinausdringen .
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Aber könnte schliesslich der Idiot da oben nicht mal kommen und nachsehen ?
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Ein verzweifelter Entschluss :
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Von den Riemen des Anseilgurtes gehalten , kehre ich mich mit dem Kopf nach unten .
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Im letzten Moment greife ich das unentbehrliche Werkzeug und kehre in eine vernünftigere Position zurück .
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Yoga , von mir aus , aber bitte auf dem Teppich !
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Jetzt die Steigeisen , und aufgepasst , dass ich nichts fallen lasse , während ich sie anschnalle .
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Ganz ehrlich , ich wäre sehr traurig gewesen , hätte ich diesen Pickel verloren , den mir Pierre Bovier , der letzte Schmied von Evolène , nach Mass gemacht hatte .
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Der Stiel war mir einmal gebrochen . Er wurde in Chamonix durch die Hilfe des Papa Moser ersetzt , des Mitbegründers eines für die Herstellung von Bergsteigermaterial berühmten ( heute leider verschwundenen ) Hauses , in dem er der Spezialist ( der letzte ) für hölzerne Pickelstiele geworden war .
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Was ich an diesem Tag gerettet habe , ist weit mehr als ein einfacher Pickel , es ist eine Reliquie der Handwerkskunst .
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Zu meiner Linken zeigt eine unbestimmte , schräge und gekrümmte Rampe , in die ich Stufen und Griffe schlagen muss , die Ausstiegsmöglichkeit an .
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Jean-Luc wacht :
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Jedem Schritt folgt das Seil , stets straff gespannt .
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Nach einigen Metern dringt es , schräg zur Talseite hin , in den Schnee ein und hat eine lästige Neigung , mich gegen die Wand zu drängen .
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Ein heftiger Kampf , Verklemmen und Verstemmen ( die ebenfalls überhängende bergseitige Lippe des Bergschrundes ist näher gekommen ) , dann tauche ich , von der Sonne geblendet , mit halbem Körper auf , die Arme auf den Rand des Loches gestützt .
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Mit einer letzten heftigen Bewegung aus den Hüften bin ich draussen !
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Etwa ein Dutzend Meter weiter unten hat sich Jean-Luc , in perfekter Sicherungsposition und mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen , festgesetzt . Mir tönt eine seiner prächtigen Bemerkungen entgegen :
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<He , hör mal , ich habe das Seil doch gut gehalten ! )
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Ja , und sogar ein bisschen sehr fest , aber es wäre reiner Undank , wollte ich mich beklagen , denn seit meinem Sturz ist höchstens eine halbe Stunde vergangen .
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Wieder unterwegs , als sei nichts geschehen , wende ich mich zurück , um eine günstigere Passage zu suchen , und fühle mich plötzlich von einer übermächtigen Müdigkeit zu Boden gedrückt , meine Beine sind bleischwer .
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Jean-Luc hat das bereits begriffen und übernimmt die Seilführung für den Rückweg .
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<Hör mal , wenn hier so viel Schnee liegt , ist das oben noch schlimmer , wir werden Schwierigkeiten haben ! )
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Das stimmt weiss Gott , und da mich die Affäre zudem sehr ermüdet hat , muss ich , wenn auch widerwillig , zugeben , dass die Angelegenheit für heute erledigt ist .
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Obgleich der Rückweg einfach war , schien er mir zeitweise etwas mühsam , ganz offensichtlich wäre ich nicht sehr viel weiter gekommen .
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Seilschaften in der Nordwand der Lenzspitze ( im Aufstieg zum Nadelhorn ) Ein letzter Blick :
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Das Seil hat von dem an der unteren Lippe des Bergschrunds zusammengewehten und aufgehäuften Schnee eine grosse Ecke abgeschnitten , so dass ich doppelt so tief stürzte .
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Jean-Luc , der den Boden sich mehrere Meter in seiner Richtung spalten sah und das Einbrechen einer grossen Schneebrücke fürchtete , hatte sich jeden weiteren Schritt versagen müssen , in der Hoffnung , ich würde mein Möglichstes tun . Ein Wunsch , der zur allgemeinen Erleichterung erhört wurde .
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Aber ich habe mich manchmal gefragt , was er wohl gemacht hätte , wenn er einen weniger aktiven Klienten an seinem Seil gehabt hätte .
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In der Hütte zeigte der Hüttenwart keinerlei Überraschung , als er von unserm Missgeschick hörte , das wir übrigens nicht mit besonderem Stolz erzählt haben .
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Ihm schien die Sache einleuchtend ; er , der vorsichtiger war als wir , hatte seine Tour , bei der er einige Personen zum Balfrin geführt hatte , erfolgreich beendet .
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Am Nachmittag tauchte von der Mischabelhütte her ein einzelner Deutscher mit einem schweren Rucksack auf .
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Dieser Bursche musste ohne Seil die beiden Bergschründe des Windjochs und Gott weiss wieviele Spalten , die einem den Schauder einjagen können , passiert haben .
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Verrückt oder ahnungslos ?
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Ganz bestimmt ist das Gebirge eins der letzten Gebiete der Erde , wo ständig Wunder geschehen , aber sich darauf zu verlassen , wäre der Beweis einer sehr ungesunden Naivität .
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Und ich habe die Bergschründe für lächerliche Risse gehalten !
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Ein mühelos revidiertes Urteil . Auf den Tag genau eine Woche später wurde die Bordierhütte durch einen Brand ( war die Gasbeleuchtung schuld ? )
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Mit ihr verbrannte das Hüttenbuch voll der kostbaren Erinnerungen .
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Freunde von einst , wer wird euch jetzt aus der ewigen Nacht erstehen lassen ?
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Die hundertunderste der schönsten Touren Die Abdachung der Rieder Seite hatte also zwei zu null gesiegt , uns im Frühjahr und im Sommer zu Boden gezwungen .
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Verärgert hatte ich sie während einiger Jahre aus meinen Plänen gestrichen . Erst Anfang August 1986 bin ich mit drei Mitgliedern des sympathischen Skiclubs von Epalinges - alle erprobte Alpinisten - dorthin zurückgekehrt .
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Diese Massendemonstration schien mir für eine seit sechzehn Jahren fällige Vergeltung nicht übertrieben , und der Nadelgrat musste aufgeben , hielt jedoch einige seiner besonderen Possen für uns bereit .
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Um alle Chancen auf unserer Seite zu haben und Abwechslung in das Vergnügen zu bringen , hatten wir geplant , das Galenjoch von rechts her , vom Pfad zur Bordierhütte aus , in Angriff zu nehmen . So wollten wir den Weg über den Riedgletscher vermeiden , dann den Grat und die steilsten , in dieser Jahreszeit vermutlich vereisten Schneepartien hinaufsteigen .
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Ein verdriesslicher Zwischenfall machte diesen schönen Plan zunichte :
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Es schien mir aber nicht klug , ihn die untere Zunge des Gletschers , eine nicht zu umgehende Passage auf dem Weg zur Hütte , allein und bei Nacht traversieren zu lassen .
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Also musste der Schlachtplan umgestossen und der Feind von hinten attackiert werden , das heisst , wir mussten das Nadelhorn von der Mischabelhütte aus traversieren und anschliessend über die Route absteigen , die wir uns für den Aufstieg vorgenommen hatten .
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Übrigens , verlangt nicht ein alter militärischer Grundsatz , die Höhen zu behaupten , um die Oberhand zu behalten ?
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Drei Stunden genügten uns , um von Saas Fee zur Hütte aufzusteigen , die ich seit 1971 nicht mehr betreten hatte .
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Es folgte eine Reihe angenehmer Überraschungen .
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Hinter der alten war eine neue Hütte gebaut worden ( ich hatte es vergessen ) , grösser und schöner . Die alte bot nun zusätzlichen Schlafraum , wahrscheinlich war sie auch das Winterlokal .
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Über dem Eingang ein Schutzdach , unter dem sich - zwar im Freien , doch vor schlechtem Wetter geschützt - bequem zehn Seilschaften bereit machen oder ihre Ausrüstung ablegen können ; dann eine reichlich mit Bänken ausgestattete Halle , ebenso mit Kästen , in denen Schuhe und Material in guter Ordnung unter Folgende Doppelseite :
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Auf einer Seite der Halle befinden sich Waschräume , Duschen und Toiletten mit Wasserspülung , ein Luxus in dieser Höhe ( 3300 m ) ;
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bis jetzt hatte ich das nur in den BrentaDolomiten erlebt , wo die höchste Hütte nicht viel über 2500 Metern liegt .
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Als Essraum dient ein regelrechtes Panorama-Restaurant , in dem eifriges , liebenswürdiges Personal bedient .
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Ich muss hinzufügen , dass die Hütte an jenem Abend mehr als vollbesetzt war , wir wurden sogar zum Schlafen ins alte Gebäude geschickt . Das hatte den Vorteil , dass wir dort weniger gestört wurden .
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Es war wirklich derselbe wie 1971 , aber ich erkannte ihn nicht wieder .
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Ich schaute verstohlen durch den Schalter , durch den Bestellungen aufgegeben und das Essen gereicht wird , und sah , wie er friedlich seine Küchenmannschaft ( man könnte fast von einer Brigade sprechen ) leitete . Als der ( Grosskampf ) vorbei war , ging er vor die Hütte , um Luft zu schöpfen und mit einigen seiner Gäste zu plaudern , wie es irgendein anderer Wirt auch tun würde .
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Trotz des Zustroms an Besuchern wurde uns zum Nachtessen ein richtiges Menü serviert , und das zu einem für diese Höhenlage sehr annehmbaren Preis , dazu alle gewünschten Getränke .
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Den brummenden Bären , der uns einst so schlecht behandelt hatte , gab es nur noch ganz unscharf und blass in der Erinnerung .
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Unser vierter Mann stiess mitten in der Nacht zu uns ; er hatte von Saas Fee her nur zwei Stunden gebraucht .
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Er verlor keine Spur seiner guten Laune , als sich herausstellte , dass der Rest an Trinkbarem , den ich für seinen Durst beiseite gebracht hatte , in der Kehle eines Skrupellosen verschwunden war .
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Obgleich die Nacht für ihn sehr kurz wurde , brachen wir doch mit dem Hauptharst auf , um als erste auf dem Gipfel des Nadelhorns zu sein und uns einen ordentlichen Imbiss zu leisten . ( Die nächsten Stunden verliefen eindeutig weniger angenehm , es sei hier nur ganz allgemein darauf angespielt ! )
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Und nun der Nadelgrat !
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In unserer Hast , die Gipfelfelsen hinunterzusteigen , verpassen wir die kurze Traverse , die auf die Gratkante führt ; ein erster falscher Weg , weil ich einen Augenblick nicht aufmerksam war .
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Wieder aufsteigen ?
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Das kommt nicht in Frage , das hiesse , den Irrtum öffentlich zuzugeben , und ausserdem scheint sich eine Seilschaft in der richtigen Passage auch nicht wohler zu fühlen .
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Zwei Seillängen in einem ziemlich steilen Eisstück - die erste eine horizontale Traverse , um einige Felsen zu umgehen - bringen uns auf den richtigen Weg am Fuss eines kleinen , vergnüglich zu überquerenden Felszackens .
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Die Steigeisen , die für die letzte Gipfelstrecke des Nadelhorns im Rucksack verschwunden waren , werden jetzt wieder für einige Zeit nötig , solange wir einem schönen Grat mit gutem Schnee folgen , das felsige Stecknadelhorn traversieren und über einen kurzen Grat , wo der weiche Schnee auf seiner Eisunterlage abzurutschen beginnt , zum Höhberghorn aufsteigen .
