Himalaya-Chronik 1956 MIT NACHTRÄGEN AUS FRÜHEREN JAHREN VON G.O.DYHRENFURTH Mit 3 Bildern In letzter Zeit sind die Höhenzahlen der grossen Himalaya-Berge in Fluss gekommen , was zu einem argen Durcheinander führte . Wie ist eine derartige Unsicherheit selbst bei den berühmtesten , seit hundert Jahren bekannten und oft vermessenen Bergen zu erklären ? Es sind vor allem drei Fehlerquellen , die heute anders bewertet werden als früher : die Grosse der Lichtbrechung , die zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten stark wechselt , die Schwere-Ablenkung durch die Massenanziehung des Himalaya und die Geoid-Korrekturen . Es wäre also eigentlich zu erwarten , dass die seit 1952 im Gange befindliche Neuvermessung und Neuberechnung sehr starke Abweichungen gegenüber den alten Roten liefern sollten , aber glücklicherweise haben sich die früher gemachten Fehler grossenteils kompensiert . Für Chomo-Lungma ( Mount Everest ) ergaben sechs Berechnungen aus den Jahren 1849 und 1850 einen Mittelwert von 8839,8 m , sechs Berechnungen aus den Jahren 1881-1902 lieferten ein Mittel von 8882,2 m. Auch diese Zahl wurde als noch zu niedrig angezweifelt , und die ( nicht amtlichen ) Schätzungen gingen bis über 8900 m hinaus . Die neue offizielle Kote , die 1955 ausgegeben wurde , ist jedoch nur 8847,60 oder abgerundet 8848 m. Das ist also die Zahl , an die man sich nunmehr zu halten hat . Für den Kangchendzönga wurde bisher nur bekannt , dass die alte Höhenzahl von 8579 m um etwa 60 ft . Die neue offizielle Kote ist meines Wissens noch nicht publiziert . Jedenfalls erweist sich die Höhenzahl 8603 m , die auf der Karte von Marcel Kurz 1930 eingesetzt wurde , als recht gut . Der Lhotse misst amtlich noch immer 8501 m , wird aber wahrscheinlich demnächst auf etwa 8510 m heraufgesetzt werden müssen - entsprechend seinen Nachbarn Everest und Makalu . Denn auch beim Makalu wird die seit einem Jahrhundert gültige Höhenzahl 8470 m jetzt aufgegeben ; der neue amtliche Wert ist 8481 m. Am schlimmsten ist es beim Cho Oyu , für den schon seit einiger Zeit zwei Höhenzahlen - 2 Die Alpen - 1957 - Les Alpes 17 8153 m und 8189 m - in Konkurrenz standen . Eine Neuberechnung ist anscheinend bisher noch nicht vorgenommen worden . Dhaulagiri , der « Mont Blanc » des Himalaya , der einst als höchster Berg der Erde galt , wurde bisher mit 8172 oder 8167 m angegeben . Die neue Kote ist jedoch 8222 m. Über Manaslu ( 8125 m ) , Nanga Parbat ( 8125 m ) , Annapurna I ( 8078 oder 8074 m ) , Shisha Pangma ( 8013 m ) und die vier pakistanischen Achttausender K2 ( 8611 m ) , Hidden Peak ( 8068 m ) , Broad Peak ( 8047 m ) und Gasherbrum II ( 8035 m ) ist vorläufig nichts Neues zu vermelden . Die Neuberechnung unter Berücksichtigung aller heute bekannten physikalischen Faktoren erfordert ziemlich viel Zeit . Die Kaschmirfrage mit der zwischen Indien und Pakistan strittigen Grenze tut ein übriges . Wir werden uns also noch etwas gedulden müssen , bis die neuen Höhenzahlen für alle grossen Berge in Himalaya und Karakorum « endgültig » - d.h. wenigstens für ein paar Jahrzehnte - festgelegt sind . In unserem Überblick über die wichtigeren Expeditionen der jüngsten Vergangenheit beginnen wir wieder mit dem östlichsten Achttausender : 1. Vom Kangchendzönga ist bergsteigerisch nicht viel Neues zu melden . Die grossartige Erstersteigung wurde ja bereits in unserer « Himalaya-Chronik 1955 » behandelt ( « Die Alpen » 1956 , Nr. 4 ) . Aber geologisch hat die planmässig fortschreitende Arbeit von Dr. Toni Hagen unsere Kenntnis des Kangchendzönga-Massivs sehr wesentlich bereichert . « Die Alpen » 1956 , S.298-303 ( November ) bringen in Text , Kartenskizze und Profilen einen ersten gewichtigen Vorbericht . 2. Dasselbe gilt für den fünfthöchsten Berg der Erde , den formenschönen Makalu ( 8481 m ) . Das hübsche Buch von Jean Franco ( « Makalu » , Grenoble-Paris : Aber die Begehungen des Makalu-Gebietes durch Dr. Toni Hagen im Winter 1954/55 und im Herbst 1955 , über deren Ergebnisse erst kürzlich einiges bekannt wurde ( « Die Alpen » 1956 , S. 295-298 ) , waren wissenschaftlich von grösster Bedeutung und lieferten auch bildlich eine prächtige Ausbeute . Die Tektonik des nepalischen Hochgebirges entschleiert sich allmählich und ist tatsächlich so grandios , wie man es - schon rein gefühlsmässig - erwarten durfte . 3. Auf der Ostseite der Makalu-Gruppe hat sich der Arim-Fluss bis etwa 1200 m eingeschnitten , eines der grossartigsten Durchbruchstäler , die es auf der Erde gibt . Schon 1930 habe ich darüber geschrieben : « Der eigentliche Himalaya ist trotz seiner Höhe nicht Wasserscheide ; diese wird vielmehr von weiter nördlich gelegenen , niedrigeren Höhenzügen gebildet . Flüsse wie z.B. der Arun ( zwischen Makalu- und Kangchendzönga-Gruppe ) oder die Tista ( östlich des Kangchendzönga ) entspringen auf der Nordseite des Himalaya und haben sich in ungeheuren Schluchten südwärts durch den Gebirgswall durchgefressen . Derartige Durchbruchstäler bloss durch rückschreitende Erosion zu erklären , ist nicht möglich . Offenbar flössen diese Ströme bereits zum Indischen Ozean , als es noch keine himmelstürmende Great Himalaya Range gab , und sie hielten mit der Gebirgsaufwölbung Schritt . Die Hebung einer südwärts gelegenen Zone zur Hauptkette erfolgte also so allmählich , dass die Flüsse sich im gleichen Tempo einschneiden und ihren alten Lauf im wesentlichen beibehalten konnten . Diese Flüsse sind älter als der Himalaya . » Das Arun-Tal ist auch botanisch und pflanzengeographisch sehr interessant . Im Auftrage des Britischen Museums arbeitete und sammelte dort J.D.A.Stainton im Sommer 1956 . Sein Sherpa war Da Temba ( Himalayan Club : Sherpa-Liste Nr.212 ) . 4. Die schweizerische Grossexpedition 1956 - von der SSAF sorgfältig vorbereitet und organisiert , von Albert Eggler mustergültig geleitet und von den Berner Bergsteigern in vorbildlicher Kameradschaft durchgeführt - wurde zu einer der erfolgreichsten Unternehmungen in der Geschichte des Himalaya . Sie gipfelte in der Erstersteigung des Lhotse ( 8501 m bzw. ca. 8510 m ) am 18. Mai 1956 durch Ernst Reiss und Fritz Luchsinger , der zweiten Ersteigung des Mount Everest ( 8848 m ) am 23. Mai durch Jürg Marmet und Ernst Schmied und der dritten Ersteigung am 24. Mai durch Adolf Reist und Hansrudolf von Gunten . Um nicht Allbekanntes zu wiederholen , möge es hier genügen , auf einige der wichtigsten Publikationen hinzuweisen : Die Originalberichte in « Der Bund » und « Neue Zürcher Zeitung » von Mai bis Oktober 1956 . - « Die Alpen » 1956 , Varia S.91/92 , 132/133 , 147-151 , 175-177 und Frühjahrsheft 1957 . - « Berge der Welt » , Bd.XI ( 1956/57 ) , S. 161-177 . Über den spektakulären bergsteigerischen Erfolgen wollen wir die wissenschaftliche Erforschung des Everest-Gebietes nicht vergessen : 1952 Augustin Lombard geologisch , Albert Zimmermann botanisch , 1952 und 1953 L. G. C.Pugh physiologisch , 1954 Helmut Heuberger geographisch , 1954 und 1955 Pierre Bordet und Michel Latreille sowie - unabhängig von den Franzosen arbeitend -Toni Hagen geologisch , 1955 Erwin Schneider kartographisch , 1956 Fritz Müller und Arthur Durst glaziologisch und meteorologisch . Die Chomo-Lungma-Gruppe wird allmählich zum bestbekannten Gebiet des Himalaya . 