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2021-05-17 23:44:19 +08:00

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Plaintext

jngspitz-Nordostwand direkt
Michel Piola , Vernier
Die ca. 600 m hohe Nordostwand des Kingspitz ( Engelhörner , BO )
Dring ... dring ...
Dring ... dring ...
los , auf !
Da ich dieses Massiv in den Berner Alpen noch nicht kenne , kann ich mir nur ausmalen , was es wohl mit dieser fast 600 Meter hohen Kalkwand auf sich hat , die in einer Region liegt , in der es nur wenig Wände von dieser Art und Ausdehnung gibt ( natürlich abgesehen von der 1650 Meter hohen Eigernordwand ) .
Und wie wird die Qualität des Gesteins sein ?
Die von M.Lüthy , H.Haidegger und H.Steuri 1938 eröffnete klassische Route der Nordostwand geniesst einen besonderen Ruf :
Im Führer ist von einem im ganzen guten Fels die Rede , dann wird aber präzisiert , dass es sich um eine dolomitenähnliche Wand handelt und darum gewisse Vorsichtsmassnahmen nötig sind , vor allem , wenn sich andere Seilschaften in der Route befinden .
Das Rennen gegen die Uhr hat begonnen !
Schon Bern .
In dieser Menge , zwischen einer nach billigem Parfum duftenden Sekretärin und zwei sehr ( zu ? ) dynamischen Kaderleuten , kann ich nicht anders , als mit meinem Rucksack in der von der Menge bestimmten Richtung zu treiben und dabei zu hoffen , das Gedränge möge ein wenig nachlassen und mir eine Chance geben , zu entwischen und Daniel zu treffen - aber wo eigentlich ?
Es ist wirklich Daniel !
Wir steigen in seinen kleinen Wagen , um den Ausgangspunkt unserer Unternehmung zu erreichen , den Parkplatz oberhalb Rosenlaui , kurz hinter Meiringen .
Wir entscheiden uns für diese zweite Lösung , einerseits aus finanziellen Gründen , dann aber auch , weil wir meinen , es sei heutzutage wichtig , Kletterer zu grösserer Verantwortung im Gebirge zu veranlassen .
Mancher wird sich wundern , dass wir nach dem Gesagten nicht weniger als 58 Bohrhaken in der Route beliessen .
Ganz besondere Aufmerksamkeit muss in dieser Hinsicht dem Problem eines Sturzes auf den Boden und des möglichen Anpralls gegen eine Besonderheit im Gelände ( z. B. gegen eine Ver-schneidungswand oder von einem Überhang auf eine geneigte Platte ) gewidmet werden .
Ende des ersten Aktes Über die Kletterei selbst ist eigentlich wenig zu sagen , ausser dass wir am Anfang des Nachmittags die Besteigung des Sockels der klassischen Route von 1938 bis zum Beginn des ersten steilen Aufschwungs ( etwa 100 Meter über dem Wandfuss ) in Angriff nehmen .
Nachdem wir zweieinhalb Seillängen in diesem merkwürdigen Felsband geklettert sind , können wir uns nach rechts wenden , um den Anfang der zentralen Zone grauer Platten zu erreichen , eine grossartige kompakte Rutschbahn , die eine anhaltende , schwierige und technisch anspruchsvolle Kletterei verheisst .
Die Engelhornhütte besitzt noch den etwas altmodischen , aber so liebenswerten Reiz einer echten Berghütte , die von unmässigen Vergrösserungen und Modernisierung verschont geblieben ist .
Der Bau hat bescheidene Ausmasse , die Schlafräume sind merkwürdig ineinandergeschachtelt , und die Küche bildet einen Teil des Aufenthaltsraumes , der dadurch eine gewisse gesellige Note erhält .
Samstag , 10. September 1988 :
Eine letzte Verschneidung , eine letzte abdrängende Stelle , und wir sind wieder in der Nähe der klassischen Route , am Ende der Schwierigkeiten und wenig unterhalb des Gipfels . Dort erleben wir die Überraschung - sie ist gegenseitig - , unsern Freund Kaspar Ochsner zu treffen , den grossen Spezialisten dieser Region ( Kaspar hat zahlreiche , sehr schöne Routen gerade gegenüber , am Simelistock , eröffnet ) .