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Wer hat wohl in dem stumpfen Gipfel ■# * des Stecknadelhorns eine Stecknadel gesehen und dem Berg diesen komischen Namen gegeben ?
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Aber was soll ich mit meinem Namen sagen , der in der Romandie , in der ich doch schon immer gelebt habe , Gegenstand nicht weniger Scherze ist ? Höchstens , dass ich vielleicht von meinen sehr fernen ziegen-haften und namensgebenden Vorfahren eine starke Vorliebe für steiles , jäh abfallendes Gelände mitbekommen habe .
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Das Höhberghorn steht im Ruf , gänzlich schneebedeckt zu sein , aber heute ragt ein schmaler Felskamm grade knapp aus dem Gipfeleis . Mit einer Anzahl natürlicher Sitzplätze liefert er den Vorwand für ein Picknick .
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Auf alle Fälle legen wir die Steigeisen wieder an , vielleicht eine überflüssige Massnahme , denn kurz darauf müssen wir sie für den Abstieg über einen felsigen , im Guide des Alpes valaisannes als sehr schöne Treppe bezeichneten Vorsprung wieder ablegen .
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Folgen wir der Route nicht genau genug ?
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Das ist möglich , die Treppe scheint uns eher aus Geröll zu bestehen , und der Einstieg beansprucht einige Augenblicke unsere ganze Aufmerksamkeit .
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Aufgrund der vorherigen Erfahrung nehmen wir den Grat , der darauf zum Hohbergjoch abfällt , ohne Steigeisen in Angriff .
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Eine etwas heikle Seillänge auf nicht verfestigtem Schnee , immer noch über Eis , veranlasst uns , reuig wieder die Steigeisen hervorzuholen .
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Der Aufstieg zum Dürrenhorn scheint mir ein wenig langweilig , sicher eine Wirkung der Müdigkeit , denn ich beginne zurückzubleiben .
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Zum Glück bewirkt der Abstieg zum Dürrenjoch ein Wiedererwachen des Interesses :
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nach der Traversierung eines Gratabschnittes muss guter Fels gesucht werden ( es gibt welchen ! ) , dann schnallen wir für das Stück bis zum Pass wieder die Steigeisen an .
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Vom Pass senkt sich ein steiles verschneites Couloir zum Riedgletscher .
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Mir scheint , meine Gefährten schauen begehrlich dorthin , rechnen sich eine Abkürzung aus , werden jedoch alsbald durch kleine , von der Wärme des Nachmittags ausgelöste Aussicht vom Gipfel des Nadelhorns : Stecknadelhorn , Höhberghorn und Dürrenhorn Rutsche abgeschreckt :
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Das Programm wird nicht gestutzt .
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Als wir den Gipfel des Chly Dürrenhorn traversieren , finden wir auf dem Grat selbst , bei einigen schönen , leider kurzen und nicht obligatorischen Kletterpassagen , den besten Fels des ganzen Tages .
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Zwei der Beteiligten nutzen die Gelegenheit , um einen Vorsprung zu gewinnen , den Gipfel links zu umgehen und hinter einem Kamm zu verschwinden .
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Grosse Verblüffung , als wir dort ankommen :
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Die Kollegen haben - ungeduldig abzusteigen und dank der ausschliesslichen Lektüre der Cent plus belles courses des Alpes valaisannes schlecht informiert - den zum Galenjoch führenden Grat verpasst und sind einen riesigen Geröllhang , dessen unteres Ende nicht abzusehen ist , hinuntergestiegen .
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Alles Rufen nützt nichts :
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Sie wollen nicht wieder aufsteigen und können den Grat , von dem sie erschreckende , zerklüftete Couloirs trennen , nicht mehr erreichen .
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Es bleibt nur , ihnen zu folgen .
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Heute sind die Götter mit uns :
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Der Ausweg ist nur um den Preis einiger Kletterschritte und eines wirklich gefährlichen Sprungs in das lockere Geröll zu finden , bei dem keiner von uns Schaden nimmt .
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Wir treffen uns also nicht auf dem Gipfel , sondern auf dem Grund einer Schlucht voller Geröll , wo das Galenjoch mit einer feindselig wirkenden Wand höhnisch hundertfünfzig Meter über uns aufragt .
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Es erhebt sich die Frage , ob wir direkt das Tal von St. Niklaus erreichen wollen .
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Ich erinnere mich , dass nach dem Guide des Alpes valaisannes die Route selbst im Aufstieg nicht eindeutig ist .
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Die Freunde wollen greifbarere Beweise , die Karte liefert sie ihnen reichlich .
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Während eines stärkenden Imbisses an einem Bach , wo wir die Feldflaschen wieder auffüllen können , beschliessen wir :
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Es geht zum Galenjoch :
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Eine Halde mit verfestigtem Geröll sollte , selbst wenn sie steil ist , keine Schwierigkeiten bereiten , und das bestätigt sich schon bei den ersten Schritten .
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Das Vergnügen der Tour neigt sich seinem Ende entgegen , darum - und weil ich wieder zu Atem kommen möchte , der mir durch die Müdigkeit etwas knapp geworden ist - habe ich begonnen , ein wenig zu bummeln und die Blümchen auf der Moräne zu bewundern , die sich bemühen , diesen tristen Ort etwas aufzuheitern .
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.in Tag in Uschenen
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Hanspeter Sigrist , Oberbalm
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In den Wänden von
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Ein Klettergebiet macht Geschichte In der Anfangsphase , als sich in der Schweiz die Entwicklung zum Freiklettern erst abzuzeichnen begann , wurden am Felsband von Üschenen , oberhalb von Kandersteg , Anstiege eröffnet , die zu den schwierigsten der Schweiz zählten .
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Die Routen bewegten sich zunächst im Bereich des sechsten , dann des siebten und schliesslich des achten Grades .
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Besonders Aufsehen erregten die konsequent von unten eröffneten Routen wie Le Toit , Quo Vadis , Via del Ladro Corda und Kolibri .
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Als man aber auch in Üschenen begann , die ersten , meist kürzeren Anstiege abseilend zu eröffnen , wurde es plötzlich etwas stiller um dieses Klettergebiet .
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Während die einen diese neue Praxis verärgerte , glaubten andere , die vorhandenen Möglichkeiten seien bereits weitgehend ausgeschöpft .
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Und so konzentrierte sich das Interesse auf Gebiete , die noch weniger erschlossen waren .
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Erst 1988 rückten durch die Eröffnung neuer Routen die landschaftlich überaus reizvoll gelegenen Felsen von Üschenen wieder ins Blickfeld .
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In der Zwischenzeit hatte man auch gelernt , die verschiedenen Aspekte mit mehr Objektivität und der nötigen Toleranz zu betrachten , sind doch die Unterschiede zwischen von unten und von oben eingerichteten Klettereien nun jedem klar und Vor und Nachteile bekannt geworden .
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Beides ist möglich , beides hat seine Berechtigung und nicht zuletzt auch seinen besonderen Reiz .
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Es gibt anspruchsvolle Anstiege wie zum Beispiel die von unten eröffnete Route Kumulus von Martin Stettier , die eine gesunde Moral und hohes Können erfordern und damit auch über einen ganz eigenen Erlebniswert verfügen .
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Dasselbe gilt für die von den rein klettertechnischen Schwierigkeiten her gesehenen Spitzenrouten und Anziehungspunkte für leistungsstarke Kletterer Bscbüttigütti{\Q ) und Fusion ( 10- ) .
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Diese stellen jedoch andere Anforderungen - nicht nur an den Kletterer , welcher der Besonderheit der Route mit Konsequenz und grösster Konzentration begegnen muss , sondern auch an den Sichernden , der viel zu einem schnellen Gelingen eines solch anspruchsvollen Unternehmens beitragen kann .
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Die beiden Spitzenrouten wurden 1988 erstmals Rotpunkt geklettert :
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die Fusion durch Jürg von Känel im Oktober , und das langjährige Projekt Bschüttigüttigelang dem Autor an einem neblig-kalten Tag im Sommer .
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Dies , nachdem die Route neu eingerichtet und die Linienführung im obersten Teil noch bestimmt werden musste .
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Die Durchsteigung derartiger Routen bietet - besonders wenn sie , wie in diesem Fall , nach nur sehr kurzer Vorbereitungszeit bereits im ersten Vorstiegsversuch gelingt sehr intensive Klettererlebnisse und gehört deshalb zu den Höhepunkten im Leben eines Kletterers .
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Jene Augenblicke , in denen alle Voraussetzungen gegeben sind , damit eine Route im 10. Schwierigkeitsgrad in sehr kurzer Zeit gelingt , lassen sich kaum im voraus bestimmen oder planen .
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Zumindest mir scheint diese Fähigkeit nicht gegeben zu sein - selbst wenn ich mich vorher lange und intensiv mit mir und meinem Ziel auseinandergesetzt habe .
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Vielleicht kann man aber eine solche Herausforderung auch nur bestehen , wenn ihr eine besondere Situation vorausgegangen ist . Eine Situation , die , von jedem Erfolgsdruck befreit , hemmende Blockierungen löst und so erst die notwendige Ausgewogenheit der Bewegungsabläufe ermöglicht .
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Manchmal spielen aber auch klimatische Bedingungen eine grosse Rolle , indem sie erlauben , die Kraft voll auszuspielen - oder eben nicht .
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Kaum etwas vermag mich in einem schwierigen Aufstieg mehr zu irritieren als das durch eine etwas zu hohe Temperatur hervorgerufene unangenehme Gefühl , fast unmerklich , aber ständig von jedem Griff zu rutschen .
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In solchen Fällen konzentriere ich mich dann ganz von selbst auf dieses Problem und werde damit vom Klettern abgelenkt .
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Es kann aber auch vorkommen , dass ein <prestigegelade-nes> Umfeld , so zum Beispiel zufällig anwesende Personen , derart motivierend wirkt , dass ein Kletterer sich plötzlich mit anscheinend grösster Sicherheit am Fels bewegen kann .
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Allerdings zeigt sich dann meist einige Zeit später , dass solche nicht zuletzt durch Im weit ausladenden Dach der Route « Fusion » ( 10- ) A
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Um so wertvoller und erlebnisintensiver werden deshalb jene Momente empfunden , in denen man sich den Anforderungen gewachsen fühlt , selbst wenn die Ziele sehr hoch gesteckt sind .
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Die persönliche Situation , die ( Atmosphäre ) , der Tag , die Person des Sichernden all das und vielleicht noch mehr müssen ideal zusammenpassen , um ein durchgehend positives Umfeld zu schaffen .
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Routenziele Bei der Fusion handelt es sich um eine Kombination aus einer bestehenden Route im 9. Schwierigkeitsgrad und einer davon abzweigenden Traverse über ein ausladendes Dach .
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Der Ort , wo die ( Fusion ) stattfinden soll , ist gleichzeitig auch die Schlüsselstelle der gesamten Tour .
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Nach einer steilen , mit messerscharfen kleinen Griffen bestückten Passage und einem eindrücklich ausladenden Dach folgt die Stelle , an der sich alles entscheidet .
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Das Vor und Nachher ist verhältnismässig leicht in den Griff zu bekommen , nicht aber die Loslösung von der ursprünglichen Linie , die gerade aufwärts weiterführen würde .