5. Für den Winter 1956/57 ist eine australische Expedition unter der Führung von Peter C. Bryne angekündigt worden , die sich in Solo Khumbu ( wieder einmal ) auf die Yeti-Suche begeben will , d.h. auf die photographische « Schneemenschen»-Jagd ( vgl. auch 12. dieser Chronik ) . Näheres ist bisher noch nicht bekannt geworden . 6. Über die schottische Frauenexpedition , die im Frühjahr 1955 nordöstlich von Kathmandu im Jugal Himal tätig war , wurde bereits in der letztjährigen Chronik ( « Die Alpen » 1956 , S. 81 ) kurz berichtet . Inzwischen ist das Buch herausgekommen : Monica Jackson and Elizabeth Stark , « Tents in the Clouds » ( London : Collins 1956 ) , flott geschrieben und hübsch illustriert , wenn wir auch - H.W.Tilman beistimmend - daran erinnern möchten , dass « human interest » nicht übertrieben werden sollte und dass die Berge im allgemeinen schöner sind als die auf ihnen herumkriechenden Menschen . 7. An dem gewaltigen Manaslu ( 8125 m ) hatten die Japaner 1952 eine Kundfahrt und 1953 einen ernsthaften Angriff gemacht , bei dem sie bis 7750 m kamen . 1954 gab es schon beim Anmarsch durch das Buri-Gandaki-Tal grosse Schwierigkeiten mit der Bevölkerung , die sich gegen diese ständige Belästigung der Gottheit zur Wehr setzte . Die Expedition musste umkehren . 1955 hatte der Berg Ruhe , doch wurden offenbar die notwendigen diplomatischen Vorarbeiten geleistet . 1956 brachte die Entscheidung : Unter Leitung des bergerfahrenen Yuko Maki , dem 1921 mit den Grindelwaldner Führern Fritz Amatter , Fritz Steuri und Samuel Brawand der erste Aufstieg über den Mittellegigrat des Eiger gelungen war , wurde diesmal eine neue Route versucht . Bisher hatte man sich auf der Nordostseite des Massivs gehalten : von dem Dorfe Sama ausgehend über den Manaslu-Gletscher , Naike-Col ( 5600 m ) und Nordsattel ( 7100 m ) zum Plateaugletscher , ein nicht schwieriger , aber sehr langer Weg , der neun Lager erfordert hatte . Jetzt aber erfolgte der Schlussangriff von Süden , und man kam mit sechs Lagern aus . Vier Mitglieder der Bergsteigergruppe erreichten den Gipfel -am 9.Mai Imanishi mit dem Sherpa Gyalzen ( Himalayan Club : Sherpa-Liste Nr.57 ) und am 11. Mai Kato und Higeta. Von den vier Zacken , die den Gipfel bilden , ist der höchste so scharf , dass nur ein Mensch darauf Platz hat . Nach den bisherigen Messungen hat der Manaslu auf den Meter genau die gleiche Höhe wie der Nanga Parbat ( 8125 m ) ; beide stehen an der 8. und 9. Stelle der Rangliste . Die Japaner haben mit einer wirklich bewunderungswürdigen Zähigkeit um diesen Berg gekämpft Auf die genauen Berichte und Bilder von ihrer erfolgreichen Expedition 1956 darf man gespannt sein . 8. Von den noch unerstiegenen Weltbergen ist der höchste der Dhaulagiri ( nach der Neuberechnung 8222m ) , um den seit vier Jahren hart gerungen wird ; 1953 die Expedition des AACZ , 1954 die erste argentinische Expedition , die bis etwa 7950 m vordrang und nur durch einen Wettersturz um den Gipfelsieg gebracht wurde , 1955 die schweizerisch-deutsche « Vegetarische Himalaya-Expedition » und 1956 die zweite argentinische Expedition . Von diesem Unternehmen unter Leitung von Oberst E.Huerta hat man nicht sehr viel gehört Zwei Angriffsversuche am 15. und 25. Mai verliefen jedenfalls erfolglos . Wenn die Pressemeldungen stimmen , wurde nur eine Höhe von etwa 7200 m erreicht . Für 1957 scheint eine französisch-schweizerische Expedition in Vorbereitung zu sein , und falls auch dieser der Sieg versagt bleiben sollte , möchten die Argentinier 1958 zum dritten Male antreten . Der Dhaulagiri ist eben ein technisch schwieriger und gefährlicher Berg , doch auch ihm wird die Stunde schlagen ... vielleicht sogar bald . Vom Dhaulagiri Himal , diesem mächtigen Kamm mit sechs kotierten Siebentausendern ( s. « Die Alpen » 1956 , S.83 ) , ist vorläufig noch nichts Neues zu melden . In West-Nepal arbeitet seit Herbst 1956 Dr. Toni Hagen . 9. In Garhwal wurde der Trisul ( 7120 m ) neuerdings zweimal bestiegen , und zwar von K.Bunshah aus Bombay mit zwei Sherpas und von zwei Deutschen , F. und A. Hieber . Der Trisul , der zum ersten Male schon 1907 von T. G. Longstaff mit A. und H. Bracherei und Kharbir bestiegen wurde , ist ein schöner , aber unschwieriger Berg südwestlich der Nanda Devi , gilt als « billiger Siebentausender » und wurde schon mehrfach besucht 10. In der Himalaya-Chronik 1955 wurde bereits erwähnt , dass Peter Aufscknaiter und George Hampson eine Exkursion in die Ronti-Gruppe südlich der Rishi Ganga-Schlucht ( Nanda Devi-Gebiet ) gemacht hätten . Nachträglich wird bekannt , dass dabei ( 1955 ) die Erstersteigung des Ronti ( 6064 m ) gelungen ist 11. Frauenexpeditionen scheinen Mode zu werden . Im Mai und Juni 1956 war die « Abinger Expedition » unter der Leitung von Mrs. Joyce Dunsheath im östlichen Kulu tätig . Es waren vier Mitglieder vom Ladies Alpine Club , London , die von Manali über den Hampta-Pass ins Chandra-Tal reisten , am Bara Shigri Glacier ihr Basislager aufschlugen und von dort aus sechs Gipfel zwischen 5800 und 6100 m erstiegen . Betreut wurden sie von dem sehr zuverlässigen alten Ang Tsering UJ ( « Pansy » , H.C. Nr. 51 ) und noch drei anderen Sherpas . 12. In das Chandra-Tal entwässert auch das im südlichen Lahul gelegene Kulti-Gletscherbecken , wo 1955 eine Expedition der Royal Air Force Mountaineering Association unter Leitung von Captain A.J.M.Smyth arbeitete ( s. « Die Alpen » 1956 , S.85 oben ) . Darüber ist kürzlich ein höchst interessanter Bericht von Squadron Leader L.W.Davies veröffentlicht worden ( « Alpine Journal » No . 