Route <Trumpf-könig> .
AS-/ 550 m / Passagen 6b zwingend / 6c in Freikletterei .
Sehr interessante Kletterei , besonders in der mittleren Zone , die ein gewisses Engagement verlangt und den Charakter einer grossen Kalkwand bietet .
Helvetiaplatz 4 , 3005 Bern , Telefon 031/433611 , Telefax 031/446063 .
Nachdruck :
Beiträge jeder Art und Bildmaterial werden gerne entgegengenommen , doch wird jede Haftung abgelehnt .
Beglaubigte Auflage :
71 176 Exemplare .
Unsere Erfahrung war sehr gering , unsere Ausrüstung rudimentär , unsere Begeisterung dagegen ansteckend und unsere Entschlossenheit ohne Fehl .
Bei der Abfahrt sind die beiden mutigen Gesellen offenbar ihrer eigenen Spur auf etwa zehn Zentimeter genau gefolgt , denn André stürzte in dasselbe Loch und hing dort an seinen quer in der Spalte verklemmten Ski !
Wenn ich aber glaube , was Livanos über den grossen Riccardo Cassin gesagt hat , so genügt es nicht , auf das Glück zu warten , man muss es auch mit der nötigen Entschiedenheit herbeirufen .
Äusserst tüchtige Retter von der Air-Zermatt , Bergführer und Alpinisten , deren Namen ich nicht kenne ( mit Ausnahme von Alain Junod und Denis Berger , Sektion Diablerets , die den Alarm auslösten ) , denn ich habe in dem Durcheinander des Geschehens nicht daran gedacht , sie danach zu fragen .
Ein schändlicher Streich Die Genfer haben ihre eigenen Gewohnheiten , das sei ohne die geringste Anspielung auf den etwas abgenutzten Witz gesagt , mit dem die Miteidgenossen die Redeleistung und das ewig mäklige Temperament der Leute vom Ende des Genfersees mit dem Umfang ihrer Stimmorgane in Verbindung bringen .
Am Freitag stiegen acht der Muntersten zur Mischabelhütte auf , was andere Alpinisten und sogar einige Führer veranlasste , ebenfalls aufzusteigen .
Er richtet unvermutet eine Frage an mich :
( Wenn ich falle , hältst du mich dann?> - <Du kannst es immerhin versuchen ! )
Fünf Trockensprit-Kocher stehen sofort in einer Reihe auf dem Tisch , um Schnee zu schmelzen .
Wütend fährt der Hüttenwart dazwischen :
( Wissen Sie , ich mag die Romands nicht leiden , nur die Deutschen und die Deutschschweizer . )
Wirklich !
Wir begannen fast so etwas zu ahnen !
Der Plan interessierte Jean-Luc Amstutz .
Mir lag daran anzukommen .
Ich hatte noch die Möglichkeit , die Geschichte sehr viel weiter zurück zu verfolgen : Auf den in den dreissiger Jahren gefüllten Seiten standen die Namenszüge berühmter Bergführer , Josef Knubel und Franz Lochmatter .
Er sollte sehr schnell über das Ausmass meiner Kompetenz belehrt werden , denn eine ordentliche Schicht frischen Schnees hatte den ganzen Hang bedeckt , den Bergschrund verschwinden lassen und über Hunderte von Metern , bis ins Unendliche , alles nivelliert .
Ich habe das Gefühl , meinen eigenen Sturz mitzuerleben , ohne wirklich beteiligt zu sein , die verschiedensten Eindrücke wahrzunehmen , die zu schnell aufeinanderfolgen , als dass ich sie zu einem zusammenhängenden Ganzen verbinden könnte .
Eine Art Persönlichkeitsspaltung , ein unbekümmertes Gefühl , in der Luft zu treiben , keine Geste der Gegenwehr .
Ohne den Sack wäre ich nach meinem Sturz auf den Rücken vielleicht nicht mehr aufgestanden .