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Ich habe mir die Route zusammen mit Heinz Gut ein erstes Mal an einem wunderschönen Herbstnachmittag im November angeschaut .
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Neben einem kurzen <Vertrautwerden> mit der etwas speziellen Linienführung und den originellen Bewegungsabläufen vor und nach der Schlüsselpassage reicht es gerade noch für je einen Vorstiegsversuch .
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An der Schlüsselstelle sind wir aber bereits völlig ausgepumpt , chancenlos , den ( Absprung ) von der geraden Linie überhaupt zu wagen .
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Voller Ehrfurcht beginnen wir auf der Heimfahrt von der neuesten <Jürg-von-Känel-Kreation> zu sprechen .
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Eine Woche später droht sich die Zeit des stabilen schönen Herbstwetters ihrem Ende zu nähern .
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Und damit scheint auch der Traum von der Fusion für dieses Jahr ausgeträumt zu sein .
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Heinz weilt in Südfrankreich , er hat dort Ziele , die ihm eher machbar erscheinen .
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Und Gabriele will nach Italien .
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Sie mag den Nebel hier nicht und befürchtet , um diese Jahreszeit an den voralpinen Felsen ohnehin nur zu frieren .
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Am heutigen warmen und windstillen Tag sollte dies jedoch nicht der Fall sein , weshalb ich mich entschliesse , nochmals die Fusion zu versuchen und dann abends loszufahren .
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So können wir den vielleicht letzten sonnigen Herbsttag nützen , und Gabriele hätte die Möglichkeit , sich etwas von ihrer weiten nächtlichen Anfahrt aus Deutschland zu erholen .
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Die eigenen Ziele zu nennen ist oft gar nicht so leicht .
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Geklettert wird nach wie vor zu zweit , und meist haben beide Partner ihre Routenziele und Vorstellungen , die auf einen zufriedenstellenden Nenner gebracht werden müssen .
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Deshalb scheint es mir manchmal recht schwierig , die eigenen Interessen vor mir selbst und dem Partner einzugestehen und gegebenenfalls sogar durchzusetzen , befürchte ich dabei doch , im Falle eines Misserfolges seine Hilfe zu Unrecht beansprucht zu haben .
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Andererseits sollten wir trotz derartiger Bedenken vielleicht vermehrt daran glauben , dass solche Unterstützung gerne geleistet wird und von Herzen kommt , wenn der Partner spürt , dass der richtige Moment da ist , um dem andern zu helfen , sein Ziel zu erreichen .
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Üschenen präsentiert sich von seiner allerschönsten Seite .
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Die Luft ist frisch , und am Fusse der Felsen kann man sich noch in die warme Sonne legen .
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Die Berge sind schon weit hinunter eingeschneit , und bis auf einen einzelnen Kletterer , der am Einrichten einer neuen Route ist , sind wir hier oben allein .
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Ein 7. Grad zum Einklettern und einige kurze Testzüge in den schwierigen Passagen der Route mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Schlüsselzug dienen der Einstimmung .
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Das linke Handgelenk schmerzt bei der extrem aufgestellten Fingerhaltung an dem runden Griff .
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Die kleine , unscheinbare Warze bohrt sich in die Fingerkuppe des rechten Zeigefingers . Hier muss ich mich mit aller Kraft festhalten , nur dann ist der weite dynamische Zug an den Fingerschlitz möglich .
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Dieser erste Vorstiegsversuch gelingt gar nicht schlecht . Beim Einhängen der blauen fixen Schlinge bin ich aber instabil und brauche deshalb viel Kraft .
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Zudem liegt die Hand unter dem Seil .
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Das kostet zu viel Zeit , um sie für das schwierige Nachgreifen freizubekommen .
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Ein zweiter Anlauf erfolgt nur wenig später , solange der richtige Teil der Bewegungsabläufe noch im Gefühl ist .
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Gabriele hat mich für das schwierige Einhängemanöver beruhigt und mir Mut gemacht .
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Ihre Anweisungen helfen mir in diesem Moment sehr viel , und es geht auch gleich deutlich besser .
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Nur um wenige Millimeter verfehle ich den Griff .
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Pause .
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Wir wandern ein wenig umher und schauen uns den neuen kleinen Klettergarten an .
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Dann auch das Bschüttigütti .
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Immer wieder fasziniert mich diese Linie durch die steil aufschiessende Platte mit ihren nur winzigen Einkerbungen .
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Ich fühle mich gut .
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Ausgewogen und ruhig .
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Vielleicht deshalb , weil es mir in diesem Moment hier oben , inmitten einer wunderschönen Landschaft , an nichts fehlt .
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Die Pause ist um , und ich muss wieder etwas tun :
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Wiederum bekunde ich Mühe , die Bewegung im entscheidenden Moment genau zu erfühlen und zu kontrollieren .
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Vor dem dynamischen Zug nehme ich noch zu viel Schwung , was bei der Kleinheit der Griffe ohnehin ein Unsinn ist .
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Selber fällt mir der kleine Fehler aber kaum auf .
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Ich spüre nur , dass etwas noch nicht ganz stimmt .
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Gabriele gesteht mir noch einen Versuch zu , nur noch diesen einen .
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Beim Losklettern frage ich mich kurz , ob sie wohl ungeduldig ist oder ob andere Überlegungen dahinterstecken .
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Bestimmt würde sie mich noch einen weiteren Anlauf machen lassen , selbst wenn ich genau weiss , dass Konzentration und Kraft dazu nicht mehr ausreichen , dass die Haut an der Fingerspitze bald durchreisst und bei aller Feilscherei um einen fünften Versuch dieser mit Sicherheit danebengehen würde .
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Im Dach ist kein Platz für derartige Überlegungen .
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Die weiten Züge erfordern volle Aufmerksamkeit .
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Dann der Überkreuzer an den winzigen Griff , der nötige Druck auf den Fussen , der Zwischengriff , und - mit etwas Glück - erwische ich den Schlitz mit einem Teil der Fingerspitzen .
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Ein kurzes Nachfassen und ich habe ihn richtig in der Hand .
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Die Traverse hat begonnen und muss jetzt noch konzentriert zu Ende geführt werden - bis an das vordere Dachende .
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Einhängen des letzten Hakens und ein entschlossener weiter Zug an den Ausstiegsgriff .
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Die letzten Sonnenstrahlen und die freundliche Sicherungshilfe von Ernst Müller - er ist alleine hier oben unterwegs - erlauben uns sogar noch , den Quergang ein zweites Mal zu klettern , dabei einige Bilder zu machen und den schönen Moment noch etwas auszukosten .
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In bester Laune packen wir unsere Sachen zusammen und verabschieden uns von diesem einzigartigen Ort .
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Die Sonne ist hinter dem Lohner verschwunden , und es wird schnell kalt .
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Die Bewegung auf dem Abstieg wärmt uns aber bald wieder auf .
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■rlebnis Selbsanft-Nordgrat
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Albert Schmidt , Engi ( GL )
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Der über der Linth-schlucht thronende Selbsanft ( vom Tierfed aus )
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Hier öffnet Eine verlockende Tour Im vorangehenden Beitrag über das alte Gipfelbuch war viel die Rede vom Nordgrat , ohne dass sich der Leser bei den meist wortkargen Eintragungen seiner Begeher ein Bild über ihn machen konnte .
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Deshalb soll hier noch das Erlebnis einer Besteigung über diesen geheimnisvollen Grat geschildert werden .
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Prächtiges warmes Spätsommerwetter , keine Gewitter mehr und deshalb eine trockene Route - einmal mehr lockt uns der Berg in seine gewaltigen Nordabstürze .
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Für das Wochenende vom 28./29 . September 1985 habe ich mich mit meinen Seilkameraden Johann Stoffel und Harry Zweifel verabredet .
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Besonders Harry , der im Tierfed unter den Selbsanftwänden aufgewachsen ist , freut sich , endlich einmal auf die hohe Spitze zu kommen , auf der schon sein Vater zur Zeit des Kraftwerkbaus gestanden hat .
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Blick vom Vorder Selbsanft ( Hauser-horn)auf den Tödi sich plötzlich der Blick ins Limmerentobel , aus dessen uneinsehbarer Tiefe sich die gewaltigen Kalkwände des Muttsee und Selbsanftmassivs aufbäumen .
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Der Eindruck , den diese wild-bedrohliche Gebirgswelt auf den Menschen macht , ist wahrhaft erschütternd , und Caspar Hausers eingangs zitierte Schilderung ( vgl. S. 31 ) hätte hier noch vermehrt Gültigkeit .
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Manch einer , der mit den Bergen nicht so vertraut ist , würde sich an dieser Stelle wohl keinen Schritt mehr weiter wagen .
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Auf der Wegspur queren wir in die Felsenschlucht . Damit dringen wir in ein Verlies des Gebirges ein .
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Innert Kürze rücken die uns vorher noch in geräumigem Halbrund umgebenden Wandfluchten bis auf wenige Meter Distanz zusammen .
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Wir betreten eine andere Welt , fern der unsrigen .
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Jetzt bei SommerEnde liegen , trotz der Höhe von nur 1200 Metern , immer noch vereiste Lawinenreste in der Kluft .
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Mühsam bahnen wir uns den Weg durch das Bachbett empor , überwinden dabei die zerbrochenen Altschneepfropfen und zwängen uns an glattpolierten Felsblöcken vorbei .
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Wie würde es hier tosen und brausen , wenn die Limmerenwasser nicht weiter oben von der Staumauer zurückgehalten würden !
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Bei sommerlicher Wasserführung gäbe es hier keine Durchkommen .
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Das geht auch aus der Empfehlung in den alten Clubführern hervor , diese Tour nur während der trockenen Herbstzeit zu wagen .
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Bei einer Wasserfassung der KLL beginnt oben in der rechten Felswand der ( Birchen-gang> , ein schmales , abschüssiges Schrofen 41 und Felsband , das steil zur untersten Schulter der Nordflanke hinaufzieht .
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In kurzer Zeit wächst unter uns die schwindelnde Tiefe des Limmerentobels .
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Wir gehen hier unangeseilt , darum verlangt jeder Schritt Konzentration und Selbstsicherheit .
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Von diesem ersten exponierten Absatz , dem Birchli , geht es nun durch Alpenerlen und über eine Felsstufe direkt den Berg hinan .
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Die Route wird jetzt allein ihrer Steilheit wegen unübersichtlich , und es braucht einiges Gespür , den richtigen Durchstieg zu finden .
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In der bergseitigen Hand den Pickel , in der andern einen Skistock als Stütze , so erklimmt man am sichersten die mit anstehenden Felsen , aber auch mit lockerem Gestein durchsetzten Grasflanken .
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Rasch fällt die Dämmerung ein und hüllt die Limmerenschlucht in dunkle Schatten .
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Wir suchen ein günstiges Plätzchen in der Balm , rollen unsere Biwakmatte und den Schlafsack aus .
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Dann setzen wir die Kocher in Betrieb , um unser Abendessen zuzubereiten .
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Unter fröhlichem ( Tischgespräch ) vergeht die Essenszeit .
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Meinen Kameraden erzähle ich , wie wir hier vor drei Jahren unsere Becher unter dem Überhang hervor in den prasselnden und mit Steinschlag durchsetzten Gewitterregen halten mussten , weil wir vergessen hatten , vom Limmerenbach Wasser mitzunehmen !