293 , Nov . Ich bringe daraus - in Übersetzung - ein paar Ausschnitte : « ... wir gelangten zu drei grossen Fusstapfen an der Kante einer Schneeinsel inmitten des grossen Gletscherbaches zu unserer Rechten . Offenbar war hier ein Tier aus dem eisigen , rasch fliessenden Wasser auf die Insel hinaufgestiegen . Wir wollten den Fluss gern überschreiten , aber er war zu tief und schrecklich kalt . Darum sahen wir uns nun gut um , wo das Tier in das Wasser hineingegangen war . Bald war die Stelle gefunden : Von dort aus folgten wir der Spur rückwärts , also auf der steilen westlichen Talseite und in der Richtung , aus der das Tier gekommen war . wo es dafür zu steil wurde , war es auf seinem Hinterteil heruntergerutscht . Sorgfältige Prüfung zeigte , dass es bei dieser sitzenden Abfahrt die Hände benützt hatte , manchmal zum Bremsen , manchmal um nachzuhelfen . Der Abstand zwischen linken und rechten Handspuren war etwa drei Schritt . Nachdem wir die Grosse der Fusstapfen ausgemessen hatten , gingen wir flussaufwärts bis zu einer Schneebrücke und dann am jenseitigen Ufer wieder zurück bis zu der Stelle , wo wir die Fährte zuerst entdeckt hatten . Hier war das Wasser etwa 1 ½ m tief , die starke Strömung hatte den Uferrand unterhöhlt - trotzdem konnten wir keine Spur von Vorderpfoten oder Händen sehen . Was es auch war - dieses Wesen , das hier gegangen war , muss ausserordentlich gross gewesen sein , denn es war aus dem tiefen Wasser heraus einfach auf den Rand der Insel getreten . Wie seine Ladakhi-Kameraden hatte auch Nawa Ram früher über die Vorsichtsmassnahmen unserer Sherpas gegen die ,Yeti ' gespottet . Jetzt änderte sich diese Haltung gänzlich . ,Zarur Sahib , yeh balu nay hai ' , rief er aus . ( ,Das ist bestimmt kein Bär ! ' ) Gestern nachmittag hatte er mir bei meinen photographischen Arbeiten 300 Schritt talaufwärts geholfen . Wir konnten nun feststellen , dass unsere Fusstapfen sich seitdem nur um etwa 3 mm rund herum vergrössert hatten . Die Theorie , dass ,Yeti'-Spuren nur ( durch die Ausschmelzung ) vergrösserte Tapfen von Bärenpfoten sind , konnte also in diesem Falle ausgeschaltet werden . Obendrein hatten wir dieses Gebiet am vorhergehenden Tage etwa um 15.30 Uhr verlassen . Wir wussten , dass dieses Geschöpf seitdem , zwischen dem 11. Juni 1955 , nachmittags , und dem 12. Juni , frühmorgens , das Tal gequert hatte . Ein sorgfältiges Studium der Fusstapfen an der Kante der Insel zeigte deutlich , dass ,Es ' aus dem Fluss heraufgestiegen war , als der Schnee hart gefroren war , also in der Nacht oder am frühen Morgen . Auf meinen bisherigen sechs Himalaya-Fahrten habe ich oft schwarze und rote Bären und ihre Fährten gesehen , aber diese Fusstapfen hier im Kulti-Tal waren etwas ganz anderes . Jeder Fuss hatte fünf breite Zehen , und die grosse Zehe war besonders stark ausgebildet . Der Fuss-eindruck hatte eine Länge von gut 30 cm und eine Breite von 20 cm und war an manchen Stellen etwa 28 cm tief , wo ich selbst kaum 4 cm einsank . Dieses tiefe Einsinken in hartem Schnee beweist , dass das Tier sehr schwer sein muss . Stundenlang folgten wir den Spuren , was durch die vielen Schneeinseln und Gletscherbäche sehr erschwert wurde . ,Es ' hatte mindestens fünf dieser eisig kalten Flüsse durchschwömmen , und die Fährte wurde schliesslich auf dem felsigen Osthang des Tales unkenntlich . Nirgends hatte es sich auf allen Vieren bewegt . Der Abstand von einer Fusstapfe zur anderen war fast doppelt so gross wie meine eigene Schrittlänge . Schliesslich gaben wir die Jagd auf und kehrten zum Basislager zurück . Unsere Sherpas waren fest davon überzeugt , dass es sich um einen ,Yeti ' gehandelt hatte . Swami Pranavananda hat kürzlich einen interessanten Artikel geschrieben ( ,The abominable Snowman ' in ,The Alpine Journal ' , Nr. 292 , May 1956 , S. 110-117 ) in der offenbaren Absicht , der ,Yeti-Legende ' den Garaus zu machen . Leider kann er nicht den Anspruch erheben , jemals eine derartige Spur gesehen und untersucht zu haben . Er berichtet nur aus zweiter Hand , verschiedene Tibeter hätten bezeugt , dass Spuren , die anfänglich einem Yeti zugeschrieben wurden , sich dann als Fährten eines roten ( wir würden sagen : braunen ) Bären herausgestellt hätten . Das ist natürlich nur ein Scheinargument . Es ist doch sehr bedeutsam : Wann immer von einer neuen Art berichtet wurde - stets waren zahlreiche Sachverständige nur allzu bereit , feierlich zu bezeugen , dass so etwas nicht existieren könne . Genau vor hundert Jahren schoss Paul Belloni du Chaillu , der französisch-amerikanische Forscher , den ersten Gorilla , der von einem Weissen erlegt wurde . Mehr als 2000 Jahre lang hatte Europa den Gorilla für eine blosse Legende gehalten , etwa wie die Seeschlange oder den Drachen . Als Chaillu mit seiner Beschreibung dieses furchtbaren Affen nach Europa zurückkehrte , empfing ihn stürmisches Hohngelächter . Es dauerte noch so manches Jahr , bis Europa den Gorilla als Tatsache anerkannte . Ähnlich ging es später z. B. mit dem Riesen-Panda , dem Coelacanthus ( Quasten-flosser ) und dem Okapi , der Urwald-Giraffe . Spezialisten haben die Existenz dieser unbekannten Lebewesen lange hartnäckig bestritten . Skeptiker mögen fragen , warum Begegnungen mit dem ,Yeti ' gar so selten gewesen sind , und meist waren es nur Einheimische , die ihn zu Gesicht bekamen . Man könnte eine Gegenfrage stellen : Wie viele Menschen auf der kleinen , dicht bevölkerten Insel Grossbritannien ( oder in der Schweiz ! ) haben schon einen Dachs ( in freier Wildbahn ) gesehen ? In den weiten , unerforschten Gebieten des Himalaya hat die Fauna reichlich Gelegenheit , zu beobachten , ohne beobachtet zu werden . Dass die meisten Yeti-Berichte von Einheimischen stammen , liegt zweifellos daran , dass diese eben dort leben und mehr Möglichkeiten haben , einem Yeti zu begegnen , als die Handvoll Europäer , die mit bergsteigerischer Zielsetzung kommen , obendrein meist in der warmen Jahreszeit , wenn die Schneegrenze hoch liegt und wenn es viel Futter gibt . In dieser Hinsicht ist es sehr bemerkenswert , dass die Schneegrenze 1955 in Lahul ungewöhnlich weit herunter rückte . Wir mussten ja sogar unser ursprünglich vorgesehenes Forschungsgebiet , die Wasserscheide des Shigri Glacier , aufgeben und uns mit dem ( niedrigeren ) Kulti Himal begnügen . Wladimir Tschernezky , der vielleicht als erster den Begriff ,Yeti ' wissenschaftlich untersucht hat , Verglich dieses geheimnisvolle Lebewesen mit dem jetzt ausgestorbenen Gigantopithecus . Es sei vielleicht eher ein affenähnlicher Mensch als ein menschenähnlicher Affe . Die ängstliche Scheu , welche die Einheimischen , insbesondere die Sherpas , gegenüber dem Yeti empfinden , sei eine Folge seiner Raublust und seiner Intelligenz . Tschernezky bestätigte auch , dass unsere Kulti-Spuren eine sehr grosse Ähnlichkeit mit den früheren authentischen Berichten und Photographien aufwiesen ... » Soweit L.W.Davies , der mutige Fliegeroffizier , der den « Fluch der Lächerlichkeit » nicht gescheut hat . Zwei gute , lehrreiche Photos ergänzen noch seine gewichtigen Ausführungen . Ich persönlich bin nach wie vor der Ansicht , dass mit dem Schlachtruf « Bär ! » und mit ein paar spöttischen Bemerkungen das etwas unheimliche « Schneemenschen-Problem » nicht gelöst ist . Vgl. auch Ralph Izzard : The Abominable Snowman Adventure ( London : Hodder & Stoughton 1955 ) . 13. Aus dem Jahre 1955 ist auch die « Central-Lahul-Expedition » unter der Leitung von Hamish McArthur nachzutragen . Wie der Bericht ( « The Alpine Journal » , Nr. 293 , S. 279-295 ) zeigt , wurde nicht nur bergsteigerisch , sondern auch topographisch sorgfältig gearbeitet . Hervorragend gezeichnete Panoramen , hübsche Photos , eine sehr brauchbare Kammverlauf-Karte und eine Bibliographie von 55 Nummern tragen sehr wesentlich zur Kenntnis dieses bisher etwas stiefmütterlich behandelten Gebietes bei . Die Gipfelhöhen halten sich zwischen 5800 und 6300 m. Es sind also für Himalaya-Verhältnisse ziemlich bescheidene Berge , nicht überalpin , sondern bloss alpin , jedoch landschaftlich reizvoll und zum Teil noch wenig bekannt - ein gutes Arbeitsfeld für Klein-Expeditionen , die nicht viel Zeit und Geld zur Verfügung haben . 