Endlich sehe ich klar , aber die Umgebung ist unheimlich :
<Seil geben ! )
Yoga , von mir aus , aber bitte auf dem Teppich !
Ganz ehrlich , ich wäre sehr traurig gewesen , hätte ich diesen Pickel verloren , den mir Pierre Bovier , der letzte Schmied von Evolène , nach Mass gemacht hatte .
Was ich an diesem Tag gerettet habe , ist weit mehr als ein einfacher Pickel , es ist eine Reliquie der Handwerkskunst .
Wieder unterwegs , als sei nichts geschehen , wende ich mich zurück , um eine günstigere Passage zu suchen , und fühle mich plötzlich von einer übermächtigen Müdigkeit zu Boden gedrückt , meine Beine sind bleischwer .
Jean-Luc hat das bereits begriffen und übernimmt die Seilführung für den Rückweg .
Das stimmt weiss Gott , und da mich die Affäre zudem sehr ermüdet hat , muss ich , wenn auch widerwillig , zugeben , dass die Angelegenheit für heute erledigt ist .
Und nun der Nadelgrat !
Zwei Seillängen in einem ziemlich steilen Eisstück - die erste eine horizontale Traverse , um einige Felsen zu umgehen - bringen uns auf den richtigen Weg am Fuss eines kleinen , vergnüglich zu überquerenden Felszackens .
Der Aufstieg zum Dürrenhorn scheint mir ein wenig langweilig , sicher eine Wirkung der Müdigkeit , denn ich beginne zurückzubleiben .
Sie wollen nicht wieder aufsteigen und können den Grat , von dem sie erschreckende , zerklüftete Couloirs trennen , nicht mehr erreichen .
Heute sind die Götter mit uns :
Besonders Aufsehen erregten die konsequent von unten eröffneten Routen wie Le Toit , Quo Vadis , Via del Ladro Corda und Kolibri .
Als man aber auch in Üschenen begann , die ersten , meist kürzeren Anstiege abseilend zu eröffnen , wurde es plötzlich etwas stiller um dieses Klettergebiet .
Erst 1988 rückten durch die Eröffnung neuer Routen die landschaftlich überaus reizvoll gelegenen Felsen von Üschenen wieder ins Blickfeld .
Dasselbe gilt für die von den rein klettertechnischen Schwierigkeiten her gesehenen Spitzenrouten und Anziehungspunkte für leistungsstarke Kletterer Bscbüttigütti{\Q ) und Fusion ( 10- ) .
Die Durchsteigung derartiger Routen bietet - besonders wenn sie , wie in diesem Fall , nach nur sehr kurzer Vorbereitungszeit bereits im ersten Vorstiegsversuch gelingt sehr intensive Klettererlebnisse und gehört deshalb zu den Höhepunkten im Leben eines Kletterers .
Manchmal spielen aber auch klimatische Bedingungen eine grosse Rolle , indem sie erlauben , die Kraft voll auszuspielen - oder eben nicht .
In solchen Fällen konzentriere ich mich dann ganz von selbst auf dieses Problem und werde damit vom Klettern abgelenkt .
Um so wertvoller und erlebnisintensiver werden deshalb jene Momente empfunden , in denen man sich den Anforderungen gewachsen fühlt , selbst wenn die Ziele sehr hoch gesteckt sind .
An der Schlüsselstelle sind wir aber bereits völlig ausgepumpt , chancenlos , den ( Absprung ) von der geraden Linie überhaupt zu wagen .
Das kostet zu viel Zeit , um sie für das schwierige Nachgreifen freizubekommen .
Ihre Anweisungen helfen mir in diesem Moment sehr viel , und es geht auch gleich deutlich besser .
Wir wandern ein wenig umher und schauen uns den neuen kleinen Klettergarten an .
Dann auch das Bschüttigütti .
Wiederum bekunde ich Mühe , die Bewegung im entscheidenden Moment genau zu erfühlen und zu kontrollieren .
Ich spüre nur , dass etwas noch nicht ganz stimmt .
Beim Losklettern frage ich mich kurz , ob sie wohl ungeduldig ist oder ob andere Überlegungen dahinterstecken .