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Eine halbe Stunde nach Einbruch der Dunkelheit beginnt sich oben hinter den Muttsee-wänden eine Helligkeit am dunkelblauen Nachthimmel auszudehnen , und um 20.30 Uhr steigt der Vollmond über dem Kamm des Kistenpasses auf .
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Er leuchtet direkt in unsere Höhle , und mit zunehmender Höhe fällt sein 42____________________________________ mildes Licht in die Tiefe der Limmeren-schlucht , breitet einen transparenten Schleier über die vorher harten , tiefschwarzen Flächen und Konturen der Bergwände .
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Wir zünden eine Kerze an , die ihr warmes Licht auf unser felsiges Biwakdach wirft , dann krieche ich in die engste Spalte des Berges hinein , um auf dem Bauche liegend die einmalige Szenerie mit der Kamera einzufangen .
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Wahrscheinlich kommen wir wieder einmal hierher , aber eine solche Nacht werden wir wohl nie mehr erleben können .
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Allmählich nähert sich der Mond der hohen Horizontlinie des Selbsanft , berührt sie und verschwindet .
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In unserer Balm wird es dunkel , und wir schlüpfen in die Schlafsäcke .
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Die Stille der Nacht , nur unterlegt durch das leise Rauschen der verbleibenden Limmerenwas-ser , wiegt uns bald in den Schlaf .
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Hier in der Falte des riesigen Berges fühlen wir uns ebenso geborgen wie zu Hause .
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Um fünf Uhr piepst eine Uhr unerbittlich Tagwache .
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Als erfahrene Biwakfüchse beherrschen wir allerdings die Technik , im Schlafsack liegend heisses Wasser zuzubereiten und so das Morgenessen - einen Becher Bircher-müesli und Kaffee-einzunehmen .
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Im schmalen Ausschnitt , der zwischen Höhlendach und dem Muttseehorizont sichtbar ist , verblassen schnell die Sterne .
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Um sechs Uhr verlassen wir im ersten Dämmerlicht unser romantisches Nachtlager .
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Am Nordgrat Wirtraversieren zum Luegboden und steigen über die abschüssigen Gras und Schro-fenflanken dem ersten grossen Aufschwung des Nordgrates entgegen .
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Auf den Bändern der Sandalpflanke entdecken wir einige Gemsen bei der Morgenäsung .
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Hier oben hätten sie auch während der Jagdzeit wohl kaum etwas zu befürchten .
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In einer gestuften Rinne geht es in leichter Kletterei hinauf zu einer schmalen Scharte im Nordgrat , wo uns die ersten Strahlen des aufsteigenden Tagesgestirns treffen - hundertfach erlebt und doch immer ein wundervoller Augenblick .
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Wir seilen uns an und klettern direkt über die Gratkante weiter .
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Auf den Leisten und Bändern liegt wohl viel Schutt , aber die steilen Vollmondnacht im Biwak Luegboden Aufschwünge bestehen aus recht gutem Jura-Malmkalk .
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Eine Zone aus stark verwittertem , braunem Gestein erheischt anschliessend wieder vorsichtiges Klettern .
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Wir gewinnen rasch an Höhe und stehen bald unter dem markanten gelbbraunen Gratturm , dem die früheren Begeher des Grates den phantasievollen Namen ( Goldenes Horn> gegeben haben .
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Anstelle von Goldadern sind es aber die letzten Rasenpolster , die den festen Fels in der Ostflanke des Turmes durchziehen .
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Der ebene Platz oben auf der Bergzinne lädt geradezu zu einer Rast ein .
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Die Firnflächen der Claridengruppe und die Gletscher des Tödi leuchten blendend weiss in der Morgensonne , während im schon weit unten liegenden Tal immer noch dunkle Schatten lagern .
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In die Stille hier oben dringt zu dieser frühen Stunde nur das leise Rauschen des Sandbaches .
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Nach dem breiten Schuttband hinter dem ( Goldenen Horn> zieht sich senkrecht und überhängend ein Felsband um den ganzen Bergstock .
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im Hintergrund der Bifertenstock zu einer Ecke empor , von der aus über einen Quergang unter einem Dach eine verwitterte Flanke zu gewinnen ist .
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Heute folgen wir der Route , um oben am Fusse eines wilden Grataufschwungs wieder die Kante zu erreichen .
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Die hier ansetzende senkrechte Bastion wird auf ihrer Ostseite von einer kaminartigen Verschneidung durchzogen .
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Als alte Schlaumeier wissen wir , wie man eine solche Stelle anpackt :
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Johnny , athletischer Sportkletterer aus dem berühmten ( Dorf mit drei Buchstaben ) der Kreuzworträtsel , wird mit Lobesworten über seine Kletterkunst losgeschickt !
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Er wird die Seillänge doch ( mit singä und pfiiffä ) packen !
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Schadenfreudig grinsen wir uns an , als er sich wenig später im abdrängenden Kamin , in das die Sonne hineinbrennt , hocharbeitet , schwitzt , dann mit dem Rucksack hängenbleibt , um schliesslich angesichts des festen , glattgescheuerten Felsens nicht ganz gerechtfertigt - über den ( Glarner Alpenbruch ) zu lamentieren .
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Bald einmal sind wir an der Reihe , uns mit dieser tückischen Stelle auseinanderzusetzen .
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Ein Anstieg über brüchiges Gelände führt uns zum obersten , dunklen Turm , der aus rau hem Nummuliten-Sandstein besteht .
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Voll Freude klettern wir die halbe Seillänge über die Kante hinauf zur Spitze des Hauserhorns .
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Gipfelrast Es ist erst zehn Uhr an diesem herrlichen Spätsommertag , und wir können uns eine ausgedehnte Gipfelrast leisten .
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Neben dem Klotz des Mittler Selbsanft thront im Süden der Tödi in seiner ganzen Wucht über den Matten und Felsen des Bifertenalpli und der Röti .
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Auf der Ostseite des Selbsanftmassivs liegt-weit unter uns - der Limmerensee mit seinem hellen graugrünen Wasser , gesäumt von den schattigen , zerklüfteten Bändern und Stufen des Kistenpasses .
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Drüben aus der schuttgrauen Mulde zwischen Nüschenstock und Ruchi schaut das blaue Auge des Muttsees hervor , und rechts davon können wir noch die gleichnamige Hütte entdecken .
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Talwärts gewandt , fasziniert uns der überwältigende Tiefblick fast 2000 Meter hinunter ins Tierfed , in die Abgründe der Sandalp , des Limmerentobels und der Linthschlucht .
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Jetzt aber wendet sich unser Auge wieder dem Näherliegenden zu den Seiten des alten Gipfelbüchleins , das wir der blitzbeschädigten Büchse entnehmen .
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Wir blättern ein wenig darin und tragen unsere Besteigung ein , dankbar dafür , dass wir die Reihe begeisterter Alpinisten seit 1863 fortsetzen können .
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Die Gipfelstunde vergeht im Fluge , bis uns ein Blick auf die Uhr zum Aufbruch zwingt .
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Auf den Höhen des Selbsanftmassivs Wir klettern vom Gipfelturm hinunter und wandern über die öde Gratsenke zum Mittler Selbsanft , den wir nach derTraversierung eines Geröllhangs durch ein Firncouloir ersteigen .
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Oben auf dem Plateau öffnet sich ein weiter Horizont unter einem ebenso weitgespannten Himmel .
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Aus dem engsten Verlies des Berges hinaufzusteigen , 1700 Meter höher , in Stunden voller Anstrengung , in schwierigem Gelände , um dann hier auf fast 3000 Meter Höhe diese helle , sonnendurchflutete Hochgebirgswelt zu erfahren - dieses Erlebnis wird nur ein Bergsteiger nachvollziehen können .
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Über die weitgeschwungenen Höhenrücken von Plattas Alvas gelangen wir im Glanz der Firnfelder südwärts .
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Unübersehbar breitet sich die ganze Alpenwelt Graubündens im Osten und Süden aus , wird nur über dem Lim-merenfirn vom langgezogenen Eisrücken des Bifertenstocks verdeckt .
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Hier oben , auf dem gewölbten , rauhen Rücken des mächtigen Berges , wird die Verlassenheit und die Urtümlichkeit dieser Region beinahe körperlich spürbar .
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Die Scherben und Platten des schneefreien Gipfelkammes klirren leise unter unsern Sohlen .
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Zuweilen bilden sie merkwürdige Muster , deren Struktur erst aus höherer Warte erkennbar wäre .
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Ein langer Abstieg Nach der Mittagsrast in einer sonnenwarmen Firnmulde steigen wir zuerst über den Griessfirn , dann über zerrissene helle Platten , Moränen , Schutt und Geröll zum Ende des Limmerenfirns hinunter .
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Von dort geht es dem Gletscherbach entlang , bis er über eine überhängende Felswand in die Tiefe fällt .
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Von den zwölf alpinen Kilometern , die allein den Rückweg vom Hauserhorngipfel bis zum ( Chalchtrittli ) ausmachen , haben wir hier erst die Hälfte zurückgelegt .
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Die vor uns liegende Wegstrecke wird also noch einen anstrengenden zweistündigen Einsatz erfordern .
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Wir werden zunächst über die exponierte , drahtseilgesicherte Wand zum SeeEnde hinabsteigen müssen , um dann in der nachmittäglichen Hitze dem Pfad folgen zu können , der sich in ständigem Auf und Ab dem steil abfallenden Ufer des Limmerensees entlangzieht .
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Im Och-senstäfeli wird uns schliesslich der schwarze , nasskalte Kraftwerktunnel aufnehmen , der uns durch den Berg zur Seilbahn bringt .
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Hoffentlich schaffen wir es noch , die letzte , um halb fünf talwärts fahrende Gondel zu erreichen !
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Die mit Seil , Pickel , Berg und Biwakausrüstung beladenen Rucksäcke werden dabei schwer am Rücken hängen , mit strapazierten Knien und Fussen , verschwitzt und durstig werden wir im Tal ankommen .
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Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Mühsal und Anstrengung : Der weite Weg durch die verlassenste Region der Glarner Alpen hat uns um ein Bergabenteuer mehr mit dem Selbsanft verbunden ;
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mit jenem Berg , der mit den Menschen erst seit 125 Jahren - einem winzigen Augenblick in seinem eigenen , sich über Jahrmillionen erstreckenden Dasein - ein bisschen vertraut geworden ist und der uns , seinen Besuchern , durch sein abgeschiedenes Felsenreich und seine Urtümlichkeit ans Herz gewachsen ist .
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Vivant amici montium !
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■rinnerungen Piz Buin und Piz Platta
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Romedi Reinalter , S-chanf
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Piz Platta im Oberhalbstein
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Die Skitouren der SAC-Sektion Bernina auf den Piz Buin und den Piz Platta in den Rhätischen Alpen gehören schon lange der Vergangenheit an .
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Dies erinnert mich an mein den damaligen Teilnehmern gegebenes Versprechen , die persönlichen Eindrücke niederzuschreiben , ebenso aber auch an die Gründe , warum es dann doch nicht dazu gekommen ist .
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Einmal in den hektischen Alltagsbetrieb zurückgekehrt , musste bald diesem , bald jenem Priorität gegeben werden , so dass vieles , das auf den ersten Blick weniger von Belang erschien , auf die lange Bank geschoben wurde .
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Aber aufgeschoben ist nicht aufgeho- ben , denn ein solches Versprechen wirkt weiter , macht sich bemerkbar , bleibt als ständiger leiser Vorwurf bestehen .
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Soeben habe ich am Fusse der Crasta Mora , auf einem südexponierten Hang gepicknickt .