14. Dasselbe gilt für das benachbarte , geologisch besonders interessante , fossilreiche Spiti , wo 1955 die « Cambridge University Expedition » tätig war . Darüber berichtet Trevor Braham ( « The Alpine Journal » , Nr. 293,S . 296-309 ) . Das bergsteigerische Ergebnis bestand in zwei kleinen Sechstausendern und mehreren Passüberschreitungen . 15. Den Südostflügel des Karakorum bildet die Gruppe des Sasir Kangri ( 7672 m ) in der grossen Schlinge des Shayok-Flusses . Diesem schwer zugänglichen Massiv galt die erste Expedition des Ehepaares Visser-Hooft im Jahre 1922 . Nach einer langen Pause - 1946 - versuchte eine britische Expedition unter Führung von J. O. M. Roberts ihr Glück , hatte aber gleichfalls so wenig Erfolg , dass alle Karakorum-Kandidaten abgeschreckt wurden . Da der Sasir Kangri zum indischen Teil von Kaschmir gehört , war er für das « Himalayan Mountaineering Institute » in Darjiling von besonderem Interesse . Unter Leitung des bergerfahrenen Major N.D. Jayal wurde 1956 ein neuer Angriff vorbereitet , doch auch diesmal umsonst . jedenfalls wurde aber gemeldet , dass Jayal diesen Berg für hoffnungslos erklärt habe . Obwohl noch kein Achttausender , ist er bestimmt ein sehr harter Brocken . 16. Einer der kühnsten Gipfel des Karakorum ist der auf der Nordseite des Baltoro-Gletschers gelegene Mustagh-Turm ( 7273 m ) . Für die meisten , die das weltberühmte Bild von Vittorio Sella aus dem Jahre 1909 anstaunten , galt er fast als Symbol , als Verkörperung des Unmöglichen . Allerdings habe ich bereits 1939 in meinem « Baltoro » ( Basel : Benno Schwabe ) auf S.66/67 geschrieben : « Wenn man ihn vom oberen Baltoro her betrachtet , wirkt es beinahe vermessen , an eine Besteigung auch nur zu denken . Bei näherer Prüfung , auch in der Querrichtung , zeigt sich aber meines Erachtens doch eine Chance : Die Wände sind zwar hoffnungslos ; auch der Südostgrat , der den .Black Tooth ' trägt , ist nicht sehr vielversprechend . Aber der West- oder , genauer gesagt , WNW-Grat ist vielleicht möglich . Den Sattel am Fusse des Westgrates müsste man vom Chagaran-Gletscher zu erreichen suchen . » Genau auf dieser Route , die ich einst vorgeschlagen habe , wurde der Mustagh-Turm jetzt von einer britischen Expedition unter Leitung von J.Hartog erobert , und zwar sogar von zwei Seilschaften am 6. und 7. Juli 1956 . Die erfolgreichen Bergsteiger waren : Hartog , J. Brown , I. McNaught-Davis und Dr. Tom Patey . Vom letzten Lager ( 6400 m ) erreichten sie den Gipfel über den Westgrat ; beim Abstieg mussten beide Seilschaften biwakieren , was Hartog leider böse Erfrierungen kostete . 17. So unglaublich es klingt - nur wenige Tage später wurde der Mustagh-Turm neuerdings bezwungen , und zwar über den noch schwierigeren Südostgrat von einer französischen Expedition . Leiter war Guido Magnone , dessen Name mit der Westwand der Drus , dem Cerro Fitz Roy , dem Makalu und vielen anderen der grössten und schwersten Bergfahrten verknüpft ist . André Contamine , Paul Keller , Robert Paragot und als Arzt Dr. François Florence , als pakistanischer Verbindungsoffizier Cwpt.Ali Usman . Am 31. Mai war man in Askole , am 2. Juni hätte es in Bardumal ( « Bagdomal » ) fast eine Katastrophe gegeben , als eine mächtige Rufe das ganze Lager zu vernichten drohte , am 5. Juni war Urdokas erreicht . Hier wurde Magnone sich darüber klar , dass die britische Expedition - « eine der besten Bergsteiger-Mannschaften , die man auf die Beine stellen kann » - sich ebenfalls den Mustagh-Turm vorgenommen und schon einen grossen Vorsprung hatte . Seit zwei Wochen standen die Engländer , die über Mustagh- und Chagaran-Gletscher aufgestiegen waren , im Angriff auf den Westgrat , und sie waren schon hoch am Berg . Für die Franzosen eine heikle Situation : Der englischen Route zu folgen , kam nicht in Frage . Man wollte die britischen Kameraden keinesfalls stören , und überdies waren diese so weit voraus , dass sie wahrscheinlich sowieso als erste auf dem Gipfel sein würden . Sollten sich die Franzosen nicht lieber ein anderes bergsteigerisches Ziel am oberen Baltoro suchen ? Aber daraufwar man nicht vorbereitet , und die Träger hatten dafür auch nicht genügend Proviant . Schliesslich war man ja diesmal dazu ausgezogen , technisch schwierige Probleme zu prüfen . Also wurde beschlossen , sich die anderen Seiten des Turmes anzusehen , ob es vielleicht über den Nordgrat oder auf der Südseite eine mögliche Route gäbe . Schlechtes Wetter und ein dadurch ausgelöster Trägerstreik - wie viele Expeditionen haben schon mit den Baltis schweren Verdruss gehabt ! - kosteten ein paar Tage . Erst am 12. Juni konnte das Basislager bei etwa 4500 m errichtet werden , auf dem mittleren Younghusband-Gletscher ( auch Biange-Gletscher genannt ) , wo sich der östliche und der westliche Gletscherarm vereinigen , also am Fusse des Südostgrates des « Schwarzen Zahns » ( 6719 m ) . Nun begannen die Erkundungen : Die erste dreitägige Exkursion führte über den östlichen Gletscherarm zum tiefsten Punkt ( etwa 5600 m ) zwischen dem « Mount Steste » und dem Mustagh-Turm , also an den Fuss seines « Nordgrates » . Welche Enttäuschung ! Diesen Grat gibt es gar nicht , nur eine mindestens 1600 m hohe , furchtbar steile , von Eislawinen bestrichene Wand , der reinste Selbstmord . Also zurück zum Basislager . Am 17. Juni gelang es , durch den 900 m hohen Eisfall des Westgletschers , also auf der Südseite des « Black Tooth » , einen Durchstieg zu finden , und sofort wurde begonnen , 300 m Kabel durch die untere Séraczone zu spannen und eine Seilwinde auf einer Felsnase über dem Gletscher zu installieren , da ... schneite es zehn Tage lang . Das einzige , was man inzwischen machen konnte , war ein Besuch bei der « Konkurrenz » auf der anderen Seite des Berges , um die anfängliche Verstimmung durch eine offene Aussprache zu beheben . Das gelang , Engländer und Franzosen schieden als gute Kameraden . Endlich klarte es auf , mit allen Kräften ging man ans Werk , auch die Hunza-Träger taten ihr Bestes , und Ende Juni stand Lager 1 ( 5100 m ) , am 2. Juli Lager 2 ( 5400 m ) . Lager 3 ( 6000 m ) musste auf dem Felssporn erstellt werden , der vom « Black Tooth » herabzieht . Diese Strecke zwischen Camp 2 und 3 war ein böses Stück , rechts trotz 400 m fixer Seile etwa so schwer wie die Nordwand der Courtes , auf der linken Seite von Eislawinen bedroht . Das Allerschlimmste aber war die « Grande Barrière » oberhalb Lager 3 , eine senkrechte Felsstufe , der eine 200 m dicke Eisschicht auflag , und diese Wand sperrte den Zugang zum Berg in ganzer