Bestimmt würde sie mich noch einen weiteren Anlauf machen lassen , selbst wenn ich genau weiss , dass Konzentration und Kraft dazu nicht mehr ausreichen , dass die Haut an der Fingerspitze bald durchreisst und bei aller Feilscherei um einen fünften Versuch dieser mit Sicherheit danebengehen würde .
■rlebnis Selbsanft-Nordgrat
Albert Schmidt , Engi ( GL )
Für das Wochenende vom 28./29 . September 1985 habe ich mich mit meinen Seilkameraden Johann Stoffel und Harry Zweifel verabredet .
Bei einer Wasserfassung der KLL beginnt oben in der rechten Felswand der ( Birchen-gang> , ein schmales , abschüssiges Schrofen 41 und Felsband , das steil zur untersten Schulter der Nordflanke hinaufzieht .
Er leuchtet direkt in unsere Höhle , und mit zunehmender Höhe fällt sein 42____________________________________ mildes Licht in die Tiefe der Limmeren-schlucht , breitet einen transparenten Schleier über die vorher harten , tiefschwarzen Flächen und Konturen der Bergwände .
Wahrscheinlich kommen wir wieder einmal hierher , aber eine solche Nacht werden wir wohl nie mehr erleben können .
Allmählich nähert sich der Mond der hohen Horizontlinie des Selbsanft , berührt sie und verschwindet .
In unserer Balm wird es dunkel , und wir schlüpfen in die Schlafsäcke .
Die Firnflächen der Claridengruppe und die Gletscher des Tödi leuchten blendend weiss in der Morgensonne , während im schon weit unten liegenden Tal immer noch dunkle Schatten lagern .
Als alte Schlaumeier wissen wir , wie man eine solche Stelle anpackt :
Neben dem Klotz des Mittler Selbsanft thront im Süden der Tödi in seiner ganzen Wucht über den Matten und Felsen des Bifertenalpli und der Röti .
Drüben aus der schuttgrauen Mulde zwischen Nüschenstock und Ruchi schaut das blaue Auge des Muttsees hervor , und rechts davon können wir noch die gleichnamige Hütte entdecken .
Talwärts gewandt , fasziniert uns der überwältigende Tiefblick fast 2000 Meter hinunter ins Tierfed , in die Abgründe der Sandalp , des Limmerentobels und der Linthschlucht .
Auf den Höhen des Selbsanftmassivs Wir klettern vom Gipfelturm hinunter und wandern über die öde Gratsenke zum Mittler Selbsanft , den wir nach derTraversierung eines Geröllhangs durch ein Firncouloir ersteigen .
Oben auf dem Plateau öffnet sich ein weiter Horizont unter einem ebenso weitgespannten Himmel .
Über die weitgeschwungenen Höhenrücken von Plattas Alvas gelangen wir im Glanz der Firnfelder südwärts .
Hier oben , auf dem gewölbten , rauhen Rücken des mächtigen Berges , wird die Verlassenheit und die Urtümlichkeit dieser Region beinahe körperlich spürbar .
■rinnerungen Piz Buin und Piz Platta
Aber aufgeschoben ist nicht aufgeho- ben , denn ein solches Versprechen wirkt weiter , macht sich bemerkbar , bleibt als ständiger leiser Vorwurf bestehen .
Soeben habe ich am Fusse der Crasta Mora , auf einem südexponierten Hang gepicknickt .
Meine Augen folgen ihm , bis er in der Ferne verschwindet , und meine Gedanken schweifen zurück . Zurück zu den Skitouren der Sektion Bernina auf den Piz Buin und den Piz Platta .
Wenn ich mich jetzt zu erinnern versuche , was damals vorgefallen ist , muss ich geste hen , dass mir viele kleine , lustige Einzelgeschichten und Anekdoten , die sich in der Gruppe abgespielt haben , nicht mehr vollständig präsent sind .
so zum Beispiel die Schmerzen , die eine Blase beim Laufen verursacht , der Tanz mit hohen Bergschuhen in einer kleinen , getäferten Wirtsstube im abgelegenen Maiensäss , die Wolkenbilder , die am Fuss des Piz Platta bei einem Wirbelsturm entstanden , oder die Laute der Schneehühner , die frühmorgens beim Wegmarsch von der Buinhütte zu vernehmen waren .