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Unten in der Talebene , wo sich noch eine dünne , aber harte Schneeschicht hat halten können , gleitet ein Langläufer den schneefreien Rändern des einstigen Bachverlaufs des Beverin ausweichend , leicht auf und absteigend dahin .
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Meine Augen folgen ihm , bis er in der Ferne verschwindet , und meine Gedanken schweifen zurück . Zurück zu den Skitouren der Sektion Bernina auf den Piz Buin und den Piz Platta .
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Wenn ich mich jetzt zu erinnern versuche , was damals vorgefallen ist , muss ich geste hen , dass mir viele kleine , lustige Einzelgeschichten und Anekdoten , die sich in der Gruppe abgespielt haben , nicht mehr vollständig präsent sind .
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Bei einzelnen Vorkommnissen haben sich die Konturen zum Teil verwischt , sie wirken verschwommen und leben erst dann wieder auf , wenn zu gegebener Zeit , in Anwesenheit der damaligen Teilnehmer , die Eindrücke rekonstruiert werden können .
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Im Aufstieg über den Ostgrat von der Fuorcla Buin zum Piz Buin Grond nisse , denen eine starke subjektive Komponente anhaftet .
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Wenn irgendwann , irgendwo das Vergangene , das noch nicht vollständig verdaut ist , wie ein Film im Eiltempo sich abspult , gelange ich oft zu einer differenzierteren Betrachtungsweise oder sogar zu einer anderen Sicht der Dinge .
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Jede Tour setzt sich aus einer Aneinanderreihung von vielen einzelnen Details zusammen , die erst in ihrem gegenseitigen Verhältnis wieder einen Gesamteindruck vermitteln .
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Eigentlich nichts Aussergewöhnliches , etwas , das sich im täglichen Leben im Gemsen , eine auf Skitouren stets wieder anzutreffende Wildart mer wieder abspielt .
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Eine Tour kann aus grandiosen Eindrücken bestehen , aber es kann auch sein , dass Einzelheiten eine derart grosse Bedeutung erhalten , dass sie alles andere überstrahlen ;
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so zum Beispiel die Schmerzen , die eine Blase beim Laufen verursacht , der Tanz mit hohen Bergschuhen in einer kleinen , getäferten Wirtsstube im abgelegenen Maiensäss , die Wolkenbilder , die am Fuss des Piz Platta bei einem Wirbelsturm entstanden , oder die Laute der Schneehühner , die frühmorgens beim Wegmarsch von der Buinhütte zu vernehmen waren .
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Für mich wäre es nun sinnlos , die ganze Tour schriftlich nachzuvollziehen , vielleicht auch zu mühsam , die Erinnerungsbruchstücke aneinanderzureihen .
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Immer wieder frage ich mich - fragt sich wohl jeder - , weshalb man in aller Frühe aufsteht , bei klirrender Kälte schlotternd am Parkplatz bei der Post in St. Moritz Bad auf die Tourenkameraden wartet , einen langen , beschwerlichen Aufstieg auf sich nimmt und schwierige Passagen bei der Abfahrt meistert .
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Draussen in der Natur kann ich mehr Abstand zum Alltäglichen und vertieften Zugang zu mir selber gewinnen .
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Die beiden Buin , Piz Buin Grond und Piz Buin Pitschen , im Silvrettagebiet ( Unterengadin ) Flechtengesellschaft im Sonnenlicht ich den Schwierigkeiten entgehen möchte , im Gegenteil .
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Die dabei gewonnene Distanz bietet mir die Möglichkeit , das , was mich beschäftigt , von einer anderen Seite anzupacken oder nach neuen Wegen zu suchen .
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Es kam schon vor , dass es mich in meiner periodisch auftretenden Isoliertheit grosse innere Überwindung kostete , an einer Sektionstour teilzunehmen , von der ich dann aber frohen Mutes und in meiner inneren Welt bestärkt zurückkehrte .
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Dabei Messen sich öfters gute Lebensgefühle , die in schwierigen Zeiten um so seltener werden , wieder erwecken .
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Trotzdem bieten die Berge dem mit Schwierigkeiten behafteten Menschen keinen Ausweg aus einem unerfüllten Leben .
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Jeder von uns verfügt über einen Lebensraum , der ihm mehr oder weniger vertraut ist .
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Dies ist sein Alltag , in dem es gilt , sich durchzuschlagen .
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Man pflegt zu sagen , der Mensch sei ein ( Gewohnheitstier ) , doch stets wird die andere , neue Welt , die <Terra incognita ) , eine Morgenstimmung im hintersten Val Tuoi grosse Anziehungskraft ausüben .
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Denn damit dieses Leben lebenswert sein kann und auch eine gewisse Spannung enthält , damit der Mut zum Risiko nicht vergeht , braucht und sucht jeder für sich ihm noch ferne oder sogar noch unbekannte Lebensbereiche .
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Wenn ich allein und mit offenen Sinnen durch die Landschaft schweife , spüre ich bisweilen , wie es zu einer subtilen Berührung zwischen der Natur und dem Menschen kommt .
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Eine Tour wird zum Genuss , zum Erlebnis , wenn äussere und innere Natur in Einklang stehen und sich verbinden können .
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Lässt man sich dann genügend Zeit , mag es sogar gelingen , nicht nur äusseren Geheimnissen auf die Spur zu kommen , sondern auch einen Weg zu seinem inneren Wesen zu finden .
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iweimal Rheinwaldhorn
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Peter Donatsch , Mastrils
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Erster Akt
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Ein strahlender Augustmorgen .
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Am Nachmittag werden wir in die Berge fahren .
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Aber noch bin ich im Büro eingeschlossen , und so scheinen sich die Morgenstunden endlos in die Länge zu ziehen .
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Sonnenstrahlen zwängen sich durch die schmalen Ritzen der heruntergekurbelten Rolladen und malen Balken gleissenden Lichts auf den Boden .
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Das fahle Grün des Bildschirms beginnt zu verschwimmen , die Buchstaben tanzen vor den Augen - innerlich habe ich den PC bereits abgeschaltet .
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Zeit , sich loszulösen .
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George holt mich ab .
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George ist Hotelier und trägt die ganze Woche piekfeine Anzüge , alles perfekt assortiert .
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Ich sehe ihn vor mir , wie er diskret durch die Hallen schreitet , sich in höflichster Art seinen Gästen widmet , in fünf Sprachen sich fliessend mit ihnen unterhält , Lob freundlich lächelnd entgegennimmt und bei Tadel sofortige Abhilfe verspricht .
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Doch noch fast lieber trägt George Jeans und steigt auf Berge .
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Bis Ilanz sprechen wir noch von Geschäft und Arbeit , aber dann auf der Fahrt durchs enge Tal den Valserrhein entlang nimmt uns die Bergwelt endgültig gefangen .
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Zwei Stunden später , schon eine Unendlichkeit vom Alltag entfernt , lassen wir den azurblauen Wasserspiegel des Zervreila-Stausees hinter uns und betreten die urtümliche Steinwelt des Läntatals .
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Ich erzähle George die Geschichte vom Zervreila-Blau und vom Stausee Lampertschalp .
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Als Vorspeicher des Zervreila-sees hätte - nach den Vorstellungen einer Kraftwerkgesellschaft - dessen Mauer hier am Taleingang errichtet werden sollen , worauf der Wasserspiegel bis etwa 50 Meter unter die Läntahütte gestiegen wäre und der Zervreila-see durch den verschlammten Zufluss sein schönes Blau verloren hätte . Eine SAC-Hütte mit Seeanstoss !
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Die Einwohner von Vals haben jedoch im Frühling 1989 das Konzessionsgesuch für einen Stausee Lampertschalp abgelehnt , womit - hoffentlich - alles so bleiben wird , wie es ist .
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Der schmale Steig führt im unberührten Tal über Moränenhügel auf und ab , schlängelt sich um mächtige Felsblöcke , springt über Bachläufe und versteckt sich abschnittweise fast ganz unter den Blacktenstauden , so dass er stets nur auf wenige Meter einsehbar bleibt und jede Windung neue Überraschungen bereit hält .
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Unsere Gedanken konzentrieren sich auf den Weg , was die Zukunftsängste für einige Momente verdrängt .
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Ähnlich unserem Pfad , der sich in unzähligen Windungen zwischen den Hindernissen durchschlängelt , Alphütte am Eingang zum Läntatal mäandriert auch der Bach im Kiesbett des Talgrundes hin und her , untergräbt hier einen Steinhügel und schafft dort eine kleine Insel .
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( Jetzt musst du aber deinen Fotoapparat zük-ken!> reisst mich die Stimme meines Kameraden aus den Gedanken .
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Ich schaue nach vorn . Die Wolken haben sich bis auf einen kleinen Rest verzogen und den Blick freigegeben auf ein makellos weisses , grazil in den Himmel strebendes Spitzchen , das uns zu unserem scheinbar so überflüssigen und sinnlosen Tun motiviert :
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In den späten Morgenstunden des folgenden Tages befinden wir uns bereits wieder auf dem Rückmarsch .
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Zwischen wirr aufeinandergetürmten Felstrümmern am Gletschertor su chen wir uns den Weg zum Talausgang , wo ein heller Sonnenfleck den Bachlauf silbern schimmern lässt .
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Hier aber regnet es noch wie aus Kübeln .
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Über Georges Wangen läuft ein helles Rinnsal - ist es Regenwasser oder der Schweiss der Anstrengung ?
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Wolken umhüllen das Rheinwaldhorn und wälzen sich schwerfällig über den Gletscher hinunter .
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Zyklopenhaftes Chaos am Fuss der Eiszunge , Blöcke , labil auf schmalen Eisgrätchen balancierend , jederzeit absturzbereit .
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Bergauf und bergab klettern wir über Steine und rutschen auf dem Gletschereis aus , das sich unter einer feinen Staubschicht versteckt hält .
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Längst schon sind wir völlig durchnässt .
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Losgetretene Steine kollern übers Eis und platschen spritzend ins milchigweisse Gletscherwasser .
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Die Zähne der Steigeisen knirschen und quietschen bei jedem Schritt auf dem groben Steingrus .
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Das Rheinwaldhorn scheint heute keine Lust auf uns zu haben .
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<ln den Bergen ist der direkteste Weg nicht immer der beste ) , doziere ich fachmännisch und plädiere dafür , nicht weiter über die Gletscherzunge abzusteigen , sondern den Umweg über die Geröllflanke zu nehmen .
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Gesagt , getan .
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Doch dafür versperrt uns nun der vom Regen stark angeschwollene Bach den Weiterweg .
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Den Pfad haben wir längst aus den Augen verloren .
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George versucht sein Glück an einer breiten Stelle , wo einige Blöcke im Bachbett ein Springen von Insel zu Insel erlauben sollten .
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Ich hingegen folge dem Bach talauswärts , in der Hoffnung , noch auf eine schmälere Stelle zu treffen .
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Das erweist sich jedoch als Irrtum , da neue Zuflüsse das Gewässer nur noch verbreitern .
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Somit gibt es nur eines :
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hinüber - mit zwei Schuhen voll Wasser .
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Manchmal ist der direkteste Weg auch der beste .
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In den Schuhen quatscht es .
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Jeder Schritt drückt das Nass aus den durchtränkten Socken zwischen den aufgeweichten Zehen nach oben .
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Wir <schwimmen> buchstäblich auf dem Weglein abwärts , um der Sonne entgegenzueilen , die im untersten Teil der Lampertschalp - welch ein Hohn - den ganzen Vormittag geschienen hat .