Breite . Das kostete wieder mehrtägige harte Arbeit und 300 m fixe Seile . sie standen oberhalb der Eiswand auf einem kleinen Hängegletscher . Dr. Florence , der bergtüchtige Expeditionsarzt , und die beiden besten Hunzas , Aminula und Gerikhan , die bis hier herauf mitgekommen waren und wacker geschleppt hatten , kehrten um , und zurück blieben nur die vier Bergsteiger der Gipfelmannschaft . In brütender Hitze stampften sie mit langsamen Bewegungen den tiefen Schnee fest , den Platz für Lager 4 ( 6300 m ) . Über ihnen erhob sich der Turm noch rund tausend Meter hoch in einer Steilheit , die auch den grössten Optimisten bedenklich stimmen konnte . Die einzige Route , die praktisch in Frage kam , war der Südostgrat . Am 7. Juli entdeckte Robert Paragot plötzlich zwei dunkle Pünktchen , die sich dort oben gegen den Himmel abzeichneten : die britische Expedition betrat den Gipfel . Doch die Franzosen hatten ja damit gerechnet und liessen sich dadurch gar nicht anfechten . Vorwärts ! Die Kante des Südostgrates zu erreichen , war ungewöhnlich schwierig . Die ersten beiden Seillängen über dem Bergschrund - noch am 7. Juli - hatten Stunden gekostet , 250 Höhenmeter erforderten zwei Tage . Sechs Stunden Steigeisenarbeit an der Grenze des Gleichgewichts , verglaste steile Platten , die nur mit Hakentechnik zu bewältigen waren , endlich konnten sie in einer Scharte auf den Grat aussteigen . Es war sicher eine der härtesten Klettereien , die bisher im Himalaya und in dieser Höhe gemacht worden sind . Mittags verschwand die Sonne hinter dichten Wolken . Auf dem Grat folgte eine tiefe Scharte der anderen , es ging so langsam vorwärts , dass sie um 16 Uhr erst hundert Meter in der Hori- zontale geschafft hatten , nun fing es auch noch an zu schneien , also ... zurück nach Lager 4 ! Alles , was ihnen noch von Seilen geblieben war , wurde beim Abstieg in der Wand fixiert . Zwei Tage mussten sie nun im Zelt abwarten . Erst am Abend des 10. Juli klarte es auf , und am 11. Juli , morgens , traten sie zum Angriff an . Dank den Seilen ging es bis zur Gratscharte sehr flott , doch als sie neu spuren mussten , sanken sie bis zum halben Oberschenkel ein . Senkrechte Türme sperrten den Weg . Links steile , vereiste Platten , rechts fauler Schnee und Wächten über dem Younghusband-Gletscher . Um 16 Uhr standen sie am Fusse des dritten und letzten grossen Turmes , und hinter ihm erschien - scheinbar zum Greifen nahe - der Gipfel , aber in Wahrheit hatten sie die 6900-m-Linie noch nicht überschritten . Es wurde Zeit , einen Biwakplatz herzurichten , zwei schmale Bänder , die Hakensicherung erforderten . Die Aussicht vom K2 über Broad Peak , Gasherbrum-Gruppe und Hidden Peak bis zum trotzigen Masherbrum gegenüber war unvergleichlich , aber es wurde eine grimmig kalte , bitterböse Nacht . Der 12. Juli - es wird hell , Federwolken kriechen über den Himmel , Eile tut not . Endlich , um 13 Uhr ... der Gipfel , so scharf , dass man darauf kaum stehen kann , und nach ein paar Augenblicken wird der Abstieg angetreten , denn seit einer halben Stunde schneit es bereits ! Es geht hinunter , im Wettlauf mit der Nacht , doch umsonst : Als sie in der Scharte sind , ist es schon vollständig dunkel . Sie seilen sich 50 m ab und gelangen zu den fixen Seilen . Nun sind sie unter dem Bergschrund , wo Florence sie tief bewegt erwartet . Endlich . . Lager 4 ! Als sie am 19. Juli auf den Baltoro-Gletscher kamen , wurden sie von Dr. Patey , dem Arzt der englischen Expedition , begrüsst , der die Hilfe seines französischen Kollegen bei der Behandlung von Hartog erbat . Die Frostschäden an den Füssen des britischen Expeditionsleiters waren leider schwer , die Engländer warteten schon seit einigen Tagen in Urdokas . An diesem herrlichen Platz , der schon für so viele Baltoro-Unternehmungen eine grosse Rolle gespielt hat , sassen nun die Teilnehmer der beiden « Konkurrenz»-Expeditionen in aller Freundschaft bei einem festlichen Mahl zusammen und freuten sich des doppelten Erfolges über einen der schönsten und schwierigsten Himalaya-Berge . La Tour de Mustagh . « La Montagne » , oct. 1956 , p.261-270 . 18. Bereits in meinem Buch « Baltoro » 1939 hatte ich einen Besteigungsversuch des Gasherbrum II ( 8035 m ) warm empfohlen . Im « Dritten Pol » 1952 wiederholte ich : « Der Gasherbrum II ist nicht leicht , aber wahrscheinlich möglich und relativ sicher . Hätte ich auf der I.H.E. 1934 gute Hochträger gehabt ; dann hätte ich es ernsthaft versucht . » Das nahm sich die « Österreichische Himalaya-Gesellschaft » in Wien zu Herzen und bereitete für 1956 eine Baltoro-Expedition mit diesem Hauptziel vor . Die Mannschaft setzte sich aus sechs Bergsteigern und zwei Wissenschaftlern zusammen : Fritz Morawec als Leiter , Sepp Lerch , Hans Ratay ( Photograph ) , Richard Reinagl , Heinrich Roiss und Hans Willenpart , Dr. Georg Weiler als Arzt , Dr. Erich Traugott Gattinger als Geologe . Auf Grund der Erfahrungen in einem Trainingslager entschied man sich für Reform-Ernährung , was das Gewicht des Expeditionsgepäcks nicht unerheblich verringerte . Die Aufnahme in Pakistan war sehr freundlich , doch trotz aller Hilfsbereitschaft der Behörden mussten die Österreicher in Rawalpindi neun Tage warten , bis das Wetter ihren Flug mit dem ge^ samten Gepäck nach Skardu gestattete ; denn dieser landschaftlich einzigartige Flug dicht am Nanga Parbat vorbei und durch das enge Industal gilt als eine der gefährlichsten Luftrouten überhaupt und kann nur bei tadelloser Sicht gewagt werden . So wurde Skardu , die Hauptstadt von Baltistan , erst am 27. April erreicht . Auf Verlangen des Verbindungsoffiziers Captain Quain Ali Shah wurden die zu schweren Traglasten auf je 27 kg umgepackt . Die Trägerlöhne sind auch in Pakistan stark erhöht worden : Im besiedelten Gebiet bekommt ein « Talträger » 3 Rupies ( Fr. 2.70 ) pro Tag und muss sich davon selbst beköstigen . Oberhalb Askole ( 3050 m ) steigt der Tagessatz auf 4 Rupies ( Fr. 3.60 ) , und die Verpflegung geht zu Lasten der Expedition . Die Österreicher brauchten von Skardu bis Askole 168 Kulis , von dort an wegen des zusätzlichen Proviants 263 Mann . In Paiju , der letzten Oase vor dem Baltoro-Gletscher , verlangten die Träger die ihnen laut Reglement zustehenden Schuhe . Man hatte 250 Paar mitgebracht , aber leider die normale , d. h. zu schmale europäische Form . Ich habe schon oft darauf hingewiesen , dass man für Himalaya-Träger hauptsächlich die Nummern 42-44 ( nur einige wenige Nummern 41 und 45 ) braucht , aber extra breit ! Das wird leider immer wieder vergessen , was zu grossen Unannehmlichkeiten führt . Das Oberleder ( die Steifkappe ) musste aufgeschlitzt werden , damit die armen Kerle ihre gutgeformten ( nicht durch europäisches Schuhwerk deformierten ! ) breiten Füsse überhaupt hineinzwängen konnten . Natürlich gab es nun zahlreiche Fusskranke , und der Expeditionsarzt hatte stundenlang Wundstellen , Blut- und Wasserblasen zu verbinden . In Urdokas ( 4057 m ) gab es den üblichen Streik , von dem wohl noch keine Baltoro-Expedition verschont geblieben ist , aber durch das energische Eingreifen des Verbindungsoffiziers kam die Sache bald wieder in Ordnung . Immerhin mussten 68 Lasten unter der Aufsicht des zweiten pakistanischen Begleiters , des Studenten Hayat Ali Shah , zunächst in Urdokas zurückbleiben . Das Gros rückte in drei Tagemärschen bis auf den berühmten Concordia-Platz vor , geriet dort aber in einen Schneesturm . Nun waren die meisten « Talträger » nicht mehr zu halten und kehrten in ihre Heimatdörfer zurück . Nur 68 Mann erklärten sich nach langen Verhandlungen bereit , wenigstens das Gepäck vom Depot Urdokas nach Concordia zu schaffen . Inzwischen pendelten die Österreicher mit elf Balti-Hochträgern ( « Balti-Tiger » ) ihre Lasten weiter nach dem Platz , wo meine « I. H. E. » ( Internationale Himalaya-Expedition ) 1934 ihr Hauptlager ( Camp 4 ) gehabt hatte , also am Südfuss des Gasherbrum VI ( 7190 m ) , an der Talecke , wo der « Abruzzi Glacier » zum eigentlichen Baltoro wird . Für die Österreicher war es nur ein Zwischenlager , weil sie ihr Standlager ja beim Einfluss des « Südlichen Gasherbrum-Gletschers » in den « Abruzzi-Gletscher » errichten mussten , etwa dort , wo 1934 das Lager 5a ( 5250 m ) der I.H.E , auf der Moräne gestanden hatte . Am 25. Mai trafen die ersten Bergsteiger und Träger dort ein . Nach einer zehntägigen Akklimatisierungsperiode wurde ein Weg durch den sehr zerrissenen « Südlichen Gasherbrum-Gletscher »zum Fusse des Gasherbrum II erkundet . Aus dem oberen Gletscherbecken ziehen zwei Gratrippen durch den Steilwandgürtel zur grossen Firnterrasse des Gasherbrum II hinauf . Die Österreicher entschieden sich jedoch für den wahrscheinlich etwas leichteren Südwestsporn und erstellten an seinem Fusse bei etwa 6000 m ihr Hochlager I. Am 11. Juni wurden die ersten Lasten hingeschafft , am 13. , 15. und 17. Juni war der Pendelverkehr im vollen Gange . Dann aber hielt eine zehntägige Schlechtwetterperiode mit starken Schneefällen die Bergsteiger im Hauptlager fest . Erst am 30. Juni konnten sie wieder zum Hochlager I aufsteigen und sahen zu ihrer grössten Bestürzung , dass inzwischen eine riesige Lawine fast alle dort deponierten Lasten verschüttet hatte . Sie hatten den Platz für völlig lawinensicher gehalten : ebener Gletscherboden - und die Hänge darüber waren terrassiert . Aber die grossen Himalaya-Lawinen laufen eben weite Strecken auch über ebenen Grund . Es sei hier bloss an die Lawinenkatastrophe 1937 am Nanga Parbat erinnert , die 16 Opfer gefordert hatte . Diesmal hatte es glücklicherweise - weil das Lager nicht besetzt war -keine Menschenleben gekostet , aber ein grosser Teil der wichtigsten Ausrüstung und Verpflegung lag fünf bis zehn Meter tief unter Lawinenschnee . Zwei Tage lang wurden Gräben gezogen und Schächte ausgehoben , um wenigstens etwas von den unersetzlichen Zelten , Seilen , « Schlosserei » , Proviant usw. zu bergen , aber alle Mühe war umsonst . Was nun ? Wenn man sich nicht geschlagen geben wollte , musste man das ganze Programm umstellen und das Risiko eines Blitzangriffes auf sich nehmen : Ratay und Roiss machten am 2. Juli den Eisgrat zwischen Lager I ( 6000 m ) und Lager II ( 6700 m ) gangbar , wobei viel Stufenarbeit zu leisten war und fixe Seile angebracht werden mussten . Am 3. Juli kamen Larch und Reinagl nach Lager II und legten am 4. Juli eine Spur über Eiswülste bis zu einer Gratschulter , dem Platz für Lager III ( 7150 m ) . Dieser Aufstieg war für die vier Hochträger , die am 6. Juli hier eingesetzt wurden , eine harte Arbeit , aber die Balti-Tiger hielten sich sehr tapfer und beförderten - von ihren Sahibs gut gesichert - ihre schweren Lasten bis auf die Gratschulter . Allerdings waren sie dann stark abgekämpft . Die nun folgende Eisflanke war sehr steil und hatte eine Auflage von Pulverschnee . Um auch hier die Träger verwenden zu können , hätte der Hang in vieltägiger Arbeit sorgfältig hergerichtet werden müssen , und dafür reichte die Zeit keinesfalls aus . Also mussten die Bergsteiger von hier ab ihre Lasten selbst tragen , was bedeutete , auf das ursprünglich vorgesehene Lager IV zu verzichten und von einem Hochbiwak aus den Gipfelsturm zu wagen . Am 6. Juli , nachmittags , sicherte Reinagl die Träger hinunter , während Moravec , der Expeditionsleiter , Larch und Willenpart sich mit schweren Rucksäcken aufwärtsarbeiteten . Die Neuschneedecke auf Eis machte jede Sicherung illusorisch ; darum gingen sie seilfrei , um sich nicht gegenseitig zu gefährden . Um 20.30 Uhr waren sie bei etwa 7500 m am Fuss der Gipfelpyramide und richteten sich unter einem Felsblock für die Nacht ein . Jeder kroch in seinen leichten Dralon-Schlafsack ; ausserdem hatten sie noch einen gemeinsamen Biwaksack . Es wurde eine grimmig kalte Nacht , so dass es zu leichten Erfrierungen kam , Larch an den Zehen , Moravec an den Daumen . Heisse Milch und etwas Weizenkeimbrot mussten als Verpflegung für den ganzen Tag ausreichen . Eine ansteigende Querung unter der Südostwand des Gasherbrum II machte viel Mühe . Erst kurz vor 9 Uhr gelangten sie zu einer kleinen Scharte ( etwa 7700 m ) im Ostgrat . Es ist der Hauptkamm zwischen Baltoro und Shaksgam , also die Wasserscheide zwischen Indus und Tarim , zwischen dem Indischen Ozean und dem abflusslosen Innerasien . Noch 335 Höhenmeter bis zum Gipfel . In der sehr steilen Firnwand war der Schnee von den Strahlen der Morgensonne bereits aufgeweicht , das Spuren eine furchtbare Strapaze . Alle paar Schritte mussten sie rasten und nach Luft ringen . Nur mit äusserstem Willenseinsatz kämpften sie sich aufwärts , Meter um Meter . Das letzte Hindernis war eine Felsstufe und - am 7. Juli um 13.30 Uhr betraten sie den Gipfel des Gasherbrum II ( 8035 m ) , ein kleines Firnplateau , das von zwei kaum mannshohen Felszacken gekrönt ist . Erschöpft sanken sie in den Schnee . Erst nach einiger Zeit waren sie imstande , die unerlässlichen « Kulthandlungen » auszuführen : Eispickel mit dem österreichischen und dem pakistanischen Wimpel , Bau eines Steinmanns , Ersteigungsdaten in einer leeren Filmdose , Muttergottes-Medaillon usw. Es war so warm , dass sie sogar die Anoraks ausziehen konnten und eine Stunde auf dem Gipfel blieben . Das Wetter war strahlend schön , die Aussicht klar bis in die weitesten Fernen . Der Abstieg verlief glatt , und obwohl es abends wieder zu schneien begann , waren sie um 19.30 Uhr in Lager III ( 7150 m ) . Am nächsten Tage , in Lager II , wurden sie von den Hochträgern begeistert begrüsst und stürmisch gefeiert . Es ist sehr erfreulich , dass es jetzt - ausser den berühmten Sherpas und den zum Teil recht guten Hunzas - auch unter den Baltis Männer gibt , die sich zu echten Bergsteigern entwickeln und « Tiger » zu werden versprechen . Der Gasherbrum II ist der dritte Achttausender , den die Österreicher für sich buchen können : Nanga Parbat , Cho Oyu , Gasherbrum . Dieser bewunderungswürdige Erfolg tröstet die « österreichische Himalaya-Gesellschaft » in Wien hoffentlich über eine etwas bittere Enttäuschung hinweg : Zwölf Tage nach der Bezwingung des Gasherbrum n , also am 19. Juli 1956 , machten drei Teilnehmer der « österreichischen Himalaya-Karakorum-Expedition 1956 » - Hans Ratay , Heinrich Roiss und Dr. Georg Weiler - die zweite Ersteigung des Sia-Kangri-Westgipfels ( ca.7315 m ) . Die Erstersteigung war am 3. August 1934 vier Mitgliedern der « Internationalen Himalaya-Expedition 1934 » gelungen - Hans Erti , Albert Höcht , Frau Hettie Dyhrenfurth und G.O.Dyhrenfurth . Es war die bekannte , in zwei Büchern beschriebene ( siehe unten ) und in der alpinen Literatur oft besprochene Bergfahrt , auf der ein « bergsteigerischer Höhenweltrekord für das weibliche Geschlecht » aufgestellt wurde . Ich würde unseren Nachfolgern - nach 22 Jahren - gern herzlich zu ihrem Erfolg gratulieren , aber ... sie haben leider geglaubt , die Erstersteigung eines noch ganz unbekannten und 7729 m hohen Berges gemacht zu haben , sie haben diesen Gipfel « Austria-Peak » getauft und in der « österreichischen Touristenzeitung » vom Januar 1957 auch sonst allerlei Irrtümer publiziert , deren sachliche Berichtigung unvermeidlich ist : ( 1 ) Wie ist die merkwürdig genau klingende Höhenzahl 7729 m zustande gekommen ? Durch eine ( übrigens nicht ganz korrekte ) Umrechnung von 25 350 ft . Die Kote , die seit 1917 auf allen Karakorum-Karten steht , ist aber 24 350 ft . = 7422 m , und das ist eben die amtliche Höhenzahl des « Queen Mary Peak » , der seit 1938 offiziell Sia Kangri heisst . ( 2 ) Die Kote 7422 m geht auf die trigonometrische Vermessung durch den Topographen C. Grant Peterkin ( Bullock-Workman-Expedition 1912 ) zurück und bezieht sich wahrscheinlich auf den Hauptgipfel des viergipfligen Sia-Kangri-Massivs . Die « I.H.E. 1934 » hat sicherheitshalber alle vier Gipfel erstiegen . Der Westgipfel ist gut 100 m niedriger als der Hauptgipfel , also ca. 7315 m. Das ist der Punkt , den die Österreicher bei ihrer Zweitbesteigung erreicht haben . ( 3 ) Ein seit Jahrzehnten bekannter , bestiegener und von der « Karakoram Conference » offiziell Sia Kangri benannter Berg darf natürlich nicht plötzlich ohne jeden Grund umgetauft werden . Der Name « Austria-Peak » ist also schleunigst wieder einzuziehen - auch wenn Staatspräsident Iskander Mirza auf Grund ganz irriger Voraussetzungen diese Taufe genehmigt hat ( 4 ) Der breite Sattel zwischen Baltoro Kangri ( früher « Golden Throne » , 7312 m ) und Sia Kangri ist der seit einem halben Jahrhundert wohlbekannte Conway Saddle ( 6300 m ) , der von der italienischen Karakorum-Expedition ( Herzog von Spoleto , Prof. Desio ) 1929 wiederholt besucht und vermessen worden ist Die « I.H.E. 1934 » hatte im Conway-Sattel sogar wochenlang ihr oberes Standlager , und sie hat ja von dort aus alle Gipfel des Sia Kangri und den Südostgipfel des Baltoro Kangri erstiegen . Es wirkt geradezu komisch , wenn nun 1956 drei Touristen , die von all dem gar keine Ahnung haben , kurzerhand behaupten , als erste diesen Pass betreten zu haben . Die Neutaufe « Vierma-Sattel » ist natürlich völlig indiskutabel ! Übrigens liegt der Conway-Sattel nicht zwischen Baltoro und Siachen , sondern zwischen Baltoro und Kondus-Gletscher . Das ist der Eisstrom , auf den man von der Passhöhe hinunterblickt . Der Siachen-Gletscher liegt weiter östlich , wie jede Karakorum-Karte zeigt . Neu ist nur , dass die Österreicher nicht die von der « I.H.E. 1934 » wiederholt begangene und relativ sichere « Mittelrippe » benützt haben , sondern anscheinend links von unserer Route durch die steile Flanke und über mehrere Eiswülste aufgestiegen sind , also eine neue , gefährliche Variante auf den Sia-Kangri-Westgipfel gemacht haben . Bei aller Anerkennung dieser technischen Leistung bleibt die vollständige Unkenntnis der einschlägigen Literatur erstaunlich . Literatur : G.O.Dyhrenfurth : Benno Schwabe 1935 ) . - G.O.Dyhrenfurth : - Heinrich Roiss : « Erste Besteigung des Austria-Peak ( 7729 m ) » ( Österr. Touristenzeitung , 70. Jahrgang , Folge 1 , Wien , im Jänner 1957 ) . 19. Der Rakaposhi ( = « Drachenschwanz » ) ( 7788 m ) liegt unweit Gilgit , das einen Flugplatz hat Dieser günstigen Verkehrslage ist es zuzuschreiben , dass der prachtvolle Berg an der Grenze des Hunzalandes schon so oft bestürmt wurde , wie wohl kein anderer Siebentausender , aber bisher immer vergeblich . 1956 versuchte es eine englisch-amerikanische Vier-Mann-Expedition unter Leitung von Capt . M.E.B.Banks von neuem , gelangte aber nur bis etwa 7000 m. Der Rakaposhi ist nicht leicht , und das Wetter scheint ganz besonders schlecht gewesen zu sein . 20. Der Mustagh Ata ( = « Eisberg-Vater » ) ( 7433 m ) ist eine technisch unschwierige Kuppel im chinesischen Teile des Pamir-Plateaus . Nach den vergeblichen Versuchen von Sven Hedin - der ja kein Bergsteiger war - im Jahre 1894 Hess man diesen « billigen » Siebentausender merkwürdig lange in Ruhe . Erst 1947 wandten sich E.E.Shipton und H.W.Tilman diesem Berge zu und gelangten auf die Gipfel-Kalotte , aber nicht bis auf den - horizontal noch ziemlich weit entfernten -höchsten Punkt . Das wurde am 26. Juli 1956 von einer grossen chinesisch-sowjetischen Expedition unter Führung von M.Beletzky nachgeholt Es waren fünf Lager errichtet worden , das oberste bei etwa 7200 m. 21. Nördlich des Mustagh Ata , ebenfalls am Ostrande des Pamir-Plateaus , liegt der Kongur Debe ( 7681 m ) , weit und breit der höchste Berg , ein imposantes , stark vergletschertes Massiv von Himalaya-Charakter , augenscheinlich sehr viel schwerer als sein gutmütiger Nachbar . Am 19. August 1956 wurde er von sechs russischen und zwei chinesischen Bergsteigern bezwungen , wobei die modernen technischen Hilfsmittel - auch Sauerstoff - zur Anwendung gelangten . Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt geworden . 22. Nachdem wir den Bereich des Himalaya und Karakorum sowieso schon verlassen haben , werfen wir noch einen Blick auf die höchsten Berge in der Sowjetunion : Pik Lenin ( früher Pik Kaufmann ) , 7134 m , im Transalai , Erstersteigung 1928 durch E. Allwein , E.Schneider und K.Wien , seitdem wiederholt von sowjetischen Bergsteigern besucht , technisch unschwierig . Khan Tengri ( = « Fürst der Geister » ) , 6995 m , nach der Neuvermessung also kein Siebentausender mehr , im Tien-Schan ( = « Himmelsgebirge » ) . Erstersteigung 1931 durch M.T.Pogre-bezki , F. Sauberer und B.Tjurin , seitdem wiederholt bestiegen , so 1936 von Lorenz Saladin . Pik Stalin ( früher Garmo ) , 7495 m , im Alai-Pamir . Erstersteigung 1933 durch B.M . Pik Korzhenewskaya , 7105 m , im Alai-Pamir , 15 km vom Pik Stalin entfernt , schwer zugänglich , erst 1953 bestiegen . Der Kulminationspunkt des Tien-Schan und anscheinend der zweithöchste Berg der Sowjetunion ist Pik Pobeda ( = « Siegesspitze » ) , 7439 m , erst 1943 entdeckt und vermessen . Dieser für uns westliche Menschen etwas geheimnisvolle Berg ist noch unbezwungen ; die bisherigen Angriffsversuche haben nur bis zu einer Höhe von etwa 7000 m geführt . Beletsky : Mountaineeringintheü.S.S.R.