Für mich wäre es nun sinnlos , die ganze Tour schriftlich nachzuvollziehen , vielleicht auch zu mühsam , die Erinnerungsbruchstücke aneinanderzureihen .
Immer wieder frage ich mich - fragt sich wohl jeder - , weshalb man in aller Frühe aufsteht , bei klirrender Kälte schlotternd am Parkplatz bei der Post in St. Moritz Bad auf die Tourenkameraden wartet , einen langen , beschwerlichen Aufstieg auf sich nimmt und schwierige Passagen bei der Abfahrt meistert .
Trotzdem bieten die Berge dem mit Schwierigkeiten behafteten Menschen keinen Ausweg aus einem unerfüllten Leben .
Jeder von uns verfügt über einen Lebensraum , der ihm mehr oder weniger vertraut ist .
Denn damit dieses Leben lebenswert sein kann und auch eine gewisse Spannung enthält , damit der Mut zum Risiko nicht vergeht , braucht und sucht jeder für sich ihm noch ferne oder sogar noch unbekannte Lebensbereiche .
iweimal Rheinwaldhorn
Peter Donatsch , Mastrils
George holt mich ab .
Ich sehe ihn vor mir , wie er diskret durch die Hallen schreitet , sich in höflichster Art seinen Gästen widmet , in fünf Sprachen sich fliessend mit ihnen unterhält , Lob freundlich lächelnd entgegennimmt und bei Tadel sofortige Abhilfe verspricht .
Bis Ilanz sprechen wir noch von Geschäft und Arbeit , aber dann auf der Fahrt durchs enge Tal den Valserrhein entlang nimmt uns die Bergwelt endgültig gefangen .
Das erweist sich jedoch als Irrtum , da neue Zuflüsse das Gewässer nur noch verbreitern .
Somit gibt es nur eines :
Wir <schwimmen> buchstäblich auf dem Weglein abwärts , um der Sonne entgegenzueilen , die im untersten Teil der Lampertschalp - welch ein Hohn - den ganzen Vormittag geschienen hat .
Pius hat mindestens eine Viertelstunde Vorsprung .
Für uns aber ist es nur ein Schritt auf dem Weg zu jenem Ziel , zu dem wir während unseres ganzen Lebens unterwegs sind .
Wv
Willy Auf der Maur , Seewen ( sz )
Wo sie fehlt , erstarren Gesichter zu Masken , verkommen Gespräche zu Gerede , bleiben Seilstränge in den Ästen hängen ( weil der eine Kletterer rechts , der andere links der Legföhre aufsteigt ) .
Harmonie braucht meist wenig Worte , ist diskret , leise , so leise , wie es unsere Schritte heute sein möchten , im Bergwald und in den ersten , gestuften Felsen über den Baumwipfeln .
Die Einstiegsplatte Schweigen könnte auch eine Art Egoismus sein , vermute ich , und da ich bei meinen beiden Weggefährten - Neulingen im Umgang mit bestandenen Bergsteigern - nicht den Eindruck von Selbstsucht oder Eigenbrötelei erwecken möchte , fühle ich mich am eigentlichen Einstieg zum Wyss Wändli , der leichtesten der Westwandrouten am Grossen Mythen , bemüssigt , Akzente in die tote Stille zu setzen .
Visionen tauchen in mir auf :
verkniffene Gesichter , Gestalten , die auf den Knien über die geschliffene , helle Fläche hinaufkriechen , die zwei grossen Obdörfler , die wie Rosenkranzperlen am Ende meines Seils hängen , nachdem der eine ins Rutschen gekommen und den andern aus dem Stand gerissen hat .
<lch will euch aber sagen , wie sie problemlos zu meistern ist> , füge ich gnädig lächelnd hinzu .
Die Gesichtszüge von Susi und Ruedi entspannen sich .