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Zweiter Akt Das Bild vom weissen Spitzchen , dem Gipfel des Rheinwaldhorns , hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben .
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Immer wieder taucht es auf , ruft mich mit unwiderstehlicher Macht , wird zum Zwang .
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In solchen Momenten wird mir klar , dass wir Bergsteiger Süchtige sind , die einfach auf Berge steigen müssen :
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Da gibt es nichts anderes . Basta .
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Bisweilen allerdings verfluche ich diesen Zwang , denn Bergsteigen kann doch auch ziemlich unbequem sein .
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Und ist der Mensch im Grunde nicht ein Wesen , das eher ein angenehmes Leben sucht ?
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Leise drängt sich dann etwa die Frage auf , ob man sich's am Samstagabend nicht besser im Lehnstuhl bei Bier und Thomas Gottschalk bequem machen sollte , als in einer kalten Berghütte unter einer mief igen Wolldecke nach Schlaf zu suchen .
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Mit leisem Knacken bricht die Schneedecke unter meinem Schuh ein , und wieder stecke ich bis zum Oberschenkel im grundlosen Weiss .
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Die Sichel des halbvollen Mondes steht fahl und gelblich im Zenit und wirft ihr diffuses Licht dorthin , wo sie will . Die linke Talseite schimmert hell , während die Bergwand auf der rechten in undurchdringliches Dunkel getaucht ist .
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Zwei , drei vorsichtige Schritte - dann verliere ich erneut das Gleichgewicht .
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Der Rucksack reisst mich beinahe von den Beinen und treibt mir dabei Tränen in die Augen .
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Ich schimpfe vor mich hin , manchmal laut , manchmal leise . Ich verwünsche den unerwartet tiefen Schnee , das schwache Mondlicht , den schweren Rucksack .
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Aber im Grund verwünsche ich mich selbst , ärgere mich , dass ich dem Zwang , heute Abend noch in die Läntahütte aufzusteigen , nachgegeben habe , obwohl wir den ganzen Tag in einem verrauchten Zimmer an irgendwelchen Sitzungen teilgenommen und Weisswein getrunken haben .
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Im Kopf hämmert es <Du schaffst es nicht , du schaffst es nicht , du schaffst es nicht ) .
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Die Augen zusammenkneifen und angestrengt in die Nacht starren :
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Ist das nicht die Hütte da vorn , dieser dunkle Schatten ?
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Pius hat mindestens eine Viertelstunde Vorsprung .
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Bloss seine Spur , manchmal nur oberflächlich zu sehen , meist aber deutlich ausgeprägt , weist mir den Weg .
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Erneut bleibe ich stehen und starre ins Dunkel .
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Die vermeintliche Hütte entpuppt sich als Felsblock und der Holzstoss als ein Haufen von Zaunpfosten , die der Hirt im Herbst hier aufgeschichtet hat .
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Das Mondlicht verleiht der Landschaft um die Lampertschalp ein ganz eigenes trügerisches , überirdisches Relief .
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Ich stolpere vorwärts und denke zurück .
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Kam nicht gleich nach diesem Felsblock die Hütte , als wir im letzten Sommer hier waren ?
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Der Gedanke gibt mir wieder Kraft für die nächsten hundert Meter .
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Von der Hütte immer noch keine Spur .
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Auch Pius sehe ich nicht mehr , die Einsamkeit ist total .
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Mir ist , als ob ich mich im Kreise drehen würde , nach jedem Felsblock kommt wieder eine Ebene , auf jede Ebene folgt ein neuer Felsblock .
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Nur der Zeiger der Armbanduhr deutet den Fortschritt an , doch das nützt mir nichts .
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Ich muss die Hütte erreichen .
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Der Mond sinkt herab , dem gefrässigen Maul eines grossen Haifisches gleich steigt der schwarze Schatten nun auch an der linken Talseite hoch .
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Ich werfe den Rucksack ab , die Beine bleischwer , die Seele mutlos .
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Der Wind singt seine Melodie , während er über diese verfluchten , nicht enden wollenden Schneefelder mit ihren tückischen Löchern und Verwehungen hinwegstreicht .
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Ich denke an den Gleitschirm im Rucksack .
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Den Schirm aufziehen , ein leichtes Rauschen und Abheben , keine schweren Güferhorn und Rheinwaldhorn , die beiden beherrschenden Gipfel der Adulagruppe Beine mehr , kein böser Rucksack , keine unsichtbaren Schneefallen , die mich in die Tiefe reissen wollen .
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Auf einmal kriecht es feucht und kalt den Rücken hinauf .
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Beinahe wäre ickeingeschla-fen !
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Weiter , weiter , hämmert es jetzt in meinem Kopf , und die Kälte unter dem nassge-schwitzten Hemd treibt mich voran .
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Wieder einen Hang hinauf und um einen Felsblock herum .
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Jeder Schritt ist mittlerweile zur Qual geworden . Plötzlich - ich erlebe den Moment wie eine Offenbarung :
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( Nur noch ein paar Schritte ) , ruft es mir zu , und neue Kraft strömt in meine Beine . Es ist die Kraft , die zahllose Male das weisse Spitzchen in meinen Gedanken gemalt hat , und es ist jene Kraft , die uns immer wieder in die Berge treibt .
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Es ist eine Kraft , die ehrlich ist , die nichts vorspiegelt .
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Somit ist auch der abendliche Alptraum in dem Moment schon vergessen , als wir am nächsten Morgen , zwar immer noch übertük-kisch verblasene Schneefelder , aber mit dem weissen Spitzchen vor Augen gegen den Län-tagletscher aufsteigen .
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Markus , der Gewichtigste unserer kleinen Gruppe , bahnt uns einen Pfad .
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Wo er nicht mehr einbricht , wird der Schnee auch uns tragen .
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Auf dem Gletscher führt abwechslungsweise jeder eine kurze Strecke .
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Die tiefe , hinter uns zurückbleibende Spur ist unser Gemeinschaftsweg , an dem wir alle unsern Anteil haben .
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Später finden wir eine apere Rippe , über die wir wie auf einer Treppe höhersteigen können .
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Auch der Gipfelgrat ist schneefrei und hart gefroren .
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Ich denke zurück an unser letztes Rheinwaldhorn-Erlebnis und geniesse jeden Moment doppelt .
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Wie von Meisterhand geschaffen , ebenmässig , nur den wichtigsten graphischen Linien verpflichtet , steht der Gipfel vor uns , Tor zu einer weiteren Dimension , unsichtbare Kraft , Ziel .
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Keiner spürt mehr die müden Beine und das Gewicht des Rucksacks .
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Es ist beinahe windstill .
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knirschenden Geräusch des hartgefrorenen Schnees unter unsern Schuhen und dem Laut des eigenen Atems .
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Unter dem höchsten Punkt legen wir unsere Gleitschirme aus .
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Farbige Tupfer im ebenmässigen Weiss der Gipfelpyramide .
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Klein wie Käfer , die sich in dieser Wüste von ewigem Schnee , Eis und Fels verirrt haben .
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Unerreichbar in das unendliche Blau des Himmels aufstrebend , erscheint das Rheinwaldhorn vom Tal aus .
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Für uns aber ist es nur ein Schritt auf dem Weg zu jenem Ziel , zu dem wir während unseres ganzen Lebens unterwegs sind .
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Nun noch die Leinen entwirren , ins Gurtzeug schlüpfen und das Fähnchen in den Wind strecken .
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Aus den kurzbeinigen Erdgebundenen werden farbige Vögel .
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Gleitschirmstart vom Rheinwaldhorn Richtung Westen .
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Hinter dem tiefen Einschnitt des Bleniotales erheben sich die Ketten der Tessiner Berge .
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Wv
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ss Wändli
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- Weg der Erinnerungen
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Willy Auf der Maur , Seewen ( sz )
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Der Gr .
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Mythen von Süden , links die konkave Westwand , die Mythenmatt und der Gipfelaufbau 141
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Harmonie
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Harmonie ist das A und 0 der ganzen Bergsteigerei !
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Wo sie fehlt , erstarren Gesichter zu Masken , verkommen Gespräche zu Gerede , bleiben Seilstränge in den Ästen hängen ( weil der eine Kletterer rechts , der andere links der Legföhre aufsteigt ) .
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Harmonie braucht meist wenig Worte , ist diskret , leise , so leise , wie es unsere Schritte heute sein möchten , im Bergwald und in den ersten , gestuften Felsen über den Baumwipfeln .
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Aber , o weh : Knackende Zweige , knirschender Splitt und fallende Steine künden den äsenden Gemsen am heutigen , frischen Morgen das Nahen der Menschen .
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Die Einstiegsplatte Schweigen könnte auch eine Art Egoismus sein , vermute ich , und da ich bei meinen beiden Weggefährten - Neulingen im Umgang mit bestandenen Bergsteigern - nicht den Eindruck von Selbstsucht oder Eigenbrötelei erwecken möchte , fühle ich mich am eigentlichen Einstieg zum Wyss Wändli , der leichtesten der Westwandrouten am Grossen Mythen , bemüssigt , Akzente in die tote Stille zu setzen .
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<Seht euch von , beginne ich mit prophetischer Gebärde , <wir stehen hier vor der schwierigsten Stelle der Kletterei , der Einstiegsplatte , die schon manchen Mythenkletterer in Angst und Schrecken versetzt hat . )
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Visionen tauchen in mir auf :
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verkniffene Gesichter , Gestalten , die auf den Knien über die geschliffene , helle Fläche hinaufkriechen , die zwei grossen Obdörfler , die wie Rosenkranzperlen am Ende meines Seils hängen , nachdem der eine ins Rutschen gekommen und den andern aus dem Stand gerissen hat .
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<lch will euch aber sagen , wie sie problemlos zu meistern ist> , füge ich gnädig lächelnd hinzu .
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Die Gesichtszüge von Susi und Ruedi entspannen sich .
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Hurtig klinkt Ruedi den Schraubkarabiner in die Lasche des Standhakens , dieweil seine Angetraute mit abgedrehter Hand das Partieseil in den blanken Metallkreis legt .
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<Also aufgepasst ) , fahre ich fort , ( unbedingt den rechten Schuh , ich wiederhole , den rechten Schuh , in diese Spalte hineinklemmen , den linken an die Platte pressen , den Allerwertesten möglichst weit in die Luft hinaus und aufwärtstrippeln ... ein Kinderspiel ! )
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Holzegg und Mythen , im Hintergrund die Urner Alpen ( Flugaufnahme ) Ich mache es gleich vor , an diesem etwas nebligen Tag , so wie man es mir vorgemacht hat , vor vielen Jahren .
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<Es ist schon beglückend , mit einer bestimmten Kletterstelle , mit einem Berg auf du und du zu stehen ) , denke ich mir dabei , und wie ich zehn Meter höher in einer Nische meine Seilgefährten nachsichere , wandert mein Blick zu einem rundgeschliffenen Loch im Randbereich des Plattenschildes hinüber , von dem ich weiss , dass es einer leider noch nicht blühenden Feuerlilie Gastrecht gewährt .
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Hätte die Goldrose , wie die Blume bei uns genannt wird , ihren formvollendeten Kelch im Winde gewiegt , mein Mund wäre ein weiteres Mal übergelaufen , wie er es auch schon in der ersten halben Stunde unseres Aufstiegs , im Mythenbann , getan hatte , als wir an einem zweimal mannshohen grünlichgrauen Felsblock vorbeiwanderten .