«The Alpine Journal » , N° 293 ( Nov . 1956 ) , p.310-329 . Überblicken wir noch einmal den derzeitigen « Achttausender-Status » . Bisher wurden erstiegen : 1. 1950 : Annapurna I , 8078 m , Expeditionsleiter M.Herzog , Gipfelmannschaft M. Herzog und L.Lachenal . 2. 1953 : Mount Everest , 8848 m , Leiter J.Hunt , Gipfelmannschaft E.P.Hillary und Tensing Norkay . 3. Nanga Parbat , 8125 m , Leiter K. Herrligkoffer , Gipfel H.Buhl im Alleingang . 4. 1954 : K2 , 8611 m , Leiter A.Desio , Gipfelmannschaft A.Compagnoni und L.Lacedelli . 5. Cho Oyu , 8189 m ( ? ) , Leiter H.Tichy , Gipfelmannschaft H.Tichy , S. Jöchler und Pasang Dawa Lama . 6. 1955 : Makalu , 8481 m , Leiter J. Franco , Gipfelmannschaften L.Terray-J.Couzy , J.Franco- G. Magnone-Gyalzen Norbu , J.Bouvier-S.Coupé-P.Leroux-A . Vialatte . 7. Kangchendzönga , ca. 8597 m , Leiter Ch . Evans , Gipfelmannschaften G. Band-J . Brown , N. Hardie-T . Streather . 8. 1956 : Lhotse , ca.8510 , Leiter A.Eggler , Gipfelmannschaft E. Reiss-F . Luchsinger , ferner Mount Everest , Gipfelmannschaften J. Marmet-E . Schmied , H.von Gunten-A . Reist . 9. Manaslu , 8125 m , Leiter Y. Maki , Gipfelmannschaften Imanishi-Gyalzen , Kato-Higeta . 10. Gasherbrian II , 8035 m , Leiter F.Morawec , Gipfelmannschaft S.Larch-F.Morawec- H.Wfflenpart . « Da waren's nur noch vier » unbestiegene Achttausender , nämlich Dhaulagiri ( 8222 m ) in Nepal , Shisha Pangma oder Gosainthan ( 8013 m ) in Tibet , Hidden Peak ( 8068 m ) und BroadPeak ( 8047 m ) im pakistanischen Karakorum ( Baltoro-Gebiet ) . Shisha Pangma steht hinter dem « Eisernen Vorhang » und dürfte also noch einige Zeit unberührt bleiben , aber auf die anderen drei hat schon längst ein gewaltiger Ansturm im politischen Bereich eingesetzt - es geht um die Bewilligung für 1957 , schlimmstenfalls für 1958 . Ich wünsche von Herzen , dass dieser « Ausverkauf der Achttausender » baldigst abgeschlossen sein möge , damit nationaler und persönlicher Ehrgeiz allmählich abklingen , zum Wohle echten Bergsteigertums und ruhiger wissenschaftlicher Arbeit ! « Ein garstig Lied ! » Die neuen Vorschriften der Regierung Nepals für ausländische Expeditionen - frisch aus Kathmandu gekommen und genau übersetzt - besagen : 1. Die Expeditionen haben einen nepalischen Verbindungsoffizier mitzunehmen , der ihnen von der Regierung von Nepal zugeteilt wird . 2. Dem Verbindungsoffizier sind von der Expedition monatlich 200.- indische Rupies ( = 180.-SFr. ) zu zahlen . Ausserdem ist er voll zu verpflegen und mit Schlafsäcken und allen anderen notwendigen Ausrüstungsgegenständen während der Expeditionsdauer zu versehen . 3. Die Expedition hat alle Reisekosten des Verbindungsoffiziers von und nach Kathmandu zu tragen . 4. Die Expedition hat ihre Tätigkeit ausschliesslich auf den Berg oder die Gegend zu beschränken , für die sie die Genehmigung von der Regierung von Nepal erhalten hat . 5. Die Regierung kann diese Bewilligung jederzeit widerrufen , wenn sie glaubt , dass das Benehmen oder die Tätigkeit der Expedition unerwünscht sind . 6. Nach ihrer Rückkehr hat die Expedition der Regierung von Nepal einen genauen Expeditionsbericht vorzulegen . 7. Die Expedition hat im voraus einen genauen Plan zu unterbreiten , welche Route innerhalb von Nepal begangen werden soll . An diese festgelegte Route hat sie sich beim Anmarsch und bei der Abreise strikt zu halten . 8. Die Mitnahme von Sendegeräten , Waffen , Munition und anderen Explosivstoffen ist verboten , es sei denn , dass die Regierung von Nepal für einen besonderen Zweck eine Spezial-Lizenz erteilt . 9. Die Expedition soll nichts tun oder zulassen , was die religiösen Gefühle und die moralischen und sozialen Bräuche der einheimischen Bevölkerung verletzen könnte . 10. Bei einem Unfall hat die Expedition dem Verletzten oder der Familie des Verstorbenen Schadenersatz zu leisten , je nachdem wie die Verhältnisse liegen . Die Einführung einer Lebensversicherung ist in Vorbereitung . Inzwischen diene als Norm , dass für einen Verbindungsoffizier 5000.- , für einen Träger 2000.- nepalische Rupies zu zahlen sind . 11. Alles , was im Verlaufe der Expedition gesammelt wurde , ist der Regierung von Nepal vorzulegen , bevor es gestattet wird , von Nepal abzureisen . Kopien aller photographischen Aufnahmen der Expedition sind der Regierung zu unterbreiten , bevor irgend etwas publiziert werden darf . 12. Für die Genehmigung , eine Expedition zu unternehmen , ist an die Regierung eine Abgabe von 500.- bis 3000.- indischen Rupies ( also bis 2700.- SFr. ) zu entrichten . 13. Die Nachrichten über die Tätigkeit der Expedition ( z.B. Erfolge , Fehlschläge , Unfälle usw. ) dürfen nicht dem Urheberrecht ( Copyright ) unterstellt sein . Nur persönliche Berichte sind frei . 14. Alle Gesuche , im nepalischen Himalaya eine Expedition machen zu dürfen , sind von der Regierung des Antragstellers zu bestätigen und der Regierung von Nepal zur Prüfung vorzulegen . Diese neuen Bestimmungen sind bereits in Kraft getreten . Es wurde sogar gemeldet , dass eine Zone von 50 Meilen ( gut 76 km ) Tiefe längs der nepalisch-tibetischen Grenze auf der nepalischen Seite gesperrt werden solle . Diese « verbotene Zone » würde fast das gesamte nepalische Hochgebirge umfassen und damit praktisch jede von Nepal ausgehende Himalaya-Expedition sinnlos machen . Diese alarmierende Nachricht ist jedoch noch nicht bestätigt und wahrscheinlich nicht ganz zutreffend , denn die Regierung von Nepal ist an der « Fremden-Industrie » interessiert und weiss sehr genau , dass jede Himalaya-Expedition eine Masse Geld und Sachwerte ins Land bringt . Immerhin sind auch die vorstehenden neuen Bedingungen , die schon mehrfach beglaubigt wurden , sehr einschneidend . Insbesondere § 11 und § 13 dürften sich als ein schwerer Hemmschuh erweisen . Soll der verantwortliche Expeditionsleiter vielleicht Tausende von photographischen Aufnahmen ( schwarzweiss und farbig ) und zahlreiche Filmrollen ( Bild und Ton ) in Kathmandu entwickeln , kopieren und von den Behörden zensurieren lassen , bis seine Ausreise aus Nepal gnädigst gestattet wird ? Es ist nicht jedermanns Sache , einen tatsächlich unerfüllbaren Knebelvertrag zu unterschreiben . « Allzu straff gespannt , zerspringt der Bogen . » Nach der Erstersteigung des Dhaulagiri , des letzten nepalischen Achttausenders , wird der Karakorum-Himalaya stark in den Vordergrund rücken , und die pakistanische Regierung - von rotchinesischen und auch von indischen Wünschen nicht abhängig - hat so mancher Expedition in den letzten Jahren Verständnis und Hilfsbereitschaft gezeigt .