Hätte die Goldrose , wie die Blume bei uns genannt wird , ihren formvollendeten Kelch im Winde gewiegt , mein Mund wäre ein weiteres Mal übergelaufen , wie er es auch schon in der ersten halben Stunde unseres Aufstiegs , im Mythenbann , getan hatte , als wir an einem zweimal mannshohen grünlichgrauen Felsblock vorbeiwanderten .
Auf der Rampe Inzwischen sind meine Gefährten unbeschadet bei mir angekommen , und so kann ich die zweite Seillänge in Angriff nehmen .
Ich aber muss zu meiner Schande gestehen , dass mich in diesen fünf , sechs Metern schon öfters eine leichte Unruhe überfallen hat .
Unser Heil liegt drüben , hinter einer abschüssigen , grasdurchsetzten Rippe , in einem System von Rinnen und Bändern .
Das Genecand-Gesims Fragen Sie niemanden , wo dieses zu finden sei .
Im harten Firn , im Geröll , im rauhen Granit , überall bissen sie herzhaft zu .
Hier waren sie in ihrer Gier kaum mehr zu bremsen , und deshalb war die Zeitepoche der Tricouninägel auch diejenige der grossen Grasrouten .
<Warum ich euch so erheitert entgegenblicke ? )
Susi und Ruedi schauen mich erwartungsvoll an .
Im Banne des Wyss Wändli Wir klettern flüssig weiter , schräg aufwärts , der Wand entlang .
( Hohlwangig bist du geworden , pocken narbig dein hellgefleckter Stamm , trocken und klapprig das in den Rissen der Wand verankerte Wurzelwerk , schütter dein Blätterdach .
Aus der Enge der Rinne , die uns in hoher Wand die Geborgenheit einer <guten Stube ) vermittelt , wandert unser Blick in die Tiefe , auf ein Meer spitzer Tannenwipfel , auf grüne Matten und einen Ausschnitt des Talbodens von Schwyz , aus dem die Geräusche des Alltags zu uns heraufdringen .
In der Jubiläumsausgabe der ALPEN ( 2/1963 ) zum 1OOjäh-rigen Bestehen des SAC wird über Genecand nämlich unter anderm berichtet , dass er als tüchtiger , unerschrockener Gänger mehr als zwanzigmal den Grépon - den Prüfstein der damaligen Elite - überschritten und dabei ungezählte Anfänger in die Mühen und Freuden des Kletterns eingeführt habe .
( Seht ihr dort oben , links über der Schlucht , die Schlingen in der Wand ?
Susi lacht , Ruedi auch , ich lache , unsere ganze kleine Welt lacht mit :
An meinem Seil befand er sich , weil er vernommen hatte , dass auch schon Vertreter des schönen Geschlechts über das Wyss Wändli geklettert seien .
( Was das Weibervolk kann , kann ich auch ! )
Es ist ihm an meinem Seil an diesem Tag auch wirklich nichts passiert , dem Seffi !
Hier und jetzt , über der Legföhre , unter der ich durchgeschlüpft bin , mitten in der Wandstufe mit den sauberen , waagrechten Leisten müsste man mich fragen , warum ich klettere .
Kein Mensch , nicht einmal unsere alpinen Lehrmeister , hätten uns damals erklären können , wie das technische Klettern geht .
Ist dies nicht ein Grund , sein Andenken noch besonders in Ehren zu halten !
Eine Örtlichkeit , wo sich solche Bilder sammeln lassen , ist das Rot Grätli am Gipfelkopf des Grossen Mythen .
Die Bilder sind hier dreidimensional , gehen in die Höhe , in einen Himmel , an dem die rote Schweizerfahne flattert , in die Weite , zum Zürichseebecken , zum Alpstein , in die Urner und Unterwaldner Alpen , in die Tiefe , auf die dunkeln Wälder und blühenden Weiden des Alptals , auf den bunt gefleckten , mit Seen geschmückten Talkessel von Schwyz .
Auch uns drückt man , wie erwartet , ein funkelndes Glas in die Hand .
Ich hab's ja immer gesagt :
Es muss nicht immer Bilderbuchwetter sein : Aufbruch vom Einstiegssattel der Wyss-Wändli-Route am Gr .
Mythen .