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Es war der <Altar-stein> , ein Block , der dem Spaziergänger die überhängende Seite zeigt , über seinen Buckel bis unter den Oberrand hinauf aber leicht zu besteigen ist .
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Mein lieber Bergfreund Franz hatte hier in seinen Bubenjahren jeweils Gottesdienst gehalten .
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Die Vision war zu erheiternd , zu erhebend auch , als dass ich sie meinen feinfühligen Seilgefährten hätte vorenthalten können .
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So hatte ich denn versucht , den blonden , ernsten Buben vor ihr geistiges Auge zu zaubern , wie er , die Kante des Blocks nur gerade mit Kopf und Brust überragend , inmitten eines Meeres silbern aufblitzender Blätter mit ausgebreiteten Armen sein <Gloria in excelsis Deo> in den Wald hineinsang , begleitet vom hellen Gezwitscher der Vögel und dem ernsten Gemurmel bärtiger Tannen .
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Am Fuss des <Altarsteins> malte ich noch das Kreuz hin :
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die aufgerichtete , seitlich eingeknickte Deichsel des Leiterwägeiis , das möglicherweise bereits mit dürren Asten beladen , vielleicht aber auch noch leer war .
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Denn zu jener Zeit , in den Kriegsjahren , so hat mir mein Freund schon oft versichert , sei es meist recht schwierig gewesen , im Wald Fallholz zu fin den , so dass er sich mit beträchtlichem Risiko sogar an Legföhren und Krüppeltannchen herangemacht habe , die , an Felssätze und Nossen geklammert , klagend ihre toten Arme von sich gestreckt hätten .
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Auf der Rampe Inzwischen sind meine Gefährten unbeschadet bei mir angekommen , und so kann ich die zweite Seillänge in Angriff nehmen .
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Es ist dies eine steile , eher griffarme Rampe .
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In jedem Bergbuch würden die Akteure in einer Kletterstelle von derart geringer Schwierigkeit wie Götter über die Szene stolzieren .
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Ich aber muss zu meiner Schande gestehen , dass mich in diesen fünf , sechs Metern schon öfters eine leichte Unruhe überfallen hat .
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Gibt es nicht Tage , an denen man als Bergsteiger von einem grenzenlosen Misstrauen erfüllt ist , an denen man keinem Griff mehr traut und dauernd den Boden unter den Fussen zu verlieren glaubt ? Heute geht es recht gut .
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Ich erreiche den Standplatz auf dem Genecand-Gesims .
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Mächtig wölbt sich die Wand über mir auf :
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Hier ist kein Durchkommen mehr für Genusskletterer !
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Unser Heil liegt drüben , hinter einer abschüssigen , grasdurchsetzten Rippe , in einem System von Rinnen und Bändern .
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Das Genecand-Gesims Fragen Sie niemanden , wo dieses zu finden sei .
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Den Dingen einen Namen zu geben , ohne dass es jemand ahnt , ist nämlich meine heimliche Leidenschaft .
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Das Gesims habe ich so getauft , weil wir hier in meinen alpinen Lehrjahren jeweils die Schuhe gewechselt haben :
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die Kletterfinken mit den Hanfsohlen in den Rucksack , die Tricouni-Bergschuhe heraus .
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Und weil mich meine Erinnerungen an den unbequemen Schuhwechsel mit stillem Vergnügen zum Genfer Alpinisten Félix Genecand ( 1878-1957 ) hinzuführen pflegen .
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Die Tricouninägel , zu gezackten Randbeschlägen aneinandergereiht , haben seinerzeit den Alltag in den Bergen auf den Kopf gestellt .
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Kaum ein Bergbauer , kaum ein Wildheuer , kaum ein Holzer , kaum ein Jäger , der nicht sein Schuhwerk damit ausrüstete . Und dann die Bergsteiger !
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Ihnen schenkte der Tricouninägel neue Horizonte , ein erstarktes Selbstbewusstsein und viel Lebensfreude .
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Es war aber auch beglückend , an einem frühen Sonntagmorgen in schweren , tricounibeschla-genen Schuhen mit festem Schritt zwischen den Häuserreihen dem Berge zuzuwandern .
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Das Klirren und Geixen des griffigen Beschlags auf abgeschliffenem Kopfsteinpflaster war schönste Musik , auch wenn sich darob verwunderte Frühmessegänger um drehten , Katzen um die Hausecken huschten und Vorhänge in Bewegung gerieten ( wer weiss , aus welchem Garn damals die Träume der jungen Mädchen - und stellvertretend ihrer Mütter noch gewoben waren ! ) .
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Man fühlte sich bärenstark in diesem Schuhwerk .
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Nicht ganz zu Unrecht , denn die Tricouninägel waren wie kleine , hungrige Raubtiere :
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Im harten Firn , im Geröll , im rauhen Granit , überall bissen sie herzhaft zu .
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Am gefrässigsten aber zeigten sie sich auf schlüpfrigen Erdtritten und im steilen Gras .
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Hier waren sie in ihrer Gier kaum mehr zu bremsen , und deshalb war die Zeitepoche der Tricouninägel auch diejenige der grossen Grasrouten .
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<Warum ich euch so erheitert entgegenblicke ? )
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Susi und Ruedi schauen mich erwartungsvoll an .
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<Weil ich innerlich soeben das Rad der Zeit etwas zurückgedreht und in Route 13 , am Geissstock , unsern unvergesslichen Altmeister Kari habe stehen sehen .
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Eben befand er sich unter einem kleinen Aufschwung , die starken Beine ins Erdreich gestemmt , den Kopf unter ein Grasbüschel gedrückt . Und wisst ihr , warum ?
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Weil sich ihm Gemsen über den Kopf hinwegsetzten und dabei einen Hagel feuchter Erdklumpen auf seinen alten Filzhut prasseln liessen .
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Unvorstellbar , nicht wahr , dass einem heutigen Spitzenkletterer ( auch Kari war einer ! ) Gemsen über den Kopf hinwegspringen würden .
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Aber dies geschah halt eben in einer Zeit , die Ihr nicht mehr gekannt habt ... in der heroischen Zeit des Tricouninagels ! )
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Im Banne des Wyss Wändli Wir klettern flüssig weiter , schräg aufwärts , der Wand entlang .
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Grashalme streichen uns ins Gesicht , Blumen und Sträucher , Fels und Erde verströmen ihren diskreten Duft .
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Seltsam , der Weg über das Wyss Wändli am Grossen Mythen : für die Schuhe vielfach eine Gras und Erdroute , für die Hände eine Felskletterei .
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An Griffen fehlt es hier tatsächlich nicht : schöne , scharfkantige Leisten , Henkelgriffe , schmale horizontale Spalten , Nocken ...
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lacht mein Herz dem kleinen Ahornbaum am Fuss der Rinne entgegen , die dem Mittelteil der Route das Gepräge gibt .
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( Hohlwangig bist du geworden , pocken narbig dein hellgefleckter Stamm , trocken und klapprig das in den Rissen der Wand verankerte Wurzelwerk , schütter dein Blätterdach .
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Einst haben wir mit starker Hand an dir gerüttelt und eine ebenso feste Antwort erhalten .
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Dann pflegten wir das Seil um deinen Stamm zu legen und vertrauensvoll den Seilgefährten nachzusichern .
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Aber heute ?
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Heute liebe ich dich wie einst , das Seil aber hänge ich wenig daneben in den Bohrhaken ein , den ich vor Jahren noch verflucht habe , weil er dir den Rang ablaufen wollte . )
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Aus der Enge der Rinne , die uns in hoher Wand die Geborgenheit einer <guten Stube ) vermittelt , wandert unser Blick in die Tiefe , auf ein Meer spitzer Tannenwipfel , auf grüne Matten und einen Ausschnitt des Talbodens von Schwyz , aus dem die Geräusche des Alltags zu uns heraufdringen .
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Einer von ihnen muss Wisel sein .
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Dies erinnert mich erneut an Félix Genecand , habe ich diesem welschen Bergsteiger doch nicht nur als Erfinder ein Denkmal gesetzt ( warum sollte Genecand nicht in der Zentralschweiz eine bescheidene Erinnerungsstätte haben , wenn es in Genf doch auch eine <rue Guillaume-Tell> gibt ! ) , sondern auch als Menschen .
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In der Jubiläumsausgabe der ALPEN ( 2/1963 ) zum 1OOjäh-rigen Bestehen des SAC wird über Genecand nämlich unter anderm berichtet , dass er als tüchtiger , unerschrockener Gänger mehr als zwanzigmal den Grépon - den Prüfstein der damaligen Elite - überschritten und dabei ungezählte Anfänger in die Mühen und Freuden des Kletterns eingeführt habe .
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Dies hat ihm damals den Übernamen ( Concierge du Grépon ) eingetragen .
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Sympathisch , dieser Genecand , so sympathisch wie Wisel , den ich am Einstieg heute einmal mehr einen Neuling an sein Seil knüpfen sehe und den ich wiederum nur insgeheim - <Concierge des Wyssen Wändlis> nenne .
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Concierges gibt es übrigens viele in den Bergen .
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So kenne ich einen ( Concierge des Salbit-Süd> , einen des Chaiserstocks , einen des Lauchernstöcklis , einen des Wildspitzes und wäre deshalb keineswegs erstaunt , wenn sogar jeder Berg in der Schweiz seinen Concierge hätte .
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( Seht ihr dort oben , links über der Schlucht , die Schlingen in der Wand ?
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Dort ist der Quergang der südlichen Westwand , die ich einmal mit Thedy gegangen bin .
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Ich stand an dieser ausgesetzten Stelle eine furchtbare Angst aus .
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Unbeeindruckt von meinem Gejammer liess sich Thedy oben , am Standplatz , nur mit einem belustigten Lachen vernehmen .
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Er glaubte an mich , mehr als ich selbst , und rief mir , über die Weite und Tiefe hinweg , dann doch noch einige Anweisungen zu .
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,Du musst nur ...
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' Ja , ja : Du musst nur !
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Rasch gesagt , aber in diesen vertrackten Quergängen , mit <Drei Generationen ) :
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Die Belastung war rein psychologischer Art , und darum werde ich diese Route nie mehr klettern .
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Nie mehr !
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Franzi , das unvergessene Skiidol unseres östlichen Nachbarlandes , hat einmal nach einigen verpfuschten Wintern einem Radioreporter erklärt , er wisse nicht , ob er jemals wieder die ,absolute Brutalität ' erlangen werde , die nötig sei , um ein Abfahrtsrennen zu gewinnen .
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Genau sie ist es eben , meine Lieben , die ,absolute Brutalität ' , die mir leider für diese und andere Routen fehlt ! )
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Susi lacht , Ruedi auch , ich lache , unsere ganze kleine Welt lacht mit :
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die Ameisen , die geschäftig über die Wandstufen eilen , ein herrlicher Mauerläufer auf seinem senkrechten Morgenspaziergang , die Dohlen im Aufwind .
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Geladene Gäste haben gut lachen ! Ein Jauchzer , hoch über der schräg ansteigenden , zerfransten Kante der Mythenmatt , erinnert uns daran , dass heute alle Zweibeiner , auch die gefiederten , zum Festmahl und zur Gedenkstunde eingeladen sind .
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Der ( Verein der Mythenfreunde ) ( Gründung 1863 ) feiert heute auf dem Gipfel des Grossen Mythens sein 125jähriges Bestehen .
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Der Ehren-trunk steht vielleicht schon bereit : Es heisst sich sputen !
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Am Quergangband Wir sind auf dem Band angelangt , das uns an seinem südlichen Ende den Ausstieg auf die Mythenmatt vermitteln wird .
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Ein landschaftlich herrlicher Quergang erwartet uns . Die linke Hand hakt sich hier an den Kanten fester abgespaltener Blöcke ein , während die Beine flink ein viermal schuhbreites Gesims entlang eilen .
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Wie möchte ich meinen Begleitern doch den eindrucksvollen Tiefblick gönnen !
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<lhr müsst hier ausgiebig in die Tiefe schauen ! )
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hätte ich ihnen angeraten , wie ich es vor Jahren Seffi empfohlen habe .
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An meinem Seil befand er sich , weil er vernommen hatte , dass auch schon Vertreter des schönen Geschlechts über das Wyss Wändli geklettert seien .
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( Was das Weibervolk kann , kann ich auch ! )
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hatte er darauf selbstsicher verkündet und sich bei mir auf die Warteliste für die begehrte Wandroute setzen lassen .
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Am Tag des grossen Ereignisses hatte er mir auf Das Gesims über den Einstiegsseillängen , auf dem wir in früheren Jahren jeweils die Schuhe gewechselt haben .
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Ein Naturfreund , aber kein Freund von Tiefblicken , denn mein Ansinnen hatte er entrüstet vom Tisch gewischt .
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<Hinunterschauen , nie !
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Ein alter Wildheuer aus den Muotathaler-bergen hat mir einmal gesagt , man solle nur nie in die Tiefe schauen , dann könne einem nichts passieren ! )
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An diesen Ratschlag hat er sich an diesem nebelfreien , durchsichtigen Herbsttag gehalten .
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Es ist ihm an meinem Seil an diesem Tag auch wirklich nichts passiert , dem Seffi !
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Das Ausstiegswändli Nebelschwaden hin oder her , die Freude am Ausstiegswändli können sie uns nicht verderben .
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Ein Fest für den Gleichgewichtssinn , den Bewegungsdrang , den Tastsinn ... diese Seillänge !
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Hier und jetzt , über der Legföhre , unter der ich durchgeschlüpft bin , mitten in der Wandstufe mit den sauberen , waagrechten Leisten müsste man mich fragen , warum ich klettere .
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<Weil ich die Mutter Erde liebe , sie streicheln und liebkosen will , aber nicht kriechen mag ! ) würde ich antworten .
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Nah und doch recht weit entfernt ist meine Liebeser- Die MythenWestwand aus der Froschperspektive :
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klärung von derjenigen eines Kameraden , der mich , vor Jahrzehnten , genau an dieser Stelle mit einem Mädchen , meiner Zukünftigen , auftauchen gesehen hatte . Verdutzt und etwas spöttisch hatte der Besagte aufgelacht , mit der flachen Hand über sich den senkrechten Fels des Wyss Nollen getätschelt und uns übermütig zugerufen :
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Der Mann , von dem die Rede ist , hiess Franz , doch war es nicht der Franz vom ( Altar-stein> und selbstverständlich auch nicht der Franzi aus dem Land des Kaiserschmarrens , sondern der Franz , dem in den kommenden Jahrzehnten Dutzende von Erstbegehungen gelingen sollten und der sich - zu seiner Ehrenrettung sei es verraten - später auch noch eine fleischliche Braut angelacht hat .
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Mit ihm hatte ich einige Jahre zuvor kiloweise technisches Material in der Bergwelt spazieren geführt , was uns am Ufer des Wägitalersees einmal sogar polizeilich bestätigt wurde .
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Zwei Hüter des Gesetzes mussten dort in uns , aufgrund des mitleiderregenden Zustandes unserer Hände , die klassischen Blumenräuber gerochen haben . Jedenfalls wurden wir von ihnen höflich aufgefordert , die Rucksäcke zu öffnen .
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Doch nachdem sie einige Zeit darin gewühlt , der eine in Franzens , der andere in meinem Sack , hatten sie unter ihren Dächli-mützen hervor einen vielsagenden Blick ausgetauscht und dann ganz offensichtlich enttäuscht , für jedermann deutlich hörbar , zu Protokoll gegeben :
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Das Eisen , unsere schweren Haken und Karabiner ( man wusste damals noch nichts von legiertem Bergsteigermaterial ) , pflegte Franz vorwiegend in die Ritzen unserer Felstürme Peter und Paul am Kleinen Mythen einzutreiben , während ich , getreu einer in Paris bei einem Bouquinisten am Ufer der Seine preisgünstig erstandenen Anleitung , die Seilstränge bediente .
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Kein Mensch , nicht einmal unsere alpinen Lehrmeister , hätten uns damals erklären können , wie das technische Klettern geht .
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So hing denn unser ganzes Kletterglück von der dünnen Broschüre aus der Grossstadt ab , deren Titel La technique de la varappe artificielle oder ähnlich lautete .
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Er hätte ebensogut ( Die Technik des Mehlsack-hissens> heissen können , denn die ( Methode ) verurteilte den Seilführer zu einer Haltung , die statisch nur geringfügig von derjenigen eben eines Mehlsackes abwich .
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Sie verlangte , dass der Vordermann abwechslungsweise den einen , dann den andern Strang des Doppelseils in die Hakenreihe einführte , und weil auf den primitiven Zeichnungen weder eine Stehschlinge noch eine Trittleiter zu entdecken war , musste es offensichtlich Aufgabe des Seilzweiten sein , den Kameraden hochzuhis-sen und das Seil so lange strammzuhalten , bis der nächste Haken geschlagen war .
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Von allen Nachteilen abgesehen , verschaffte mir diese ( Technik ) in kurzer Zeit ganz hübsche Oberarmmuskeln , während sich Franz , der um die Weichteile angeseilt war , zunehmend über Bauchschmerzen beklagen musste .
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Mythenmatt ( Hier muss es Pfefferminz geben ) , stellt Susi bei den Karrenfeldern am Rand der Mythenmatt fest .
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Beim Namen Seidelbast hätte ich aufgemerkt .
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Seidelbast ist für mich gleichbedeutend mit Bergfrühling , Wiedererwachen der alten Kletterleidenschaft , Aufbruch .
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Ich weiss die Staude mit den starkduftenden Blüten in geschützten , trockenen Felswinkeln , allüberall in den südgewandten Flanken der Mythen , an Stellen , welche die Sonne schon im April auszubrennen pflegt , wenn die Bergsteiger noch von Felsinsel zu Felsinsel hüpfen , um dem dahinfaulenden Schnee auszuweichen .
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Zu Seidelbast unterhalte ich eine fast mystische Beziehung , aber zu Pfefferminz ... !
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Nun , dass es so weit von den Teestuben entfernt nach Pfefferminz duftet , scheint mir trotzdem recht erstaunlich , so bemerkenswert wie die Tatsache , dass in frühern Jahrzehnten Schafe an diesem Kraut gerochen haben .
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Die Mythenmatt-jene auffällige , schiefe Grasfläche unter dem rötlichen Gipfelkopf-wurde früher tatsächlich nicht nur von Gemsen beweidet .
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Darüber zu rätseln , auf welchem Weg die Schafe hier hinaufgelangten , ist erlaubt .
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Jedenfalls muss Schafhirt Kälin , wie seine eventuellen Vorgänger , gute Schuhe getragen haben , wahrscheinlich solche mitTricounibe-schlag .
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Wie es auch sei , es geht auch mit Gummischuhen , heutzutage , allen Unkenrufen der Nachkriegszeit zum Trotz .
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( Eure Gummisohlen mögen ja recht und gut sein , aber wenn euch einmal auf der Mythenmatt ein Regenschauer überrascht , dann möchte ich euch sehen ... nasses Gras und Gummi , das wirkt doch wie Schmierseife .
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Dann werdet ihr wie eingesalbte Ölgötzen in die Tiefe fahren ! )
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Der dies weissagte , hatte zwei listige , von Lachfalten eingerahmte Äuglein und einen Kopf , der oben in einen Spitzhut und unten in einen Spitzbart auslief .
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Es war Köbel , der Bildhauer und phantasiereiche Unterhalter , und er war nur einer von den vielen Skeptikern .
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Köbel sah sich später ins Unrecht versetzt , den Tricouninägeln ist er aber meines Wissens trotzdem sein ganzes Leben lang treu geblieben .
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Ist dies nicht ein Grund , sein Andenken noch besonders in Ehren zu halten !
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Jeder Mensch trägt eine Galerie in sich , die er nach eigenem Wunsch mit Bildern bestük-ken kann .
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Alpinisten pflegen darin Bergbilder aufzuhängen , und da der Eintritt in diesen Raum an keinerlei Formalitäten gebunden ist , lassen sich diese aufbauenden Gemälde im Alltag bei jeder beliebigen Gelegenheit betrachten .
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Eine Örtlichkeit , wo sich solche Bilder sammeln lassen , ist das Rot Grätli am Gipfelkopf des Grossen Mythen .
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Die Bilder sind hier dreidimensional , gehen in die Höhe , in einen Himmel , an dem die rote Schweizerfahne flattert , in die Weite , zum Zürichseebecken , zum Alpstein , in die Urner und Unterwaldner Alpen , in die Tiefe , auf die dunkeln Wälder und blühenden Weiden des Alptals , auf den bunt gefleckten , mit Seen geschmückten Talkessel von Schwyz .
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Zuoberst schliesst sich der Kreis Das Rot Grätli trägt uns in schiefrigem Fels und auf weichen Rasenpolstern in Kürze auf die felsige , karge Gipfelfläche .
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Keinen Augenblick zu früh und keinen zu spät , denn eben beginnt vor der Kulisse des Mythenhauses die Weissweinflasche ihre Runden zu drehen .
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Auch uns drückt man , wie erwartet , ein funkelndes Glas in die Hand .
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Erhebend , später , der Augenblick , in dem der Präsident sein Manuskript hervorkramt und seinen Mund öffnet .
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Doch genau in dieser Sekunde werden Bild und Ton von einem dichten Nebelschwaden verschluckt .
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Ein , zwei Minuten nur - die Zeit für einige Schlückchen - , dann ist der Spuk vorbei , und ich sehe mich zu meinem grossen Erstaunen ( Wirklichkeit oder Halluzination ? ) von einer Runde netter Kerle in goldbetressten Uniformen umringt .
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Es sind all die Concierges , denen ich im Aufstieg nachgesonnen .
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Doch gibt es da , höchst verwunderlich , noch eine Gruppe schnauzbärtiger , würdiger Herren zu bestaunen , mit breitrandigen Hüten , geschlossenen Kragen , Gilets , Uhrenketten und hohen Haselstöcken , mit eigenem Mundschenk , malerisch zum Fototermin angeordnet .
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Es sind die Gründer des Vereins , die Männer , die mit ihrer Begeisterung und ihrem Geldbeutel den Berg für den Wanderer erschlossen haben , die Concierges des Mythenwegs , die ich bis heute nur aus der Jubiläumsschrift gekannt habe .
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Sie alle heben prostend ihr Glas , zwinkern und lachen mir freundlich zu .
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Ich hab's ja immer gesagt :
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Harmonie ist das A und 0 der ganzen Bergsteigerei !
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Es muss nicht immer Bilderbuchwetter sein : Aufbruch vom Einstiegssattel der Wyss-Wändli-Route am Gr .
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Mythen .
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